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Umwelt

Cafés kämpfen gegen To-go-Becher an

Mehrweg statt Einweg: Immer mehr Lokale belohnen das Mitbringen von Gefäßen mit satten Rabatten – auch in Regensburg.
Von Micha Matthes, MZ

Viele Regensburger Cafés setzen auf Mehrweg-Tassen und nehmen an der Aktion „KeepCup on Campus“ teil. Ein Altstadt-Café gewährt sogar 50 Cent Rabatt auf alle Heiß-Getränke, die in mitgebrachte Tassen ausgeschenkt werden.
Viele Regensburger Cafés setzen auf Mehrweg-Tassen und nehmen an der Aktion „KeepCup on Campus“ teil. Ein Altstadt-Café gewährt sogar 50 Cent Rabatt auf alle Heiß-Getränke, die in mitgebrachte Tassen ausgeschenkt werden. Foto: mt

Regensburg.Berge von Kaffee-Bechern landen täglich im Müll. Die steigende Nachfrage nach „Kaffee für unterwegs“ hat fatale Folgen für die Umwelt. Dazu kommen noch unzählige Plastikbecher aus Kaffeeautomaten. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe werden hierzulande inzwischen pro Stunde 320 000 Einwegbecher verbraucht. „Generell hat in Regensburg beim Restmüll der Anteil von Verpackungen zugenommen“, sagt eine Sprecherin der Stadt. „Dazu gehörten Styroporschachteln von Imbissbuden, Einweggeschirr und Eisbecher, aber auch die sogenannten To-go-Becher machten einen nicht unwesentlichen Anteil aus. „Alles wird schnelllebiger und der Müll spiegelt das Ausgeh- und Essverhalten der Menschen wider.“

Vielen Cafés wird das zu bunt. Sie wollen die Umwelt schützen und ihre Gäste dazu animieren, selbst Gefäße mitzubringen – teilweise gewähren sie dafür sogar satte Rabatte. So sorgte zuletzt ein Dresdner Café für Aufsehen, als es auf Facebook seine Aktion vorstellte: 30 Prozent gewähren die Betreiber auf alle Getränke, wenn die Gäste selbst Mehrwegbecher mitbringen. Innerhalb kürzester Zeit erntete der Post Tausende Likes. „Hier ist Aufklärung dringend nötig, vielen ist gar nicht bewusst, welchen Umfang das hat, was wir da jeden Tag verbocken“, kommentiert ein Nutzer. „30 Prozent: das ist wirklich großzügig“, schreibt ein anderes Facebook-Mitglied. „Das Schlimme ist, es gibt Leute, die in einem Café To-go-Becher nutzen.“

So, endlich habe ich es geschafft, meinen, schon lange gehegten, Plan in die Tat umzusetzen, siehe Foto. Angesichts...

Posted by Lose Dresden on Donnerstag, 4. Februar 2016

Studenten verkaufen Glas-Tassen

Aber auch in Regensburg haben Cafés schon umgeschaltet. Bei zahlreichen Altstadt-Lokalen wie etwa dem Lila, dem Felix oder dem Rossi gibt es zwar keinen Rabatt auf Getränke im mitgebrachten Becher. Die Mitarbeiter schenken den Café aber gerne in die Fremdgefäße aus. „Wir finden es natürlich toll, wenn die Kunden so umweltbewusst denken“, sagt etwa eine Mitarbeiterin bei Black Bean. Ungefähr jeder dritte Kunde der Kette nimmt seinen Kaffee momentan noch im Pappbecher mit, schätzt sie.

Viele Cafés nehmen auch an der Aktion „KeepCup on Campus“ teil. Dabei machen sich Studenten der OTH Regensburg schon seit 2013 für die Verwendung von Mehrwegbechern stark. Sie verkaufen bunt gestaltete Glas-Tassen einer australischen Firma in Einheitsgrößen, mit denen man dann in den teilnehmenden Cafés meist einen Rabatt von 50 Cent auf alle Heiß-Getränke oder beispielsweise einen Cupcake als Bonus dazubekommt.

„Mit dem Projekt wollen wir nachhaltiges Denken anregen und unsere Hochschule ,grüner machen‘“, sagt Carolin Dumler, Mitinitiatorin der Aktion. Fast 1600 der umweltfreundlichen Becher konnten die Studenten bei zwei Aktionen in Regensburg bereits verkaufen. Sogar den Captain – eine schillernde Figur des Regensburg Stadtlebens – konnten die Studenten schon dazu bewegen, zum nachhaltigen Becher zu greifen.

Liebe Freunde des nachhaltigen Bechers,KeepCup on Campus bedankt sich nochmal für die tolle Unterstützung und wünscht...

Posted by KeepCup on Campus on Freitag, 25. Dezember 2015

Stenz Eis, Bistro Freiraum, Café Sofa, Filmbühne: Elf Regensburger Cafés beteiligen sich bereits an der Aktion. Genauso wie das Café Anna liebt Brot und Kaffee. Inhaber Karl von Jena geht sogar noch einen Schritt weiter. „Wir geben unter dem Motto ,think before you drink’ die 50 Cent Nachlass bei jedem Becher, den man mehrfach verwenden kann. Das gilt für alle Getränke – unabhängig, ob es ein Espresso oder großer Kaffee ist“, sagt er. „Wir wollen einfach die Umwelt schützen. Und wenn jemand mit seinem Becher kommt, der sich selbst die Zeit nimmt, ihn zu Hause abzuspülen, dann soll er auch etwas davon haben“, ergänzt ein Mitarbeiter.

Gerade in der Filiale in den Arcaden sei der To-go-Anteil besonders hoch, weil viele Kunden sich einen Becher mitnehmen, wenn sie zum Zug oder zum Geschäfte-Bummel gehen. „Dort wandern locker 100 To-go-Becher täglich über die Theke des Cafés.“ Während bisher nur etwa fünf Kunden täglich auf die Mehrwegbecher zurückgreifen. „Teilweise sprechen wir die Leute auch direkt darauf an“, sagt von Jena. „Es kommt aber immer auf den Gast an. Wir wollen einen Anreiz bieten, aber niemanden belehren.“

Filmbühne für Fremd-Tassen-Rabatt

Die Filmbühne beteiligt sich ebenfalls an der KeepCup-Aktion. Dem Geschäftsführer, Johann „Che“ Schlegl, gefällt aber auch der Vorstoß von Karl von Jena. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch einen prinzipiellen Nachlass bei mitgebrachten Tassen gewähren. Schließlich kosten uns die Pappbecher ja auch schon fast 20 Cent.“

Einweg-Kaffeebecher stapeln sich auf einem vollen Mülleimer.
Einweg-Kaffeebecher stapeln sich auf einem vollen Mülleimer. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Die Mitglieder der Bürgerbewegung Transition sind von der Teilnahmebereitschaft der Cafés begeistert. „Ressourcenschonend mit der Umwelt umzugehen und möglichst wenig Müll zu produzieren: Das ist ja genau der Transition-Gedanke“, sagt Michelle Platt von Transition Regensburg. „Im Wechselweltladen schauen wir ja auch darauf, dass keine Plastiktüten, sondern nur Stofftaschen verwendet werden. Und dort trinken auch alle nur aus Tassen.“ Möglichst viele Dinge sollen nicht weggeworfen, sondern wiederverwendet werden. „Die Ressourcen sind nicht unendlich“, sagt Michelle Platt. „Man kann nicht ewig neue Güter produzieren. Wir müssen deshalb dringend damit anfangen, Dinge wiederzuverwerten.“

2,8 Milliarden Becher im Müll

  • Nach Erkenntnissen

    der Deutschen Umwelthilfe (DUH) verbrauchen die Deutschen jedes Jahr 2,8 Milliarden Einwegbecher für Kaffee.

  • Für deren Herstellung

    werden nach DUH-Angaben 64 000 Tonnen Holz, 1,5 Milliarden Liter Wasser und 11 000 Tonnen Kunststoff benötigt.

  • Die Energiemenge

    für die Herstellung könnte den Energie-Bedarf einer Kleinstadt ein Jahr lang decken.

  • Die DUH fordert

    , ein System für Mehrwegbecher aufzubauen. Für Einwegbecher brachte sie eine 20-Cent-Abgabe ins Spiel. Der Deutsche Kaffeeverband lehnt den Vorstoß ab.

Die Grünen plädieren dafür, ein System für Mehrwegbecher aufzubauen. Nach der Vorstellung des umweltpolitischen Sprechers der Grünen-Fraktion, Peter Meiwald, sollten die beteiligten Unternehmen freiwillig ein Mehrwegsystem für Kaffeebecher einführen. Wenn dies nicht passiere, müsse über eine Umweltabgabe nachgedacht werden, sagte er kürzlich dem Spiegel.

Um die Zahl der Wegwerfbecher zu reduzieren, fordern auch Umweltschützer die Einführung einer Abgabe. 20 Cent sollen die Kaffeetrinker für jeden Einwegbecher zahlen. Es soll ein weiterer Anreiz sein, den Kaffee häufiger aus Mehrweggefäßen zu trinken.

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