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Klimaschützer

Demo: Schüler erhöhen den Druck

Am Freitag wird in Regensburg wieder gestreikt: Abgeordnete suchen das Gespräch mit der Jugend. Der Stadtrat wartet ab.
Von Heike Haala

Nachdem es nun auch eine Klimademo am Nachmittag gab, wird sie am Freitag wieder zur Unterrichtszeit stattfinden. Foto: Steffen
Nachdem es nun auch eine Klimademo am Nachmittag gab, wird sie am Freitag wieder zur Unterrichtszeit stattfinden. Foto: Steffen

Regensburg.Am Freitag und damit kurz vor der Europawahl ist es wieder soweit: Regensburger Schüler und Studierende werden für einen beherzteren Klimaschutz auf die Straße gehen. „Das ist die letzte Wahl, nach der noch substanziell etwas verändert werden kann“, sagt Organisator Ferdinand Klemm. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, um die Auswirkungen des Klimawandels abzufangen. Und so erhöhen die Regensburger Mitglieder der Bewegung jetzt den Druck.

Nachdem es zuletzt auch eine Aktion am Nachmittag gab, wird sie am Freitag wieder um 11 Uhr – also zur Unterrichtszeit – stattfinden. Auf ihrer Tour durch die Stadt wollen die Demonstranten ihr Anliegen zudem auch den „Entscheidern“ verdeutlichen. Deswegen führt die Route diesmal vorbei am Rathaus, der Rewag und der Industrie- und Handelskammer.

Ein Video von den Protesten sehen Sie hier:

Europaweite Demonstrationen bei «Friday for Future

Ob sie dort auf offene Ohren stoßen, bleibt abzuwarten. Zumindest das Interesse einiger Regensburger Politiker ist den Teilnehmern und Organisatoren der Klimademonstrationen aber inzwischen sicher. So werden sie sich am 17. Juli mit den Bundestagsabgeordneten aus dem Raum Regensburg, Peter Aumer, Stefan Schmidt und Ulrich Lechte, treffen, um über ihre Inhalte und Forderungen zu sprechen.

Schulen

Klima-Demos: So reagieren Schulen

Jeden Freitag demonstrieren Tausende Schüler – überwiegend während der Schulzeit. Die Konsequenzen sind unterschiedlich.

So macht der Dialog Sinn

Worauf aber kommt es bei diesen Gesprächen an? Prof. Andrea Römmele, Politikwissenschaftlerin an der Hertie School of Governance, ist Expertin beim Thema Kommunikation. So gehörte sie etwa den Wahlkampfteams von Gerhard Schröder und Hillary Clinton an und veröffentlichte kürzlich das Buch „Zur Sache! Für eine neue Streitkultur in Politik und Gesellschaft“. Römmele lobt den Vorstoß der Regensburger Abgeordneten, denn alle Beteiligten könnten bei so einem Gespräch voneinander lernen. Auch die Debatte um die Urheberrechtsreform habe gezeigt, dass Jugendliche komplett anders unterwegs seien als etablierte Politiker. Entscheidend sei laut Römmele aber, dass diese Gespräche auf Augenhöhe stattfinden. Die Politik dürfe die Jugendlichen nicht belehren. Idealerweise könnten dann beide Seiten mit einem Impuls aus dem Gespräch gehen: Dem, dass sie ihr Gegenüber zum Nachdenken gebracht hat. Als Eintagsfliege bringen diese Gespräche aber nichts. Wichtig sei, dass sie regelmäßig stattfinden.

Eine Bildergalerie von Demonstrationen in Regensburg sehen Sie hier

Regensburg: Die Stadt ist Demo-Hochburg

Ein Gesprächsangebot an die Regensburger Mitglieder der Bewegung vonseiten des Stadtrats wird es allerdings nicht geben. Das wollte die ÖDP-Fraktion kürzlich im Umweltausschuss auf den Weg bringen und scheiterte. Für den Antrag waren lediglich die ÖDP-Stadträte selbst und die Linken. Sogar Grünen-Bürgermeister Jürgen Huber, der die Sitzung im Umweltausschuss leitete, war dagegen. Er wolle den Jugendlichen nicht sagen, was sie mit dem Stadtrat besprechen sollen. Seiner Ansicht nach würden die Jugendlichen ihren Weg zur Verwaltung finden, um ihre Anliegen vorzutragen. Darauf wird er in der Tat nicht mehr lange warten müssen. Organisator Klemm kündigt im Gespräch mit der Mittelbayerischen Forderungen aus der Bewegung an, die speziell auf die Situation in Regensburg zugeschnitten sein werden. Dieser Katalog soll die Verwaltung noch vor der Sommerpause erreichen.

Schulen leben mit den Demos

Franz X. Huber, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in der Oberpfalz, wiederholt im Zusammenhang mit den Demos während der Schulzeit: „Den Schülern muss bewusst sein, dass es eine Schulpflicht gibt, die sie nicht ignorieren können.“ Die Schulleiter haben inzwischen Wege gefunden, mit dem Thema umzugehen. Ob Arbeitskreis oder Pflanzaktionen – sowohl Ralf Krottenthaler, Leiter des Von-Müller-Gymnasiums, als auch Hans Lindner, Chef in den St.-Marien-Schulen, haben das Thema Umwelt und Klimaerwärmung geballt in ihre Häuser geholt. Allerdings musste Lindner auch schon sechs Verweise schreiben, weil Schülerinnen ohne Zustimmung von Eltern und Schule an einer der Demonstrationen teilnahmen. Am Freitag wolle bisher aber keine seiner Schülerinnen auf die Straße gehen.

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