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Flüchtlinge

Asylbewerber übernachten im Dom

Rund 50 Flüchtlinge haben die Nacht auf Mittwoch im Regensburger Dom verbracht. Sie fordern „Bleiberecht für alle“.
Von Heike Haala und Andrea Rieder, MZ

Mit Plakaten fordern die Demonstranten „Bleiberecht für alle“.
Mit Plakaten fordern die Demonstranten „Bleiberecht für alle“. Foto: Haala

Regensburg.Im Regensburger Dom hat sich in den vergangenen Jahrhunderten vieles zugetragen. Das aber, was am Dienstag dort passierte, war neu – und publikumswirksam: Ab 11 Uhr positionierten sich dort 50 Flüchtlinge mit Transparenten, auf denen sie Bleiberecht forderten. Die Stoffbahnen hatten sie entlang der Altäre im nördlichen Seitenschiff aufgespannt und etwa an den soliden Kerzenständern darauf festgezurrt. Die Nacht auf Mittwoch verbrachten die Flüchtlinge in jenem Seitenschiff des Regensburger Doms, dem sogenannten „Domschatz“.

In dieser Menschengruppe befanden sich auch viele Kinder, die sich mit ihren Eltern auf Isomatten und Decken niedergelassen hatten. Beim Durchgang zum Domschatzmuseum hatten die Demonstranten die Kinderwägen geparkt. Außerdem hatten sie Proviant dabei, die Kinder malten auf den Kirchenbänken.

Abgesehen von kleineren Zwischenfällen verlief die Nacht auf Mittwoch rund um den Regensburger Dom ruhig:

Am Mittwochmorgen befand sich neben den Menschen im Seitenschiff noch eine kleine Gruppe von Helfern vor dem Regensburger Dom. Nachdem es noch am Abend zu kleineren Zwischenfällen gekommen war, verlief die Nacht ihren Aussagen zufolge ruhig. Um 11 Uhr solle es eine Pressekonferenz geben, kündigten sie an.

Die russische Video-Nachrichtenagentur „Ruptly“ postete ein Video auf Youtube:

Demonstranten wollen bleiben

Als Sprecher der Gruppe trat Isen Asanovski von „Romano Jekipe Ano Hamburg“ auf. Die Initiative setzt sich für die Belange der Roma in Deutschland ein, speziell in Sachen Bleiberecht. Asanovski machte das Anliegen der Demonstration im Dom klar: Seinen Angaben zufolge stammen die Dombesetzer aus Abschiebelagern in ganz Bayern. Laut Asanovski haben sie alle einen Abschiebebescheid erhalten und harren derzeit dem Tag, an dem sie Deutschland verlassen müssen. Sie kommen etwa aus Albanien, dem Kosovo, Serbien und Mazedonien. Dorthin wollen sie aber nicht zurückkehren. Immer wieder betonte Asanovski, dass des den Demonstranten vor allem um eine bessere Zukunft für ihre Kinder gehe, die sie mit zu der Demonstration gebracht hatten. Konkret forderten die Menschen im Dom Kirchenasyl vom Bistum Regensburg. Asanovski kündigte an, dass die Besetzer so lange im Dom bleiben wollen, bis sie ihr Kirchenasyl erwirkt hätten. „Die Menschen sehen keinen anderen Weg mehr, als in einem Gotteshaus Schutz zu suchen“, sagt er.

Kirchenasyl

  • Informationen:

    Das Bistum Regensburg informiert auf seiner Homepage auch zum Thema Kirchenasyl. Pfarreien oder Klöster können laut diesen Informationen Flüchtlinge auf ihrem Pfarr- oder Klostergrund aufnehmen, um sie so vor einer drohenden Abschiebung zu bewahren. Kirchenasyl sei aber kein Handeln gegen den Staat, sondern eine vom Staat geduldete Möglichkeit, bei tragischen Härtefällen Menschen in Schutz zu nehmen. Diese Duldung sieht das Bistum als einen Ausweis großen Vertrauens, das es zu rechtfertigen gilt. Deswegen bleibe Kirchenasyl eine Ausnahme für besondere Härtefälle bleibt.

  • Praxis:

    Diese Möglichkeit dürfe nicht genutzt werden, um die Gesetze auszuhebeln. Kirchenasyl gleiche vielmehr die Lücken menschlichen Rechts aus, die kein Gesetzgeber vermeiden kann. In diesem Sinne ergänze Kirchenasyl das Recht und trägt zu seiner menschengerechten Anwendung bei. Viele Pfarreien oder Klöster sind laut Bistumshomepage zunächst überfordert, wenn es um das Thema Kirchenasyl geht. Dafür gibt es in Bayern beratende Stellen der Katholischen Kirche: das Katholische Büro Bayern und den Flüchtlingsdienst der Jesuiten in München. (Quelle: Bistum)

Am Nachmittag gab das Bistum eine Erklärung ab. Sprecher Jakob Schötz sagte, dass die Demonstranten die Nacht auf Mittwoch in einem Seitenraum des Doms verbringen dürfen. Die Malteser stellten dort am frühen Abend Feldbetten auf und kümmerten sich um die Verpflegung. „Am Mittwoch sehen wir dann weiter“, sagte Schötz. Ob das Bistum den 50 Menschen Kirchenasyl gewähren wird, konnte Schötz aber noch nicht sagen. In einer Pressemitteilung, die er herausgab heißt es weiterhin: „Das Bistum Regensburg bemüht sich um humanitäre Hilfe und Versorgung für diese Menschen. Dazu gehören Schlafmöglichkeiten, Verpflegung, sanitäre Anlagen, und vor allem die Sorge für die zahlreichen Kinder. Die dahinter stehende politische Frage ist von den politisch Verantwortlichen auf den entsprechenden Ebenen zu klären. Alle sind eingeladen, für das Wohl dieser Menschen zu beten.“

Aufsehenerregende Aktion

Die Demonstration und die Kundgebung im Dom bekamen viele Menschen rund um das Wahrzeichen mit. Derzeit veranstalten die Schulen ihren zweiten Wandertag, weswegen auch immer wieder Schülergruppen den Dom besuchten. Auch viele Touristen nahmen Notiz von der Aktion. Einige von ihnen scherzten mit den Kindern, andere beobachteten das Geschehen von den Kirchbänken aus. Vor allem als um 12 Uhr die Mittagsmeditation abgehalten wurde, hatte der Aufseher im Dom alle Hände voll zu tun. Er wurde nicht müde, die Menschen zum Hinsetzen aufzufordern. Eine Besucherin sagte, dass es natürlich nicht schön sei, wenn jemand im Gebet gestört werde, äußerte aber gleichzeitig Verständnis für die Situation der Menschen.

Am späten Vormittag hatte sich ein Unterstützerkreis aus Regensburger Privatbürgern gebildet, die eine spontane Solidaritäts-Kundgebung vor dem Regensburger Dom angemeldet hatten und die Demonstranten mit Essen versorgten. Die Polizei begleitete diese Kundgebung. Vor dem Westportal hatte diese Gruppe einen Pavillon aufgebaut, vor den Asanovski sein Anliegen noch einmal per Megafon verdeutlichte. Nachdem die Vertreter der Kirche signalisiert hatten, nach einer Lösung für die Angelegenheit zu suchen, forderte er lautstark Applaus für diese Reaktion ein.

Auf Twitter berichten Mitglieder der Kampagne „no deportation, nowhere“ über die aktuellen Entwicklungen im Regensburger Dom:

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