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Donnerstag, 24. Mai 2018 23° 4

Gespräch

Altstadt bleibt ein schwieriges Pflaster

Regensburger klagten: Partygänger und Autos bereiten Sorgen. Der OB testet Bewegungsmelder, um Wildbiesler abzuhalten.
Von Angelika Lukesch, MZ

  • In der Regensburger Altstadt treffen viele Interessen aufeinander: wie hier an einem Sommerwochenende auf dem Bismarckplatz. Archiv-Foto: altrofoto.de
  • Stadtrat Dr. Tobias Hammerl (SPD) moderierte das Bürgergespräch „Leben und Wohnen in der Altstadt“. Foto: Lukesch

Regensburg.Trotz der enormen Hitze waren am Donnerstagabend nahezu 50 Altstadtbewohner zum SPD-Bürgergespräch „Leben und Wohnen in der Altstadt“ in das „Goldene Fass“ gekommen. Mehr als zwei Stunden drehten sich die Redebeiträge in der von Moderator und Stadtrat Dr. Tobias Hammerl (SPD) leidenschaftlich geführten Diskussion mit Oberbürgermeister Joachim Wolbergs um Wildbiesler, Party- und Musiklärmverursacher, Anwohnerparkplätze und das Durchfahrtsrecht in der Altstadt.

Außerdem klagten die Altstadtbewohner über, Junggesellenabschiede, Alkohol auf öffentlichen Plätzen und die Gastronomie. „Wie soll ich es allen Recht machen?“ lautete die Frage, die OB Wolbergs den Anwesenden mehrfach stellte und darauf keine Antwort erhielt. Ehe Dr. Hammerl die Diskussion startete, hatte er mit den Teilnehmern eine Themensammlung zusammengestellt.

Notdurft im Lothgässchen

Das Lothgässchen sei zu einem Wildbiesel-Standort geworden, sagten einige Altstadtbewohner, zumal die Toiletten der Bismarck Garage zurzeit geschlossen seien, sich des schönen Wetters wegen jedoch Tausende von Besuchern auf dem Bismarckplatz aufhielten. Der Urin fließe in Hauseingänge, stinke und außerdem sei es eine Entwürdigung, wenn – und dies nicht nur im Lothgässchen, sondern zum Beispiel auch in der Grasgasse und an anderen Stellen in der Altstadt – die Betrunkenen sich an der Hauswand erleichtern würden.

Der Ruf nach dem Ordnungsdienst wurde mehrfach laut, auf jeden Fall müsse dagegen etwas getan werden. Ordnungsdienstkräfte gibt es jedoch in der Stadt nur sechs Stück, eine davon im Innendienst. „Und wir haben in der Stadt mehrere Brennpunkte, wo der Ordnungsdienst benötigt wird“, sagte der OB.

Andere Gäste forderten einen Klowagen, auch wenn ein Altstadtbewohner eine deutlich andere Meinung vertrat: „Es gibt genug Toiletten am Bismarckplatz. Und wenn ein Vollbetrunkener bieseln will, dann geht er auch an die nächste Hauswand, selbst wenn daneben eine öffentliche Toilette oder ein Klowagen steht!“.

OB Wolbergs erklärte, dass die öffentlichen Toiletten, die in der Stadt 24 Stunden geöffnet hätten, aber gerade in den Nachtstunden, wenn die Wildbiesler unterwegs seien, kaum genutzt würden. Er erklärte sich jedoch bereit, zu Testzwecken auf dem Bismarckplatz für drei Monate einen Klowagen aufzustellen sowie auch einen Bewegungsmelder an einer anderen, von Wildbieslern stark frequentierten Stelle anzubringen. „Wir werden sehen, was es bringt“, sagte Wolbergs.

Die Gäste forderten eine Verstärkung des Ordnungsdienste und, dass die Polizei etwas gegen die Wildbiesler unternehmen soll. Andere beschwerten sich weiter über den Lärm, die Junggesellenabschiede, die laute Musik aus Autos, die aus Imponiergehabe mehrfach durch die Altstadt kreisen, und auch über den Lärm der Event-Gastronomie, entgegnete OB Wolbergs: „Ich will nicht in einer Stadt leben, in der alles durch Verbote geregelt wird!“

Probleme in Regensburg

  • Wildbiesler:

    Oberbürgermeister Joachim Wolbergs plant eine Testphase mit einem Bewegungsmelder an einer besonders stark frequentierten Stelle und einem Klowagen am Bismarckplatz.

  • Verkehr:

    Der Altstadtbus kommt raus und stattdessen werden fünf kleine Elektrobusse installiert. Die Kosten dafür betragen 2,5 Millionen Euro.

  • Unberechtigte Durchfahrt durch die Altstadt:

    Die Lieferfahrzeuge werden demnächst drei bis vier Wochen lang einer strengen Kontrolle unterzogen. Außerdem ist eine Poller-Lösung mit Sensortechnik wie in Salzburg angedacht. Dies wird im nächsten Jahr getestet.

  • Parkleitsystem:

    An einem besseren, digitalen Parkleitsystem wird derzeit gearbeitet. (lla)

Nette Toilette soll helfen

Der Wildbiesel-Unsitte will der OB unter anderem mit der Aktion „Nette Toilette“ (Gastronomiebetriebe öffnen ihre Toiletten für die Passanten gegen ein Entgelt der Stadt) entgegenwirken.

Das Problem der Altstadt liege in der Gemengelage der Interessen derjenigen, die hier lebten und arbeiteten. „Wenn man das Feiern und die Gastronomie aus der Altstadt vertreibt, dann ist sie tot“, sagte Wolbergs. Außerdem komme das Problem nicht aus der Gastronomie, sondern von denen, die gar nicht die Gastronomie frequentieren. Eine Minderheit der jungen Leute, die nach Regensburg kommen, um zu feiern, würde sich nicht anständig verhalten, der Großteil rücksichtsvoll und respektvoll. Die Mehrheit der Feiernden stelle überhaupt nichts an. „Warum soll aufgrund einer Minderheit die Mehrheit leiden, wenn man zum Beispiel ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen aussprechen würde? Mit mir wird es das jedenfalls nicht geben“, sagt Wolbergs.

Der Einzelhandel in der Stadt

Ein viel größeres Problem stelle, sagte der OB, die Frage danach dar, wie man es schaffe, dass der Einzelhandel in der Stadt bleibe. Den Einklang Wohnen, Arbeit, Einzelhandel, Feiern in der Altstadt herzustellen, sei überaus schwierig. Er selbst würde zum Beispiel gerne die Wahlenstraße autofrei sehen, denn diese Straße hätte ein großes Potenzial als Aufenthaltsbereich für Gäste und Kunden in Regensburg. Die Einzelhändler jedoch, sagte der OB, fürchteten um die Kunden, wenn die Parkplätze wegfielen, wenngleich er selbst einen positiven Effekt prognostiziere.

Das nicht selten missbrauchte Durchfahrtsrecht der verkehrsberuhigten Straßen, wie zum Beispiel der Gesandtenstraße, werde demnächst mit versenkbaren Pollern (wie in Salzburg) versucht wiederherzustellen, um so den Verkehr zu Gunsten der Fußgänger zu mindern, kündigte Wolbergs an.

Er plädierte in der Altstadt für Toleranz und Gelassenheit der Altstadtbewohner und den Respekt, den Anstand und die Rücksichtnahme der Altstadtbesucher. Nichtsdestotrotz ist sich der OB einer Sache sicher: „Den Nutzungskonflikte der Altstadt in der Regensburger Altstadt wird es, wie in anderen Städten auch, immer geben.“

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