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Kunst

Dachauplatz erhält eine „Fontana Regina“

Der angesehene Berliner Lichtkünstler Hans Jörg Wiegner lieferte den besten Brunnenentwurf für den Regensburger Platz.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Das Modell der geplanten Brunnenanlage von Hans J. Wiegner für den Dachauplatz.
Das Modell der geplanten Brunnenanlage von Hans J. Wiegner für den Dachauplatz. Foto: Hans Jörg Wiegner, Berlin

Regensburg.Über die Neugestaltung des geschichtsträchtigen Dachauplatzes und vor allem den Ersatz für den marode gewordenen Brunnen hat der Stadtrat schon in etlichen Ausschusssitzungen diskutiert. Am späten Nachmittag des Donnerstags lag nun der Siegerentwurf aus dem Brunnenwettbewerb zur Abstimmung vor: die Arbeit von Hans Jörg Wiegner mit dem Namen „Fontana Regina“, eine Kolonnade aus Wasser und Licht.

Einer der ganz Großen

Der Berliner Künstler gehört, was die Jury bei der anonymen Behandlung der eingereichten Arbeiten nur ahnen konnte, zu den ganz Großen. Wiegner erregte beispielsweise im Jahr 2000 mit einer Lichtinstallation in einer Röhre des alten Elbtunnels in Hamburg Aufsehen, mit der er für Besucher die Wirkung des Abtauchens nachvollziehbar machte. Seine „Eisinsel“ war 2007 eines der Highlights der Ausstellung „Lichtberlin“.

„Der Brunnen wird dem, Verzeihung, scheußlichen Platz Licht und Leben einhauchen. Die Regensburger können sich freuen.“

Ludwig Artinger, Stadtrat der Freien Wähler

Hans J. Wiegner lieferte Kunst am Bau für ein Allianz-Verwaltungsgebäude in München, das „Aquarium“ in einem Tunnel. Seine Arbeit ist damit in guter künstlerischer Gesellschaft: Die Sammlung der Allianz umfasst unter anderem Werke von Daniel Buren, Andreas Gursky und Robert Rauschenberg.

In Regensburg fand sein Brunnenentwurf ein einhelliges Echo. Einstimmig votierten Jurymitglieder wie Stadträte für seine „Fontana Regina“. Lediglich ÖDP-Stadtrat Benedikt Suttner vermisste eine Erklärung des künstlerischen Konzepts. Diese kann ihm der Künstler, der in München studiert hat und Jahre im Allgäu lebte, am Freitagmorgen bei der Preisverleihung in Regensburg selbst geben.

Sein Brunnen greift das antike Säulenmotiv auf und erinnert so an die römische Vergangenheit des Platzes. Die Installation besteht aus sieben mattierten Glassäulen, die wiederum aus einem Bündel von sechs Glasrohren aus bruchfestem Weißglas bestehen. Das Wasserbecken und die Lichtsäulen werden in stets wechselnde Farben getaucht. Auf Wunsch der Jury wird die Vielfarbigkeit des Lichtspiels etwas zurückgenommen, „jedoch nicht bis zur Einfarbigkeit“, wie die Verwaltungsvorlage ausführt.

Fontana Regina

  • Wartungsarme Anlage

    Der Brunnen von Hans Jörg Wiegner wird mit LED-Strahlern versehen. Diese haben eine Lebensdauer von 60 000 Stunden. Daraus ergibt sich ein Wartungsintervall von vier Jahren.

  • Inszenierung

    Das von 42 beleuchteten Glasrohren laufende Wasser der Fontana Regina sorgt für eine lebendige Inszenierung. Die Farbfolge von warmen Gelb-Orange-Tönen zu kühlen Blau-Grün-Tönen folgt dem Tageslichtverlauf.

In der Kulturausschusssitzung gab es viel Lob für den Entwurf, der nach Ansicht der Politiker den in der Ausschreibung festgelegten Erwartungen voll entspricht. Die Räte hoben das schlüssige Beleuchtungskonzept hervor und auch die Zugängigkeit und Bespielbarkeit der Installation, in der Kinder planschen können. Auch der Konstruktion mit unkomplizierten Wartungsmöglichkeiten zollten OB Joachim Wolbergs und die Ausschussmitglieder Respekt. Der Brunnen werde dem „scheußlichen“ Platz Licht und Leben einhauchen, sagte Ludwig Artinger von den Freien Wählern. „Die Regensburger können sich freuen.“

Praktiker statt Paradiesvogel

So unansehnlich präsentiere sich der Platz, bevor das Gartenamt mit einem Rollrasen wenigstens ein annehmbares Provisorium schuf.
So unansehnlich präsentiere sich der Platz, bevor das Gartenamt mit einem Rollrasen wenigstens ein annehmbares Provisorium schuf. Archivfoto: Lex

Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung mit der Realisierung der 308 000 Euro kostenden Anlage. Gartenamtsleiter Dietrich Krätschell freut sich besonders auf die Zusammenarbeit mit Hans Jörg Wiegner, mit dem er sich schon telefonisch verständigte. Wiegner sei kein Paradiesvogel, sagte Krätschell unserer Zeitung nach der Sitzung, sondern ein erfahrener Praktiker, der schon viele Projekte im öffentlichen Raum verwirklicht habe.

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