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Verkehr

Autoposer stressen Regensburger

Nibelungenbrücke, Luitpold- und Kirchmeierstraße: Manche PS-Fans lassen den Motor gern aufheulen. Zum Leidwesen der Anwohner.
Von Heike Haala, MZ

Autoliebhaber stehen drauf, wenn ein Motor einen satten Sound hat – zu viel davon aber raubt Anwohnern vielbefahrener Straßen den Schlaf.
Autoliebhaber stehen drauf, wenn ein Motor einen satten Sound hat – zu viel davon aber raubt Anwohnern vielbefahrener Straßen den Schlaf. Fotos: dpa

Regensburg. Regensburg ist nicht nur eine Boomtown, sondern auch eine Brummtown – das denkt sich Dr. Joachim Birk aus der Luitpoldstraße jedes Mal, wenn er seinen Ärger hinunterschlucken muss, weil ihm ein schwarzes Schaf unter den PS-Freunden den Schlaf raubt. In lauen Sommernächten ist das besonders oft der Fall. Das haben Birk und seine Frau Ursula Wohlfeld festgestellt. Dann drehen die Autoposer ihre Runden durch das Viertel und zeigen, wie viel PS und Dezibel sie unter der Motorhaube haben. „Dieses Verhalten ist nicht sozial“, sagt Wahlfeld.

Die Geschwindigkeitsbeschränkung von derzeit 30 Stundenkilometer oder die Nachtruhe der Anwohner interessiert diese Spezies Autofahrer nicht, sind sich die Eheleute einig. „Wir hören, wenn sie Gas geben, wenn sie sich in die Kurve legen und sich schließlich wieder unserem Haus nähern, um mit Karacho daran vorbeizufahren. So geht das oft viele Male hintereinander“, erzählt Birk. Auf Facebook haben die beiden zudem Videos entdeckt, mit denen die Poser ihre Geschwindigkeitsrekorde in der Luitpoldstraße zur Schau stellen.

Mit Karacho durch die Stadt

Sie sind nicht die einzigen Regensburger, die darunter zu leiden haben, wenn die Angeber lautstärketechnisch alles aus ihren Gefährten herausholen. Immer wieder beschweren sich auch die Mieter des Ehepaars über den Verkehrslärm. „Dabei haben wir schon so gute Schallschutzfenster“, sagt Birk. Weitere Orte, an denen die Regensburger unter den Autoposern zu leiden haben, lassen sich im Lärmatlas der Stadt Regensburg finden. Dort konnten die Bürger im vergangenen Jahr Stellen vermerken, an denen der Lärm der Stadt an ihren Nerven zehrt. Etwa die Kirchmeierstraße, die Nürnberger Straße oder die Nibelungenbrücke sind laut dieser Karte Orte, an denen die Regensburger unter „Mutwilligkeitsrasern“, unter lauten Autorennen oder unter dem Aufheulen von Motoren leiden.

Straßenverkehrsordnung

  • Lautstärkeregelung:

    Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten.

  • Verbote im Gesetz:

    Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen und Fahrzeugtüren übermäßig laut zu schließen. Unnützes Hin- und Herfahren ist innerhalb geschlossener Ortschaften verboten, wenn Andere dadurch belästigt werden.

Stefan Hartl, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz, bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass es immer wieder Anrufe von Anwohnern wegen der Autoposer bei der Polizei gibt. Auch er nennt die Kirchmeierstraße als eine Stelle, an der diese Fahrer gerne zu laut und zu schnell unterwegs sind. Zwar verbietet Paragraf 30 der Straßenverkehrsordnung unnötigen Lärm auf der Straße und sieht auch ein Bußgeld von zehn Euro vor, in der Praxis aber sei es schwierig, diesen Verkehrssündern habhaft zu werden, sagt der Pressesprecher.

Wenn Bürger bei der Polizei einen solchen Fahrer melden, ist er in der Regel längst über alle Berge, wenn die Beamten an der Stelle eintreffen, an der er seinen Motor aufheulen ließ. Deswegen rät Hartl den Regensburgern unbedingt dazu, sich das Nummernschild zu merken. Dann können seine Kollegen den Fahrer kontrollieren.

Welche Folgen dieses Fahrverhalten für die Gesundheit der Anwohner haben kann, weiß Dr. Claudius Fauser vom HNO-Zentrum Regensburg: „Verkehrslärm, wie das Aufheulen von Motoren, schädigt das Gehör zwar nicht akut, kann aber langfristig zu schweren gesundheitlichen Problemen führen.“ Lärm ist für Fauser nicht nur ein Ärgernis, wird als störend empfunden und senkt die Lebensqualität. „Verkehrslärm löst vielmehr beim Menschen eine Stressreaktion mit vielen negativen Folgen für die Gesundheit aus. So steigen etwa der Blutdruck und die Herzfrequenz messbar an“, sagt er.

Gefahr für die Gesundheit

Eine aktuelle Studie aus dem Rhein-Neckar-Gebiet zeige etwa, dass Menschen, die Verkehrslärm ausgesetzt sind, ein signifikant höheres Herzinfarktrisiko haben. „Wenn der Verkehrslärm den Schlaf stört, kann das außerdem zu psychischen Störungen führen, die in Zusammenhang mit Schlafmangel stehen. Weiterhin sind Kinder, die diesem Lärm ausgesetzt sind, anfälliger für Konzentrationsstörungen, Nervosität und Übergewicht“, sagt Fauser.

In Mannheim geht die Polizei nun gezielt gegen Autoposer vor. Foto: dpa
In Mannheim geht die Polizei nun gezielt gegen Autoposer vor. Foto: dpa

Gezielte Aktionen – wie sie derzeit in Mannheim ablaufen – sind in Regensburg laut Polizeisprecher Hartl momentan dennoch nicht geplant. Nach verstärkten Kontrollen wurden laut Mannheimer Polizei inzwischen 22 Autos und drei Motorräder aus dem Verkehr gezogen, deren Betriebserlaubnis durch Umrüsten erloschen gewesen sei. Auf die Halter kommen unter anderem für Abschleppen, Gutachten und Rückbau des Tunings Kosten von mindestens 1000 Euro zu. Die Polizei konnte 144 Poser-Fahrzeuge identifizieren, davon fielen 34 mehrfach auf.

Das Ehepaar aus der Luitpoldstraße wünscht sich, dass die Behörden in Regensburg bei diesem Thema ebenso hart durchgreifen wie in Mannheim: „Wer einmal 1000 Euro wegen so einer Aktion zahlen musste, überlegt sich beim nächsten Mal sicher, ob er von dem Geld nicht lieber Urlaub in Mallorca machen will“, sagt Birk.

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