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Wirtschaft

Bierstreit: Kriegsrat tagt im Kneitinger

Brauereidirektor Goß von Bischofshof erhöht den Druck. Jetzt soll der OB das Fürstenbier aus dem Dultgeschäft ausschließen.
Von Helmut Wanner, MZ

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs wird am 13. Mai auf der Maidult traditionell das erste Fass anzapfen.
Oberbürgermeister Joachim Wolbergs wird am 13. Mai auf der Maidult traditionell das erste Fass anzapfen. Foto: Steffen

Regensburg.Vier Wochen vor der Eröffnung der Maidult (13. bis 29. Mai) schäumt in Regensburg erneut der Bierstreit auf. Wie die Pressestelle der Stadt bestätigte, hat die Brauerei Kneitinger am gestrigen Freitag um 15 Uhr zu einem internen Treffen ins Mutterhaus am Arnulfsplatz geladen. Am Gespräch nahmen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und der Dult-Dezernent Dr. Wolfgang Schörnig teil. Die Stadtspitze, so heißt es, „hörte sich das alles mal an“. Mit am Tisch saßen auch Hermann Goß und Willibald Koller von den Regensburger Brauereien Bischofshof und Spital. Es ging nur am Rande um Hopfen und Malz, sondern um eine bestimmte Brauerei: Die Thurn und Taxis Vertriebs GmbH. Und die war nicht geladen.

Wie durchsickerte, soll es bei dem internen Gespräch mit offenem Ende wieder um die Frage gegangen sein, ob die Thurn und Taxis Vertriebs GmbH auf der Maidult überhaupt das Recht hat, Bier zu verkaufen. Sie sei ja keine echte Regensburger Brauerei mehr. Bekanntlich hat Gloria von Thurn und Taxis 1995 die Bierrechte an die Brauerei Paulaner verkauft, Thurn und Taxis machte 1996 auf dem Galgenberg seine Braustätte dicht. Das traurige Ereignis jährt sich heuer zum 20. Mal – im 500. Jahr des Reinheitsgebots.

„Das ist ein Regensburger Bier“

Gerhard Semmler, Geschäftsführer der Thurn und Taxis Vertriebs-GmbH, verweist im Gegenzug immer wieder auf die Tatsache, dass das Thurn und Taxis-Bier (Weizen, Zoigl und andere Spezialbiere) im Brauhaus am Schloss in der Waffnergasse gebraut wird. „Das ist ein Regensburger Bier und dazu stehe ich auch.“ Und das ist auch tatsächlich so, wie jeder nachprüfen kann: Braumeister Georg Angerer zeichnet aktuell dafür verantwortlich.

Dieses Jahr dürfte der fürstliche Ausstoß der Hausbrauerei am Schloss sogar steigen. Bei der Maidult wird Taxisbier nicht nur in Küblers Bierdorf am Eingang an der Protzenweiher ausgeschenkt. Wie Alfred Glöckl bestätigte, kommt bei der Maidult im Glöcklzelt diesmal auch das fürstliche Weizen zum Ausschank, weil die Brauerei Kneitinger, die turnusgemäß das Festbier ins älteste Festzelt auf der Dult liefert, kein eigenes Weizen braut. Im Hahnzelt dagegen werden bei der Maidult Festbier und Weizen vom Spital geliefert. Bei der Herbstdult gelten wieder andere Konditionen.

Streit schäumt immer wieder auf

Die Wirtshauspolitik ist in Regensburg nicht ganz einfach. Der Regensburger Bierstreit schäumt immer wieder auf. Vor allem seit Hermann Goß im Jahr 2001 Brauereidirektor bei Bischofshof wurde. Wie einst Cato in seiner berühmten Wendung gegen Karthago („ceterum censeo“) lässt Goß kaum eine Gelegenheit aus, das Thema Thurn und Taxis und Dult auf den Tisch zu bringen. Intern und auch öffentlich: Bei der Herbstdult-Bierprobe vor drei Jahren im Antoniushaus nutzte er das Forum des Regensburger OB-Wahlkampfs, als er gegen das Fremdbier der Münchener Schörghuber-Gruppe zu Felde zog.

Alle Privatbrauereien in Regensburg und Umgebung finden Sie auch auf Mittelbayerische Maps:

Wie Spital und Kneitinger sei auch Bischofshof als Stiftungsbrauerei bestrebt, in der Heimat Gutes zu tun. „Wir fühlen uns hier zu Hause und investieren gern in unsere Heimat“, wurde Goß in unserer Zeitung zitiert. Die Marke Thurn und Taxis sei nicht in der Domstadt beheimatet und gehöre auch nicht auf die Dult. Es sei eine alte Regensburger Fest-Tradition, dass ausschließlich das beheimatete Bier ausgeschenkt werde. Thurn und Taxis aber werde in München und Rosenheim produziert, sagte Goß. Ergo: Das „fürstliche“ Bier solle künftig nicht mehr auf der Dult ausgeschenkt werden. Gestern wollte sich Goß auf unsere Anfrage hin nicht äußern.

Gerhard Semmler wiederum betont immer wieder das kulturelle Engagement von „Thurn und Taxis“, sei es beim Festival im Schloss, sei es in der Mälze. Mit Oberbürgermeister Joachim Wolbergs werde sich Hermann Goß hart tun, prophezeit der Regensburger Bier-Papst Helmut von Sperl.

Wolbergs hat sich erst im Januar im Brauhaus am Schloss ein Bürgermeisterbier brauen lassen. Es war für die Leukämiehilfe. Aber er hätte auch sagen können, nein, das mache ich mit einer anderen Brauerei. “ Helmut von Sperl ist Autor mehrerer Bücher über das Regensburger Brauwesen. Er hat aus seinem privaten Fundus für die Ausstellung anlässlich 500 Jahre Reinheitsgebot, die am 19. April im Museum am Dachauplatz eröffnet wird, Emailleschilder, Brauereiwappen und alte Regensburger Bierkrügen zur Verfügung gestellt. Sie zeigen, dass unsere Brauereien-Landschaft einmal größer war als Kneitinger, Spital und Bischofshof. Etwas boshaft bringt von Sperl sogar das „Weiße Brauhaus“ in der Schwarzen Bären Straße 6 ins Spiel. „Ich frage mich, warum die nicht den Antrag stellen, auf der Dult ihr Bier auszuschenken. Das Recht hätten sie dazu.“

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