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Stadtgestaltung

Busbahnhof: Bürger wollen Visionen

Regensburger Altstadtfreunde wünschen sich: Kommune soll Denkpause für „radikale Neuordnung“ nördlich des Bahnhofs nutzen.
Von Julia Ried, MZ

Ein schönes Bild soll der Bahnhofsvorplatz den Ankommenden bieten, wünschen sich die Altstadtfreunde.
Ein schönes Bild soll der Bahnhofsvorplatz den Ankommenden bieten, wünschen sich die Altstadtfreunde.Fotos: Wiedamann

Regensburg.Der Wettbewerb für den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) liegt derzeit auf Eis, weil die dafür notwendige Vereinbarung mit der Bahn noch nicht zustande kam. Die Altstadtfreunde grätschen nun in die Zwangspause mit dem dringenden Wunsch an die Stadt, die Zwangspause für eine „radikale Neuordnung“ des Bereichs nördlich des Bahnhofs zu nutzen: „Wir wollen eine Vision, die Zukunft hat“, so formuliert Günter Gebauer die Vorstellung der Altstadtfreunde, eine der Initiativen, die sich in der Bürgerbeteiligung einbringt.

Die derzeitige Vorplanung, die als Grundlage für den Wettbewerb dienen sollte, würden sie am liebsten im Papierkorb sehen. „Die uns vorliegenden Informationen geben uns Anlass zur Sorge, dass wiederum die Interessen des motorisierten Verkehrs vor denen einer qualitätsvollen städtebaulichen Planung stehen“, beklagt Vereinsvorsitzender Dr. Peter Morsbach in einem Schreiben an die Mitglieder.

Bahnhof als „Eingang in die Stadt“

Die Altstadtfreunde (v.l.) Dr. Peter Morsbach, Günter Gebauer, Klaus Caspers
Die Altstadtfreunde (v.l.) Dr. Peter Morsbach, Günter Gebauer, Klaus Caspers Foto: Ried

Der Verein wünscht sich eine Entrée-Situation, in der ein ansprechend gestaltetes Bahnhofsumfeld den Ankommenden in der Stadt empfängt, das haben sie auch Oberbürgermeister Joachim Wolbergs vorgetragen. „Uns geht es darum, wieder eine schöne Anbindung des Bahnhofs an die Stadt zu erreichen“, konkretisiert Vereinsvorsitzender Morsbach. Der Kunsthistoriker lehrt an der Technischen Hochschule zum Thema Städtebau.

Derzeit sei der vom Bahnhof Kommende mit einem „Verkehrschaos“ konfrontiert, beklagt er. Sollte die Stadt mit der derzeitigen Vorplanung in den Wettbewerb gehen, befürchten die Altstadtfreunde eine „Massierung der Busse“, bis zu 25 Haltestellen zwischen Vorplatz und Maximilianstraße seien im bisherigen Entwurf vorgesehen. „Irrwitzig“ nennt Morsbach die Verkehrsführung über eine neue Paralleltrasse zur Galgenbergbrücke.

Städtebauliche und denkmalpflegerische Elemente vermissen die engagierten Bürger in dem Papier. Dabei habe der nördliche Bahnhofsbereich mit seinen angrenzenden Grünanlagen, mit der Blickbeziehung zur Maximilianstraße großes Potenzial, das derzeit jedoch brach liege, durch Verkehr, Parkhäuser und Hochhausbauten gestört sei.

„Wir plädieren daher für eine radikale Neuordnung der Platzräume und Verkehrsströme im nördlichen Bahnhofsbereich, für eine grundlegende städtebauliche Aufwertung im Sinn einer klassischen Empfangs- und Eingangssituation in die Stadt“, heißt es in dem Schreiben an die Mitglieder. Dies sei umso wichtiger, als mit dem Bau des Kultur- und Kongresszentrums die Bedeutung der umliegenden Hotels steige.

Konkret heißt das für Morsbach und Mitstreiter: „Der nördliche Bahnhofsbereich soll weitgehend verkehrsfrei bleiben.“ Als Standort für einen Busbahnhof haben die Altstadtfreunde die Brache zwischen Friedensstraße und Gleisen im Blick. „Es muss untersucht werden, ob die Südseite der Arcaden für so etwas in Frage kommt“, sagt Morsbach. „Vielleicht auch dezentrale Umsteigestellen“ schweben Gebauer, ehemaliger Leiter des Staatlichen Bauamts, vor, und Architekt Klaus Caspers gibt im Gespräch mit der MZ zu bedenken, dass eine Neuordnung des ÖPNV ohnehin fällig sei. „Es gibt kein vernünftiges aktuelles Verkehrskonzept, das Stadt und Land verbindet.“ Die drei sind sich einig: Für den großen Wurf sollte sich die Stadt Anregung von außen gönnen, von „einem renommierten Büro von internationalem Rang“.

Mit ihren Ansichten stünden sie unter den Beteiligten des Bürgerdialogs nicht alleine da, versichern die drei Altstadtfreunde. Forum Regensburg, Historischer Verein und Arbeitskreis Kultur stünden positiv dazu, der Bund Naturschutz habe grundsätzlich ähnliche Vorstellungen.

Pläne der Stadt für das Areal

  • Kultur- und Kongresszentrum:

    Die Stadt will mit einer neuen Führung der Altstadt-Südumgehung mit Verlegung des „Bustreffs Albertstraße“ und einer Reduzierung der Verkehrsflächen am Ernst-Reuter-Platz die Voraussetzung für ein RKK am Keplerareal schaffen.

  • Neugestaltung des Umfelds:

    Derzeit bereitet die Verwaltung einen Wettbewerb für die öffentlichen Räume um den Hauptbahnhof und das RKK vor. Ziel ist der Stadt zufolge, „verkehrsplanerische und gestalterische Lösungen für diese Bereiche zu finden“.

OB vertagt öffentliche Diskussion

Der Oberbürgermeister, dem die Altstadtfreunde ihre Vorstellungen Anfang der Woche in einem turnusmäßigen Austausch des Stadtoberhaupts mit dem Arbeitskreis Kultur präsentierten, möchte sich derzeit nicht dazu äußern. „Ich befinde mich im Dialog mit den Interessensvertretern“, ließ er über die Pressestelle ausrichten. Ergebnisse der Bürgerbeteiligung sollen im Zusammenhang mit der Wettbewerbsauslobung veröffentlicht werden, teilte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra mit.

Insbesondere solle es eine Information für die Bürger, die an der Arbeitsgruppe zur Erstellung der Wettbewerbsunterlagen teilgenommen haben, geben. Die war vertagt worden, als der Punkt „ZOB“ im Juli wegen der stockenden Gespräche mit der Bahn von der Tagesordnung des Stadtplanungsausschusses verschwand.

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