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Bücher

Anna di Santosa ermittelt wieder

Hilde Artmeier veröffentlicht ihren dritten Regensburger Roman. In „Dunkle Donau“ begibt sich ihre Protagonistin in Gefahr.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Hilde Artmeier am Marc-Aurel-Ufer. Auf der Terrasse eines fiktiven Hauses auf dem Unteren Wöhrd, quasi hinter ihrem Rücken, ereignet sich in ihrem Buch der Mord an Svobodas Assistentin.
Hilde Artmeier am Marc-Aurel-Ufer. Auf der Terrasse eines fiktiven Hauses auf dem Unteren Wöhrd, quasi hinter ihrem Rücken, ereignet sich in ihrem Buch der Mord an Svobodas Assistentin. Foto: Wiedamann

Regensburg.Keine Frau passt besser in die italienischste Stadt Deutschlands als Anna di Santosa: Die temperamentvolle Italienerin mit Modeboutique und Detektivbüro in Regensburg hält nicht so sehr viel von starren Regeln – es sei denn, es geht um die Erziehung ihres 13-jährigen Sohnes. Ansonsten ist die Privatermittlerin ihrem Ex-Ehemann und Kommissar Paolo gerne eine Nasenlänge voraus, was aber auch dazu führt, dass sie manchmal eins auf die Nase kriegt.

Auch im jüngsten Fall, soeben unter dem Titel „Dunkle Donau“ im emons:-Verlag erschienen, kann es Anna di Santosa nicht lassen. Obwohl die Assistentin des Industriellen Jiri Svoboda, den Anna schützen soll, just während eines Gesprächs mit ihr auf der Terrasse einer Wohnung am Unteren Wöhrd von einem Scharfschützen niedergestreckt wird – vermutlich durch einen Meisterschuss vom abgebrannten Adler-Haus in der Thundorfer Straße aus –, hält sie sich mit zu viel Information für die Polizei vornehm zurück. „Klar“, verteidigt die Regensburger Autorin Hilde Artmeier lachend den Kunstgriff: „Sonst wäre der Fall ja für Anna schon zu Ende.“ Denn Paolo untersagt seiner Ex in solchen Fällen jeglichen Alleingang. Für die Privatdetektivin bedeuten solche Aufträge aber bares Geld – und außerdem ist sie besessen von der Suche nach der Wahrheit. Also erlaubt Artmeier ihrer Protagonistin, immer wieder einmal aus der Reihe zu tanzen, was zu Ermittlungserfolgen führt, aber auch Risiken birgt. Denn auch in diesem Fall sind die Menschen nicht immer das, was sie zu sein scheinen.

„Es gab in den letzten Jahren einen Zeitraum, in dem mir viele Menschen begegnet sind, die ganz anders sind als der erste Eindruck. Das hat sich bei mir festgesetzt.“

Hilde Artmeier

„Mich interessiert besonders die Psychologie“, bekennt Hilde Artmeier. Wie gibt sich jemand? Was verbirgt die Person? Was sind die düsteren, geheimnisvollen und gefährlichen Seiten einer Figur hinter ihrem oft sympathischen Auftreten und ihrer harmlosen Maske? „Es gab in den letzten Jahren einen Zeitraum, in dem mir viele Menschen begegnet sind, die ganz anders sind als der erste Eindruck. Das hat sich bei mir festgesetzt.“

Das Cover des neuen Romans
Das Cover des neuen Romans

Die Idee zu dem Krimi keimte über Jahre. „Ich war in Tschechien und Prag und dachte, das wäre eine gute Verknüpfung. Das Grenzübergreifende hat mich interessiert.“ Also verlässt Anna di Santosa für diesen verzwackten Fall die Donau-Metropole und recherchiert auch im deutsch-tschechischen Grenzland, aber auch in Ulm und dessen Umland. Zu gewagt für einen Regionalkrimi? „Regensburg ist wunderschön und die Verknüpfung zu dieser italienischen Figur auch“, sagt Artmeier. Doch mit neuen Schauplätzen wächst die Chance, dass sich nicht nur Regensburger für ihre Krimis interessieren. „Und was ist schon ein Regionalkrimi? Donna Leons Krimis spielen alle in Venedig, die Wallander-Krimis in Südschweden. Sind das deshalb Regionalkrimis?“

Doch Artmeiers Kriminalromane haben bereits Fans in anderen Regionen, weiß die Autorin von ihrem Verlag. Ihr Konzept der psychologischen Krimis, die statt mit zu viel Gewalt mit Familiärem punkten, geht auf. Sie recherchiert intensiv die Hintergründe ihrer Storys. Bevor noch die erste Zeile geschrieben wird, ist der Plot erarbeitet, stehen die Charaktere fest.

Dunkle Donau

  • Biografie:

    Hilde Artmeier wurde 1964 in Oberbayern geboren und lebt seit über 30 Jahren in und um Regensburg. Die Biologin und Fremdsprachenkorrespondentin arbeitet seit 2000 als Übersetzerin und freie Schriftstellerin.

  • Buchreihe:

    „Dunkle Donau“ ist der dritte Roman in der Serie um die Privatdetektivin Anna di Santosa, der vierte ist in Vorbereitung. Die Regensburger Autorin hatte zuvor schon eine Krimiserie mit der Protagonistin Kommissarin Lilian Graf.

  • Inhalt:

    In Hildegunde Artmeiers jüngstem Roman soll Anna di Santosa herausfinden, wer den Industriellen Jiri Svoboda bedroht. Doch dann wird eine Frau vor ihren Augen ermordet. Und Anna sucht nach den Zusammenhängen. Sie erkennt: Einige spielen ein falsches Spiel.

  • Verlag:

    Das Buch ist im emons:-Verlag erschienen, hat 303 Seiten und kostet 11,90 Euro (ISBN 978-3-95451-954-5).

Frauen mitten im Leben

„Ich habe in der Regel die Konflikte zwischen den Menschen im Kopf. Mich interessiert der klassische menschliche Plot, wo jeder nicht so kann, wie er eigentlich will.“ Jeder Charakter wird sorgfältig gezeichnet. Starke Typen sind ebenso darunter wie sensible, angegriffene. Das bringt Abwechslung und Farbe in den Roman. „Ich habe normalerweise immer eine besondere Frauengestalt, in diesem Fall die Fiona, die schwierige Startbedingungen hat und sich aber während der Geschichte weiterentwickelt.“ Fiona ist Annas Auftraggeberin – und, wie sich später herausstellt, ein Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.

Und auch Anna di Santosa ist eine starke Frauengestalt. Sie gehört nicht zu den depressiven Single-Ermittlern, die aus ihrem Herzen eine Mördergrube machen, sondern ist eine Frau mitten im Leben, die eben auch einen Sohn, einen quirligen italienischen Clan und einen von Herzen Geliebten hat. Das macht die Figur glaubwürdig, gerade weil all diese Familienmitglieder ihren eigenen Kopf haben. „Ihr geht es wie vielen Frauen, die einen Job haben und Familie und viel managen müssen. Sie ist ein Spiegel zu dem, wie viele Frauen leben.“

Diese Figur gefällt nicht nur Leserinnen, sondern auch Männern, stellt Artmeier bei Lesungen und anhand von Leserrezensionen fest.

Am Mittwoch, 19. Oktober, um 19.30 Uhr stellt sie „Dunkle Donau“ in der Stadtbücherei am Haidplatz vor und freut sich auf die Gespräche mit den Lesern, vor allem auch über das, was ihr wichtig ist.

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