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Sicherheit

Das Partyvolk lässt die Angst außen vor

Der Münchner Amoklauf beschäftigt die Regensburger. Um die eigene Sicherheit fürchten sie nicht. Tausende feiern friedlich.
Von Marion Koller, MZ

  • Am Samstag feierten die Besucher friedlich bei „Zuckerbrot und Peitsche“. Foto: altrofoto.de
  • Reinhard Kellner, Veranstalter des Ostengassenfests, will kühlen Kopf bewahren. Foto: Steffen
  • Gute Laune war selbstverständlich bei „Zuckerbrot“. Foto: altrofoto.de
  • Küsse zu vergeben Foto: altrofoto.de
  • Die DJs kamen gut an. Foto: altrofoto.de
  • Der Berliner DJ Boys Noize heizte am Samstagabend ein. Foto: altrofoto.de
  • Veranstalter Sascha Almahmoud tat viel für die Sicherheit der Festival-Besucher am Pürkelgut. Foto: altrofoto.de
  • Alle Generationen hatten Spaß. Foto: altrofoto.de
  • Blumenmädchen Foto: altrofoto.de
  • Freundinnen-Selfie Foto: altrofoto.de
  • Eine der Elektromusik-Bühnen Foto: altrofoto.de
  • Chill-Zone Foto: altrofoto.de
  • Die Zelte waren Entspannungsbereiche. Am Samstagabend schützten sie vor Regen. Foto: altrofoto.de
  • Sacha Almahmouds Vater Saad (Mitte) mit Gästen Foto: altrofoto.de
  • Die DJs genossen die Reaktion der Feiernden. Foto: altrofoto.de
  • Im Scheinwerferlicht Foto: altrofoto.de
  • Raverin auf der Bühne Foto: altrofoto.de
  • DJ am Mischpult Foto: altrofoto.de
  • Pause Foto: altrofoto.de
  • Entspannt Foto: altrofoto.de
  • Dino-Hose Foto: altrofoto.de
  • Blick auf eine der Bühnen Foto: altrofoto.de
  • Tanzspaß Foto: altrofoto.de

Regensburg.Der 22-jährige Johannes und seine Freunde tanzen am Samstagabend bei Zuckerbrot und Peitsche zur Elektromusik des Berliner Star-DJs Boys Noize. Ausgelassen, die Arme in der Luft, mit den Beinen den Rhythmus stampfend. Manche schaffen es sogar noch, einen Plastikbecher mit Bier zu umklammern. Die Studenten wollen vom Prüfungsstress abschalten. Natürlich schockiert und beschäftigt sie der Münchner Amoklauf vom Freitag, aber sie lassen sich von der Gewalt nicht einschüchtern – wie Tausende andere Regensburger, die nicht nur am Pürkelgut feierten, sondern auch beim Ostengassenfest, auf der Jahninsel und bei der Begegnung des SSV Jahn mit dem VfL Bochum.

Elektro-Fan Johannes sagt: „Ich mache mir überhaupt keine Gedanken über die Sicherheit. Von so etwas darf man sich keine Angst machen lassen. Keiner von uns sorgt sich.“

„Wir müssen dagegenhalten“

Ein weiterer Raver, Chris, stellt fest: „Am Freitag waren alle betroffen, als die Meldung herumging.“ Alle seien an ihren Handys gehängt und hätten die Nachrichten verfolgt. „Meine Meinung ist, dass wir dagegenhalten müssen.“ Verena stimmt ihm zu. Am Freitag habe sie ein mulmiges Gefühl gehabt. „Aber das ist kein Grund, nicht mehr aus dem Haus zu gehen.“

Die Elektrojünger tun genau das, was Polizeisprecher Albert Brück rät. Eine Gefährdungssituation sei auch in Ostbayern nicht auszuschließen. Doch die Menschen sollten Veranstaltungen wie geplant besuchen und sich „an alle Plätze wagen“. Der Polizeiapparat sei bayernweit sehr gut vernetzt. „Wir haben im Hinblick auf mögliche Vorfälle in Ostbayern verschiedene Maßnahmen ergriffen.“ Die Polizei wappne sich etwa mit Fortbildungen und verdecktem Vorgehen. Das Wochenende sei in Regensburg friedlich verlaufen.

Sascha Almahmoud, Veranstalter von Zuckerbrot und Peitsche, erklärt am Sonntag, wegen des Amoklaufs strömten nicht weniger Besucher zum Pürkelgut. „Uns ist die Sicherheit der Gäste, Künstler und Mitarbeiter sehr wichtig“, sagt er. Sein Konzept: ausreichend Security-Personal und Taschenkontrolle. Am Samstagnachmittag herrschte beim Elektrofestival am Pürkelgut trotz der Vorkommnisse von München entspannte Stimmung. 50 Sicherheitsleute sind unterwegs. „Die machen auch Personenkontrollen“, erklärt Almahmoud. „Aber alles kann man natürlich nicht ausschließen.“

„Es ist superfriedlich gelaufen“

Er hatte mit einer Besucherzahl von 20 000 an den drei Tagen gerechnet, kann aber nicht sagen, wie viele letztlich gekommen sind. Es sei noch zu früh für eine Bilanz, weil viele Tagestickets verkauft wurden. Der Veranstalter wirkt nach der Anspannung und der anstrengenden Organisationsarbeit der vergangenen Tage gelöst. Er habe einen sehr positiven Eindruck. Vor allem, dass auf einer Bühne erstmals bis Mitternacht aufgelegt werden durfte, sei bei den Leuten extrem gut angekommen. „Das haben alle gefeiert“, sagte Almahmoud. Denn im Vorjahr hätten viele kritisiert: „Ihr macht ein Riesenfestival und dann geht es nur bis 22 Uhr.“

Die Gäste loben DJs und Organisation. Lehramtsstudentin Antonia (21) aus Regensburg bekennt, sie sei „nicht so der Elektro-Fan, aber es macht wahnsinnig Spaß“. Auch der Ticketpreis passe. Leider übernähmen sich immer wieder Leute mit Alkohol und müssten von Krankenwagen abgeholt werden. Jana (20), Abiturientin aus Regensburg, hat den Freitag schwach gefunden, weil der DJ „Alle Farben“ wegen Krankheit ausfiel. Das Ersatz-Duo Younotos habe ihm nicht das Wasser reichen können. Ihre Freundin Jennifer (18) begrüßt das höhere Becherpfand. „Wenn man mit Pfand sechs Euro für ein Bier zahlt, bringt man den Becher auch zurück.“

Auch Reinhard Kellner von den Sozialen Initiativen, Veranstalter des Ostengassenfests, bewahrt kühlen Kopf: Der Amoklauf ängstigt ihn nicht. Es sei ein Einzelfall, bei dem der Täter in einer psychischen Ausnahmesituation handelte. Das Sicherheitskonzept des Ostengassenfests habe er nicht geändert, weil es gut sei.

„Ich habe in Regensburg keine Angst – auch nicht bei großen Festen.“

Jörg Dirksen

Jörg Dirksen, der beim Ostengassenfest am Stand von Greenpeace Regensburg vertreten war, argumentierte ähnlich. „Ich habe in Regensburg keine Angst – auch nicht bei großen Festen“, sagte er. Man müsse die Weltoffenheit, die man sich in Deutschland über Jahrzehnte erarbeitet habe, aufrecht erhalten – „ganz egal, aus welcher Richtung der Terror kommt“. Klaus Theml sah die Situation weniger gelassen. Er spricht sich für eine Verstärkung des Polizei-Aufgebots aus – auch in Regensburg, wo sich ein Vorfall wie in München ebenfalls ereignen könne. Davor sei man nicht gefeit.

Florian Gmeiner, Mitorganisator des Jahninselfests, bilanziert, dass es „superfriedlich gelaufen ist“. Allerdings kamen wesentlich weniger Besucher als sonst. Er führt das nicht auf den Amoklauf zurück, sondern auf die Konkurrenz-Veranstaltungen.

MZ Video: Unser Spezial fasst die Ereignisse in München zusammen:

MZ Video: Amoklauf in München

Vielerorts in Bayern haben Veranstalter am Wochenende Feste abgesagt. In München selbst wurde ein Fest zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes vorzeitig beendet. Die Veranstaltung sei für das Wochenende wegen der „unklaren Sicherheitslage“ abgesagt worden, hieß es am frühen Samstag in einer Mitteilung. Auch das Tollwood-Festival bleibt aus Pietätsgründen am Samstag und Sonntag geschlossen, das teilten die Verantwortlichen auf ihrer Homepage mit. Damit endet das Tollwood Sommerfestival 2016 vorzeitig.

Aktuelle Informationen zu den Geschehnissen in München lesen Sie in unserem NewsBlog:

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