MyMz
Anzeige

Menschen

125 000 Muslime hören auf „Goethianer“

Aykan Inan machte 1999 Abitur an der ehemaligen Oberrealschule. Heute ist er Geschäftsführer des DITIP-Landesverbands.
Von Helmut Wanner, MZ

Aykan Inan als Student: Hier mit Imam Süleyman Teksenin in der DITIB-Moschee, Lindnergasse
Aykan Inan als Student: Hier mit Imam Süleyman Teksenin in der DITIB-Moschee, Lindnergasse Foto: altrofoto.de

Regensburg.Schon als Aykan Inan 1999 seine Reifeprüfung am Goethe-Gymnasium absolvierte, fiel das auf: Ein Türke, der Abitur macht. Er hatte schon damals diese charismatischen eisgrauen Augen wie Kemal Atatürk. Und schon damals sprach er sehr schnell, mit erhobener, heller Stimme.

Bei der Mittelbayerischen Zeitung berichtete Aykan Inan als freier Mitarbeiter über Integrationsthemen. Während seines Masterstudiums der Politikwissenschaften an der Uni Regensburg half der Sohn eines gelernten Friseurs aus Denizli dem Imam der DITIP-Gemeinde in der Lindnergasse als Dolmetscher aus. Den türkischen Vereinen gab er in Seminaren Tipps und Tricks im Umgang mit Behörden und Medien, er schrieb Stellungnahmen für seine Glaubensbrüder.

Aktiv beim Katholikentag

„All das, was ich damals ehrenamtlich machte, mache ich jetzt hauptberuflich und professionell“, sagt der 36-Jährige. Wenn er jetzt gelegentlich in seine Geburtsstadt kommt, schlägt ihm in der Moschee Ehrfurcht entgegen. Er kommt nicht mehr bloß als Aykan, sondern als Landesbeauftragter für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit und Geschäftsführer des DITIP-Landesverbandes Südbayern. Sein Büro sieht er selten, er trägt es in der Tasche: Smartphone und Tablet. Er ist seit 2010 ein Netzwerker und Kontaktmann mit Organisationen, Kirchen und Medien.

Aykan Inan mit seinem Presseausweis der MZ. „Da bin ich stolz drauf.“
Aykan Inan mit seinem Presseausweis der MZ. „Da bin ich stolz drauf.“ Foto: Wanner

2009 hat die DITIP erstmals Landesverbände gegründet. Sie werden von Türken geleitet, die hier aufgewachsen sind und studiert haben. Aykan Inans Ziel ist die Integration. Er will die Moscheejugend in den Bayerischen Jugendring bringen. Der bisherige Höhepunkt seiner Tätigkeit? „Der Katholikentag in meiner Heimatstadt. Ich saß im Arbeitskreis Islam.“ Deutschlandweit ist er im interreligiösen Dialog aktiv, gibt Interviews im Fernsehen.

2011 eine Familie gegründet

Inan ist sieben Tage und 24 Stunden im Dienst für seine Leute, über seinen Facebook-Account und What’s App. Trotz allem Stress scheint er in sich zu ruhen. „Alle gläubigen Menschen haben das in sich“, stellt er fest. Er glaubt an einen liebenden Gott, „der mir schenkt, was ich brauche.“

Seit 2011 hat er Familie. Er ist mit einer Nürnberger Türkin verheiratet, die er in München kennenlernte. Sie schenkte ihm vor drei Monaten eine Tochter. Sie heißt Elif Yade. „Elif wie das Alpha im Alphabet.“ Aykan Inan wohnt jetzt nicht mehr am Schwabelweiser Weg in Weichs, sondern in einer Erdgeschoßwohnung in Neuperlach, in einem Hochhaus nahe bei seinen Leuten. „Hier wohnen viele Migranten und viele Muslime aus der Türkei.“

Sein Vater hat es ihm vorgelebt. Ahmet Inan engagierte sich in der DITIP-Gemeinde, war jahrelang Vorsitzender des Bezirks Oberpfalz. Der gelernte Friseur aus Denizli war als Gastarbeiter zum Sachsenwerk (heute Schneider Electric) gekommen. Dort ist einer seiner drei Söhne, in seine Fußtapfen getreten. Aykan Inan aber dreht das größte Rad von allen Brüdern, als Geschäftsführer eines großen DITIP-Landesverbands.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht