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Verkehr

Das Donau-Taxi soll 2017 ablegen

Nachtbusse, Schnelllinien und eine Altstadt-Freigabe für Radler: Die Regensburger Koalition überarbeitet ihr Verkehrskonzept.
Von Julia Ried und Micha Matthes, MZ

In Potsdam fahren bereits Wassertaxis.
In Potsdam fahren bereits Wassertaxis. Foto: Weiße Flotte Potsdam GmbH

Regensburg.Einen bunten Mix aus schon lange diskutierten und neuen Vorschlägen, Absichtserklärungen und konkreten Vorhaben hat die Regierungskoalition am Dienstag als Punkte bekanntgegeben, die sie in die neue Auflage ihres Koalitionsvertrages aufnehmen möchte. Vier befassen sich mit dem Thema Verkehr, einer davon lautet: Die Koalition will die Altstadt mit Wassertaxis besser an den Rest Regensburgs anbinden. „Wir meinen das ernst“, betonte SPD-Fraktionschef Norbert Hartl. Er hält es für denkbar, dass die ersten Donaufähren bereits im Frühjahr 2017 ablegen.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs sagte dazu: „Ob die Wassertaxis tatsächlich kommen, weiß ich nicht.“ Das Planungsreferat solle die Idee nun prüfen. In der Mitteilung der Koalition mit der Überschrift „Wieder große Teile des Koalitionsvertrages auf den Weg gebracht“ heißt es, das eventuell elektrisch betriebene Wassertaxi solle „Personen im Zickzack-Kurs zwischen den Anlegestellen Oberer Wöhrd, Wurstkuchl, Unterer Wöhrd und Marina-Quartier“ transportieren. In dieser konkreten Form ist der Vorschlag neu.

Wasserweg ist der kürzeste

Die Idee, den öffentlichen Nahverkehr mit einem Angebot auf dem Wasser zu ergänzen, kursiert in Regensburg jedoch schon länger. Als die Grünen vor Jahren das Gelände des Alten Eisstadions als Standort für ein Kultur- und Kongresszentrum favorisierten, galt ein Donau-Taxi als mögliches Verkehrsmittel dorthin. Dass der Gedanke nun wieder auflebt, erklärt Hartl mit dem Anliegen, die kürzeste Anbindung des Stadtkerns realisieren zu wollen. Das stehe auch hinter der möglichen Route – mit dem geplanten Parkplatz am Alten Eisstadion an dem einen und dem Oberen Wöhrd in Dultplatz-Nähe am anderen Ende.

Mögliche Haltestellen des Wassertaxis (MZ-Infografik)
Mögliche Haltestellen des Wassertaxis (MZ-Infografik)

Er kenne Wassertaxis aus der Metropole Bangkok, aber auch vom Königssee. „Dort gibt es aber keine Strudel“, sagte Hartl zu den Bedingungen in Berchtesgaden. Ob auf der schwerer passierbaren Donau E-Fahrzeuge die richtige Wahl seien, müsse untersucht werden. In Deutschland sind etwa in Hamburg und im Großraum Berlin-Potsdam Wassertaxis Bestandteil des ÖPNV. Für die Berliner Verkehrsbetriebe sind zwei Elektroschiffe auf Spree und Dahme unterwegs.

Wir haben die neuen Ziele der Koalition unter die Lupe genommen. Lesen Sie hier mehr.

Die Koalition aus SPD, Grünen, Freien Wählern, FDP und Piratin Tina Lorenz beerdigte am Dienstag auch die Suche nach Alternativen für die ursprünglich geplante Westtrasse, die die Unesco für nicht vereinbar mit dem Schutz des Welterbes hält. „Irgendwann muss man klar und deutlich sagen: So ist es heute“, erklärte dazu Grünen-Fraktionschefin Margit Kunc. Die Koalition schlägt stattdessen die Beschleunigung des Busverkehrs mit anderen Maßnahmen vor, beispielsweise mit einer Busspur in der Frankenstraße und einer Schnelllinie zwischen Albertstraße und dem Stadtwesten über die Pfaffensteiner Autobahnbrücke. Diese soll jedoch nur kommen, „falls eine Kundenbefragung bezüglich Zielverkehr den Bedarf ergibt“. Wolbergs sagte: „Wir hoffen, dass wir mit unseren Ideen die Westtrasse ein Stück weit kompensieren können. Sie damit komplett zu kompensieren, ist natürlich nicht möglich.“

Fundamentalkritik von der CSU

CSU-Fraktionschef Hermann Vanino kritisierte unter anderem diesen Vorschlag scharf. „Man sollte, bevor man die Lösung endgültig beerdigt, einen Wettbewerb um Alternativen ausloben“, das ist die Position der CSU. Generell verurteilte er das Papier als „Stückwerk“, zu den Verkehrsideen sagte er: „Das sind Einzellösungen, die den Verkehrsinfarkt allenfalls abmildern können.“ Ein Wassertaxi hält er für eine „Schnapsidee“ – Regensburger würden es nicht nutzen, sagt er.

Die Regierungsfraktionen, die ihre Gespräche im Juni abschließen wollen, kündigten außerdem an, im Oktober ein neues Nachtbusangebot testweise einzuführen. Das lag vor allem der FDP am Herzen, aber auch den Grünen, deren Jugend sich zuletzt dafür starkgemacht hatte. Die Probephase für den Fahrradverkehr in der Altstadt geht dagegen nahtlos in einen Dauerbetrieb über.

Landrätin Tanja Schweiger war über die Vorschläge zum Thema Verkehr, die auch den Landkreis betreffen, vorab informiert. Zu den Ausführungen zum Ende des Nachdenkens über eine Alternative zur Westtrasse sagte sie: „Das wäre für mich noch mal ein Argument für die Kneitinger Brücke. Das ist schon auch enttäuschend, dass in der Stadt keiner bereit ist, darüber nachzudenken. Aber das war nicht anders zu erwarten.“ Das Nachtbusangebot der Stadt werde der Landkreis nicht durch eigene Extra-Touren ergänzen. Sie habe aber signalisiert: „Wenn ein Fahrer nur eine Schleife in den Landkreis fährt, zahlen wir das mit.“

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