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Andenken

Braucht Regensburg ein Papst-Zentrum?

Peter Kittel kann sich eine Dokumentation, die an den Besuch erinnert, vorstellen. Die CSU prüft, Wolbergs aber sagt „Nein“.
Von Heike Haala, MZ

2006 besuchte der inzwischen emeritierte Papst Benedikt XVI. Regensburg. Ein Denkmal dafür gibt aber es noch nicht.
2006 besuchte der inzwischen emeritierte Papst Benedikt XVI. Regensburg. Ein Denkmal dafür gibt aber es noch nicht. Foto: dpa

Regensburg.In Regensburg soll ein Denkmal oder ein Kunstwerk an einer prominenten Stelle entstehen, das an den Besuch des inzwischen emeritierten Papstes Benedikt XVI. in Regensburg vor zehn Jahren erinnert. Das gab Oberbürgermeister Joachim Wolbergs kürzlich nach einem erneuten Vorstoß des CSU-Stadtrats Armin Gugau in Sachen Papstdenkmal bekannt. Derzeit ist der OB damit beschäftigt, den Standort zu klären und Details für die Errichtung mit der Diözese zu besprechen. Es gehe lediglich noch um Abwicklungsfragen, betont Wolbergs. Peter Kittel, dem Geschäftsführer des Veranstaltungsservice Regensburgs, aber geht das viel zu langsam. Zudem ist ihm ein einzelnes Denkmal auch zu mickrig.

Peter Kittel hat nicht nur den Papstbesuch in Regensburg vor zehn Jahren organisiert, sondern auch den im thüringischen Landkreis Eichsfeld im Jahr 2011 – und kann deshalb gut vergleichen. Vier Gemeinden aus dem Landkreis Eichsfeld sind beim Gedenken an das Großereignis schon wesentlich weiter als Regensburg.

Das Ereignis lebt auf

Sie haben vor zwei Jahren ein Pilgerinformationszentrum eröffnet, in dem Besucher die Zeit des Papstbesuchs noch einmal aufleben lassen können. Das Gebäude steht im direkten Umfeld der Stelle, an der der Papst damals die Marienvesper hielt.

Deswegen sieht Kittel Regensburg nun im Zugzwang: „Wir reden hier von einem Jahrtausendereignis. Daran muss man sich erinnern können. Und man muss Informationen dazu bekommen“. Auch der Vorsitzende der Jungen Union, Michael Lehner, stößt in dieses Horn: „In Regensburg geht beim Papst-Denkmal ja schon seit Jahren nichts zusammen, obwohl der Besuch etwas Einzigartiges war.“ Kittel schwebt für Regensburg statt eines weiteren Denkmals ebenfalls so ein Dokumentationszentrum direkt bei der Papstwiese bei Oberisling vor.

Der Papstbesuch im Eichsfeld

  • Das Eichsfeld:

    Die Gegend ist eine historische Landschaft im südöstlichen Niedersachsen, im nordwestlichen Thüringen und im nordöstlichen Hessen. Auch ein Landkreis heißt so.

  • Katholizismus: Die mehrheitlich katholische Bevölkerung gilt als zutiefst religiös. Auch in der DDR-Zeit blieb das kirchliche Leben relativ intakt.

  • Der Papstbesuch:

    Am 23. September 2011 feierte Benedikt XVI. auf einem Feld bei der Wallfahrtskapelle eine marianische Vesper. Mit dem Besuch wollte er den Eichsfeldern dafür danken, dass sie ihrem Glauben unter zwei Diktaturen treu blieben. Heute steht dort ein Pilgerinformationszentrum (Foto: Landkreis Eichsfeld). (la)

„Es ist doch beschämend für Regensburg, wenn die kleinen Gemeinden im Eichsfeld bereits drei Jahre später so ein Zentrum auf die Beine stellen und Regensburg nach zehn Jahren immer noch nichts hat. Da muss man doch vor Neid erblassen“, sagt Kittel. Er ist beeindruckt von dem Gemeinschaftssinn der vier Gemeinden und dem Projekt, das sie gemeinsam geschaffen haben.

Deswegen schreitet er jetzt zur Tat: An diesem Samstag fährt er mit den CSU-Stadträten Lehner und Gugau ins Eichsfeld. Vor Ort will er ihnen zeigen, was diese Kommunen in Sachen Papstdenkmal bereits alles unternommen haben. Lehner ist schon gespannt auf die Führung durch das Zentrum. Bei OB Wolbergs allerdings stößt dieses Vorhaben auf Nachfrage der MZ auf wenig Gegenliebe. „Wenn die Kirche so ein Zentrum errichten will, steht ihr das selbstverständlich frei. Die Stadt Regensburg wird das aber auf keinen Fall tun.“

Information, Bilder, Videos

In den ersten sechs Monaten sahen sich etwa 23 000 Menschen das Pilgerinformationszentrum in Eichsfeld an.
In den ersten sechs Monaten sahen sich etwa 23 000 Menschen das Pilgerinformationszentrum in Eichsfeld an.

In dem Pilgerinformationszentrum im Eichsfeld erwartet die Besucher nicht nur die Historie des Besuchs – von der Einladung des Landrats bis zum großen Tag der Marienvesper unter freiem Himmel. Zudem veranschaulichen auch Bilder, was es für den Landkreis mit 100 730 Einwohnern bedeutete, 90 000 Pilger und einen Papst zu empfangen. Auf einem Touchscreen können sich die Besucher des Pilgerinformationszentrums verschiedene Videos ansehen.

Ein Service, der gut angenommen wird: In den ersten sechs Monaten sahen sich laut Mauritius Hünermund etwa 23 000 Menschen das Pilgerinformationszentrum an. Er ist Bürgermeister von Steinbach – der Gemeinde, die für den Betrieb des Pilgerinformationszentrums maßgeblich verantwortlich ist. Das Pilgerinformationszentrum wurde auf Bestreben des Landrats von Eichsfeld, Dr. Werner Henning, realisiert. Samt Parkplatz hat das Gebäude 560 000 Euro gekostet, wobei ein großer Anteil etwa aus dem Regionalbudget oder dem EU-Topf Leader finanziert wurde.

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2006 besuchte der inzwischen emeritierte Papst Benedikt XVI. Regensburg. Ein Denkmal oder Informationszentrum wie in anderen Orten gibt es bislang nicht.

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