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Wohnungsnot

6000 Studenten suchen eine neue Bleibe

Zum Semesterstart in Regensburg haben nicht alle ein Dach über dem Kopf. Die Situation ist angespannt, Couchsurfing gefragt.
Von Heinz Klein, MZ

Die Wohnungssuche der Studenten hat sich vom Schwarzen Brett mehr ins Internet verlagert, bleibt aber nach wie vor schwierig.
Die Wohnungssuche der Studenten hat sich vom Schwarzen Brett mehr ins Internet verlagert, bleibt aber nach wie vor schwierig. Foto: dpa-Archiv

Regensburg.Regensburg ist ein schönes Pflaster – aber ein teures. Wer 500 Euro oder mehr monatlich für die Miete übrig hat, wird auf der Suche nach einer Studentenbude leicht fündig, wer sparen muss, nicht so schnell. Zum Schluss kommen noch die Späteinschreiber und Nachrücker, die erst am Dienstag von ihrem Regensburger Studienplatz erfahren haben. „Die kommen ohne Adresse, aber mit Rucksack und Schlafsack und fragen, wo sie schlafen können“, erzählt Yasmin Hoppe vom Studentischen Sprecherinnenrat der Universität.

Für solche Notlagen gab es bisher zu Semesterbeginn im Partykeller des Dr.-Gessler-Heims ein „Matratzenlager”. Derzeit wird das Heim allerdings saniert, da hat es sich mit den Matratzen. Deshalb versuchen die Studentensprecher, den Service mittels einer Schlafplatzbörse zu organisieren und wenden sich via Facebook an „liebe Menschen“. Wer ein Herz für Studis und eine freie Couch oder eine zusätzliche Matratze hat, der wird gebeten, sich beim AStA (Allgemeiner Studentenaussschuss) zu melden:

Liebe Menschen,leider werden die Räumlichkeiten des Dr.-Gessler-Heims, in denen das “Matratzenlager” bisher stattfand,...

Posted by SprecherInnenrat der Universität Regensburg on Monday, September 28, 2015

Etwa 15 noch obdachlose Erstsemester hoffen derzeit auf solch ein Angebot, erzählt der studentische Sprecher Michael Achmann. Nächste Woche werden es wahrscheinlich noch mehr sein. Dem stehen etwa 30 Angebote für Zimmer, Untermiete oder Zwischenmiete gegenüber. Aber diese noch freien Plätze sind meist nicht in der Stadt, sondern im Landkreis. Und bis Kallmünz will keine Student ziehen.

Mehr „Anspannungsfaktoren“

Im Wintersemester gibt es rund 31 000 Studenten hier. An der OTH starteten 2200 Erstsemester, an der Universität beginnen 3912 Erst- und Neueinschreiber. Zusammen sind das gut 6000 Neuankömmlinge, die auf der Suche nach einer Bleibe sind. Laut einem bundesweiten Ranking aller 87 Hochschulstädte mit über 5000 Studierenden landet Regensburg auf dem 21. Platz und dem „Anspannungsfaktor“ 48 (Maximum 80 Punkte). „In Regensburg hat sich die Lage spürbar verschärft: Anspannungsfaktor und Mietniveau sind gestiegen“, lautet die Bilanz des Städterankings.

„Die Menge der Wohnungen ist okay, aber es fehlt an preisgünstigen Angeboten“, sagt Oberbürgermeister Joachim Wolbergs: „An günstigem Wohnraum haben wir zu wenig und daran arbeiten wir.“ Der OB nennt Zahlen: Im Jahr 2013 zahlten 18,9 Prozent der Studenten bereits über 400 Euro Miete, 3,4 Prozent über 500 Euro.

Was die Stadt sagt

  • Wohnungsangebot für Studenten:

    Insgesamt stehen den 31 000 Studierenden in Regensburg nach Auskunft der Stadt etwa 7680 Plätze in Wohnanlagen zur Verfügung. Davon sind rund 4000 in öffentlich geförderten und ca. 1700 in privaten Wohnheimen, sagt Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Etwa 1900 Appartements befinden sich in privaten Eigentumswohnanlagen.

  • Weitere Apartments in Planung:

    Weitere etwa 430 Appartements sind bereits genehmigt oder im Bau. Hinzu kommen noch etwa 900 geplante, aber noch nicht genehmigte Wohnungen, davon ca. 300 öffentlich geförderte. Diese werden vom Studentenwerk und dem Evangelischen Siedlungswerk in der ehemaligen Nibelungenkaserne gebaut.

Wer von den obdachlosen Erstsemestern noch ohne ein Couchsurfing-Angebot dasteht, der weicht aus. Zum Beispiel in die Jugendherberge. „Ja, wir haben jetzt täglich mehrere Anfragen“, bestätigt Leiterin Dagmar Elsner. Rund ein halbes Dutzend Studenten haben sich in der Jugendherberge im Mehrbettzimmer (4 bis 8 Betten) für 25 Euro plus Frühstück einquartiert. Allerdings müssen sie ihr Bett nach zwei Wochen räumen. Und für nächste Woche ist die Jugendherberge komplett ausgebucht. „Wir haben im Herbst viele Schulklassen“, erklärt Dagmar Elsner.

In der Altstadtherberge, dem Brook Lane Hostel in der Oberen Bachgasse, kam man bleiben, solange man will. „Wir haben einen Spanier, der wohnt schon eineinhalb Jahre im Acht-Bett-Zimmer“, erzählt Armin Günther. Klar seien Studenten hier, sagt der smarte Hostel-Chef. „Das ist jedes Jahr der gleiche Wahnsinn.“ Die Nachrücker, „die armen Schweine“, hätten jetzt Stress. Die Lage entspanne sich erfahrungsgemäß erstmals zum 15. Oktober, wenn Wohnungen und Apartments frei werden, und dann im November, wenn auch die letzten eine Bleibe gefunden haben.

Zimmersuche von den USA aus

Wohnung gefunden! Die Studentin Melanie Haider freut sich.
Wohnung gefunden! Die Studentin Melanie Haider freut sich. Foto: Klein

Im Brook Lane Hostel wohnen einige Studenten auch für länger. Die haben ihre Vorlesungen auf die ersten drei Wochentage gelegt und fahren am Mittwochabend nach Hause. Im Hostel gibt es die Bleibe im Acht-Bett-Zimmer für 16 Euro. Wer engagiert suche, finde bald etwas, weiß Armin Günther. Und wer vom Papa genug bekomme, der lasse es mit der Zimmersuche eben ruhiger angehen.

Manche haben aber auch einfach Glück. So wie Melanie Haider. Die Studentin (European Business) verbrachte vier Semester im Ausland, ist seit einigen Wochen wieder da und fand auf Anhieb ein Zimmer in einer Zweier-WG in der Altstadt. Zum Glück kann man ja auch übers Internet vom Ausland aus auf Wohnungssuche gehen. In WGs entscheiden meist die Mitbewohner, ansonsten der Vermieter. „Viele wollen keine Erstsemester, weil sie glauben, die haben noch die Partys im Kopf“, schmunzelt Melanie Haider. Eine junge Frau mit gleichem Studiengang tat sich schwerer. Die Zimmersuche von den USA aus gestalte sich aufgrund der Zeitverschiebung schwierig. Ihr Antrag auf ein Zimmer im Studentenwohnheim wurde erst auf den letzten Drücker beantwortet: positiv. Jetzt zieht sie im Wohnheim in eine 7er-WG: für 240 Euro warm.

Bettenplatzbörse des Sprecherrats: info@asta-regensburg.de

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