MyMz
Anzeige

Visionen

Applaus für Stadt: „Besser geht‘s nicht“

Regensburger meckern gern. Aber für das Stadtentree zwischen Bahnhof und Maxstraße liefern sie klasse Ideen. Skepsis bleibt.
Von Marion Koller, MZ

  • Die von der Stadt engagierten Planer klopfen die Vorschläge der Regensburger auf Machbarkeit ab. Foto: Peter Ferstl, Stadt
  • Alle Generationen diskutieren miteinander. Foto: Stefan Effenhauser, Stadt

Regensburg.Horst Able betrachtet lange den ungewöhnlichen Plan von südlicher Maxstraße und Bahnhof. Auf dem Zukunftsentwurf breiten sich nicht wie in der Realität vier Fahrspuren aus, vielmehr verbindet ein schmales Straßenband, gesäumt von Bäumen, den Bahnhof und den heute schon verkehrsberuhigten Teil des einstigen Prachtboulevards. Horst Able ist mehrmals zur Ideenwerkstatt der Stadt ins „Parkside“ gekommen. Am Freitag, dem Abschlusstag, wollte er schauen, „in welche Richtung sich das entwickelt“. Der 66-jährige Naturliebhaber hofft, dass die Endplanung wirklich eine baumschonende Lösung berücksichtigen wird.

Er lobt die Ideenwerkstätten zum Bereich zwischen Bahnhof, Ernst-Reuter-Platz und Maxstraße. Dort sollen ein Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) und das Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) entstehen. „Besser geht es nicht. Wer Interesse hatte, dem boten sich viele Möglichkeiten, teilzunehmen.“ Die Bürgerbeteiligung sei gelebte Demokratie.

Das Stadtentree liegt den Regensburgern am Herzen. Das zeigt die hohe Teilnehmerzahl im „Parkside“. Zu den Ideenwerkstätten im März und Mai kamen 1350 Menschen.

Am Freitag erläutern die Kommunikationsfachleute von nonconform aus Wien und die Stadtplaner vom Leipziger Büro für urbane Projekte einer Schulklasse, was zwischen Bahnhof und Maxstraße passieren wird. Die Regensburgerin Karin Tränkner wandert allein von Stellwand zu Stellwand. Die 60-jährige Freiberuflerin findet die Bürgerbeteiligung „unheimlich wichtig bei diesen Zukunftsthemen“. Der Prozess verlaufe sehr gut – und sei überfällig. Nicht nur Interessengruppen, sondern auch die nicht organisierten Bürger kämen ausreichend zu Wort. „Ihre Ideen sind gut aufgegriffen worden, wenn ich mir das anschaue“, sagt sie mit Blick auf die Stellwände. Den Zeitpunkt hält die Selbstständige für spät. Das RKK sei schon lange ein Zankapfel.

Energieberaterin Elisabeth Blümm stimmt zu: Die Regensburger seien gut zu Wort gekommen. „Die Bürger, die ihre Stadt kennen, bringen Dinge ein, an die ein Planer nicht denkt.“ Blümm hätte sich mehr abendliche Termine gewünscht. „Dann hätte die Stadt noch mehr Menschen erreicht.“

Diplomingenieur Björn Teichmann vom Büro für urbane Projekte umreißt die wichtigsten Zwischenergebnisse der Bürgerbeteiligung. Ein Zentraler Busbahnhof könne deutlich kleiner werden als der jetzige vor dem Bahnhof. „Es reicht, wenn die Busse vor dem Bahnhof ankommen und gleich wieder fahren.“ Der Platz werde frei für eine andere Nutzung. Parkmöglichkeiten für die Busse könnten östlich vom Bahnhof und in der Friedenstraße entstehen. Die Überdeckelung der Gleise mit einer Busdrehscheibe berge dagegen ein großes Genehmigungs-, bautechnisches und finanzielles Risiko. Die Stadt komme ohne diese Lösung aus, weil die Busbahnhoffläche ja verkleinert werden könne.

Für Radfahrer haben die Ideenwerkstätten interessante Visionen gebracht: einen Fahrradsteg, der die Fritz-Fend- und die Universitätsstraße verbindet, sowie Radparkhäuser. Die heute dicht von Autos befahrene südliche Maxstraße soll – so lautet ein Vorschlag – schmäler, verkehrsberuhigt und mit Bäumen gesäumt werden. Bus, Rad, Auto und Fußgänger sollen sie als gemeinschaftlichen Verkehrsraum nutzen. Die Regensburger wünschen sich das RKK als kulturelle und bürgernahe Einrichtung, nicht nur als Kongressstandort. Außerdem soll es ein offenes Haus werden. Das RKK können sich Bürger und Planer auf der auch jetzt bebauten Fläche vorstellen. Dann müssten kaum Bäume fallen.

Was Elisabeth Blümm fordert, könnte gelingen. Sie möchte „den Verkehr und das RKK unter einen Hut bringen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität verbessern.“ Ein wenig Skepsis bleibt, nicht nur bei Horst Able: Was zum Schluss rauskommen werde, sei natürlich eine Kostenfrage.

Junge Leute ab 16 reden mit

  • Wie geht es weiter?

    Planer entwickeln die Ergebnisse der Ideenwerkstätten weiter. Dabei sollen realisierbare Lösungen für das Areal zwischen Bahnhof und Maxstraße, für das Zusammenspiel von Kultur- und Kongresszentrum, Fußgängern, Bussen und Radfahrern herauskommen. Das Resultat wird im Sommer vorgestellt.

  • Die Bürgerbefragung

    wird nach der Bundestagswahl (24. September) starten. Die Fragebögen gehen an alle Haushalte, auch an Studierende mit Regensburger Zweitwohnsitz und hier lebende Ausländer. Jugendliche ab 16 reden mit.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht