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Jubiläum

Als der Bischofshof zum Papst kam

Herbert Schmalhofer war im September 2006 der Leibkoch des Heiligen Vaters. Für Benedikt XVI. war das wie ein Stück Heimat.
Von Helmut Wanner, MZ

Der Pontifex begrüßt seinen Leibkoch und kümmert sich. „Und wer is’n na heid im Bischofshof?“
Der Pontifex begrüßt seinen Leibkoch und kümmert sich. „Und wer is’n na heid im Bischofshof?“Foto: Schmalhofer

Regensburg. Jetzt einmal unter uns: Am meisten wird sich Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch nicht übers offizielle Programm gefreut haben, sondern darüber, dass er wieder einmal in seinen Bischofshof gekommen ist. Da ist er daheim. Dort im Pilsstüberl hat er, als er noch bloß der Herr Professor war, mit seiner Schwester Maria und seinem Bruder Georg, dem Domkapellmeister, nach der Sonntagsmesse beim feinen Tafelspitz oder einem edlen Kaiserschmarrn schöne Stunden verbracht.

Monika Schmalhofer bediente den Heiligen Vater.
Monika Schmalhofer bediente den Heiligen Vater. Foto: Schmalhofer

Der Papst kam freilich nicht in den Bischofshof. Das geht aus protokollarischen Gründen ja gar nicht, dass ein Papst in ein Wirtshaus geht. Der Bischofshof kam zu ihm ins Priesterseminar am Bismarckplatz. Das hat er sich nämlich ausdrücklich gewünscht, dass ihm von Montag bis Donnerstag der Schmalhofer aufkocht und morgens um 7 Uhr Monika Schmalhofer schon den dampfenden Kaffee einschenkt – als erstes Extra des Tages.

Schmalhofers Tante im Fenster

Gleich beim ersten Frühstück hat er erzählt, dass er bei seiner Fahrt im Papamobil auch am Bischofshof vorbeigekommen ist. „Frau Schmalhofer, ich habe übrigens gestern Ihre Tante Erna im Fenster gesehen.“ Die fromme Schwester von Herbert Schmalhofer muss sich vor zehn Jahren wie der kleine Zachäus vorgekommen sein, als plötzlich die Augen Ihrer Heiligkeit auf ihr, der Schönstatt-Frau, ruhten.

Die Bilder vom Papst-Besuch sehen Sie in unserer Galerie:

Papstbesuch in Regensburg jährt sich zum 10. Mal

In diesen Tagen haben die Schmalhofers Reminiszenzen. Das ist ein lateinisches Wort für eine schöne Krankheit, bei der Zeitverlust und Sehnsucht die Symptome sind. „Was, ist das schon wieder zehn Jahre her?“ Für den Meisterkoch fühlt es sich an wie gestern, wenn er daran denkt, dass er für vier Tage ins Priesterseminar St. Jakob an den Bismarckplatz gezogen ist. „Ich bin erst wieder raus, als der Heilige Vater schon im Helikopter war.“ Er weiß es noch wie heute.

Die päpstliche Familie speiste gerne im Pilsstüberl.
Die päpstliche Familie speiste gerne im Pilsstüberl. Foto: Schmalhofer

Als er dann zu Fuß durch die Gesandtenstraße über den Neupfarrplatz und Krauterermarkt zum Bischofshof gegangen ist, hat er gemeint, die ganze Stadt fühlt sich anders an. „Es war eine ganz andere Stimmung in der Stadt“, stellt Schmalhofer gegenüber unserer Zeitung fest. Den Eindruck hätten ihm auch andere bestätigt. Ein Gefühl von Einmaligkeit, von nie vorher und nie nachher. Regensburg war an diesem Tag in die Kirchengeschichte eingegangen.

Der Meisterkoch hat die Hochzeit von Gloria und Goldi ausgerichtet, aber der Ruf ins Priesterseminar war schon noch eine Nummer größer. Am Montag, nach der Fahrt durch die menschengefüllte Altstadt, schritt der Papst beim Einpassieren in St. Jakob die Reihe der Hausgemeinschaft ab. Nach dem Handschlag mit Monika und Herbert Schmalhofer drehte er sich noch mal um und sagte augenzwinkernd auf bayerisch: „Wer is’n na heid im Bischofshof?“

Vor zehn Jahren besuchte der Papst Regensburg. Lesen Sie hier unsere damalige Berichterstattung!

Ein Blumenkorb aus Krokant

Zwei Leute eigenes Personal und das erfahrene Team des Priesterseminars waren nicht zu viel Man-Power für die leiblichen Bedürfnisse des Pontifex, denn es gab während der Tage ja auch genügend Mitesser. Unter fünf, sechs Bischöfen inklusive Sekretär kamen nie zum Abendessen. Nach der Papstmesse kochte Schmalhofer für 60 Gäste. Nur am Mittwoch hatte die Küche frei. Da wurde der Papst in der Wohnung seines Bruders in der Luzengasse von Frau Agnes Heindl versorgt. Der Tross speiste koscher in der jüdischen Gemeinde gegenüber.

Tafelspitz, Kaiserschmarrn und Apfelstrudl: Alle seine bayerischen Leibspeisen standen auf dem Speiseplan. „Wir wollten ihm halt den Aufenthalt in Regensburg so angenehm wie möglich machen,“ sagt Herbert Schmalhofer. Er hatte damals aus dem päpstlichen Menüplan ein Geheimnis machen müssen. Jetzt erinnert er sich an liebevolle Details wie einem Blumenkorb aus Krokant zum Nachtisch, in dem eine Eiskreation blühte.

Der Dank? Natürlich hütet Herbert Schmalhofer seinen persönlich gesegneten Rosenkranz und sein Medaillon als Andenken. Aber das schönste Geschenk für ihn ist, dass er alle ein, zwei Jahre beim Papst em. im Kloster eingeladen ist. „Das ist uns sehr wertvoll.“

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Keine Extra-Würste

  • Seine Seele

    nährt Papst Benedikt XVI. em. aus dem Glauben. Für sein körperliches Wohlbefinden sorgten in Regensburg Herbert Schmalhofer und das Team vom Priesterseminar St. Jakob. Der Meisterkoch verwöhnte den Papst und sein Gefolge mit gutem bayerischen Essen.

  • Die Vorschlagsliste

    für das Essen entwarf die Küchencrew gemeinsam; von Benedikt XVI. selbst kamen keinerlei Vorgaben. Die Menüfolge blieb Privatsache. Das Team einigte sich stillschweigend, mit Details nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Nur soviel: Der Papst wünschte keine Extra-Würste. Er aß, was alle Gäste essen. Und: Benedikt XVI. kam selbstverständlich ohne Vorkoster aus

  • Mit einer persönlichen

    Begegnung rechnete der Küchenchef damals nicht. „Wenn sich die ergäbe, wäre das wunderschön. Aber so, wie es aussieht, bin ich in der Küche und der Papst am Tisch. Das ist auch ganz richtig so“, sagte er.

  • Diskretion Ehrensache:

    Schmalhofer war einst der Leibkoch der Thurn und Taxis und ist heute eine Institution als Chef im Bischofshof am Dom. Dieses Jahr feierte er das 30. Wirtejubiläum.

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