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Wetterwarnung

Die Donau bleibt noch in ihrem Bett

Auch in Regensburg fiel Starkregen. Die Folgen blieben am Jahrestag des großen Hochwassers 2013 moderat.
Von Julia Ried, MZ

Der Pegel der Donau blieb gestern unterhalb von vier Metern – dann ist die erste Hochwassermeldestufe erreicht.
Der Pegel der Donau blieb gestern unterhalb von vier Metern – dann ist die erste Hochwassermeldestufe erreicht.Foto: Steffen

Regensburg.Johannes Buchhauser, Chef der Regensburger Berufsfeuerwehr, weiß noch genau, was er am 2. Juni vor drei Jahren machte. „Um kurz nach elf war ich im Krisenstab, die morgendliche Lagebesprechung war gerade abgeschlossen und alle Beteiligten trafen Vorbereitungen auf den ab dem 3. Juni spätabends zu erwartenden Hochwasserscheitel“, schrieb er unserer Zeitung am Donnerstag nach einem Telefonat am Vormittag.

Gut beschäftigt waren seine Leute am Donnerstag auch – doch für Krisentreffen gab es keinen Anlass. Während Orte in Niederbayern zum Jahrestag der Hochwasserkatastrophe 2013 mit den Folgen verheerender Sturzfluten kämpften, hielten sich die Starkregen-Schäden hier in Grenzen.

„Wir haben die Leitstelle ein bisschen verstärkt, aber auch da läuft es noch ruhig.“

Johannes Buchhauser

Die Feuerwehr war bis zum Nachmittag fünfmal zum Auspumpen von Kellern ausgerückt; in zwei Häusern gab es Wasserschäden anderer Art, über Dach oder Dachrinne. „Wir haben die Leitstelle ein bisschen verstärkt, aber auch da läuft es noch ruhig“, beschrieb Buchhauser die Lage am Vormittag.

Den größten Regensburger Wasserschaden hatte wohl Künstler Jürgen Böhm zu beklagen. Der 39-Jährige hatte drei Monate lang an seiner Kunstinstallation gearbeitet, 15 000 bis 20 000 Euro investiert. Erst am Wochenende hatte ein vom ihm beauftragtes Team die 15 schwimmenden und beleuchteten Zelte, gestaltet mit Fingerabdrücken und Flüchtlingsfotos aus den vergangenen 120 Jahren, auf die Donau gesetzt, von der Wurstkuchl aus war das Werk am anderen Ufer zu sehen. Am Montag waren sie schon baden gegangen. „Morgens um halb zehn kam der erste Anruf“, erzählte er. „Und um zwölf waren alle Zelte weg außer einem.“ Die Donau hätte einen Meter steigen können, seine Kunst hätte standgehalten, sagte Böhm. Doch der Fluss schwoll so stark an, dass letztlich die Stahlseile der Konstruktion tiefer hingen als der Wasserpegel. „Die Zelte wurden dann unter Wasser gezogen.“ Böhm nahm es relativ gelassen. „Mich ärgert am meisten, dass ich es nicht richtig dokumentieren konnte.“

Die erste Meldestufe, die bei einem Pegel von vier Metern bei der Eisernen Brücke erreicht ist, wurde nicht ausgerufen. Um 18 Uhr registrierte der Hochwassernachrichtendienst einen Pegel von 3,46 Metern – nachts sollte er auf dem Niveau bleiben.

So sorgte der Regen vor allem für schlechte Laune bei allen, die auf gutes Wetter angewiesen sind. „Echte Biergartentage waren noch gar nicht dabei“, so lautete zum meteorologischen Sommerbeginn die Frühjahrs-Bilanz von Michael Scharff, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes. Doch der Sommer 2015 habe ähnlich schlecht begonnen – dann folgten heiße Wochen, auf die Scharff auch heuer hofft.

Über Regensburg liegt ein „Regenband“

Der Blick auf die Steinerne Brücke nahe der Wurstkuchl am Donnerstag;
Der Blick auf die Steinerne Brücke nahe der Wurstkuchl am Donnerstag; Foto: Steffen

Was die Hochwasserlage betrifft, gab das Wasserwirtschaftsamt auch für die nächsten Tage Entwarnung: „Die großen Gewässer zeigen aktuell keine Hochwasserzeichen“, sagte Dr. Klaus Amberger. Dass die Donau rasant anschwillt, schloss er aus. „Wir haben aktuell keinen großen Landregen.“ Lediglich über Regensburg liege ein „Regenband“. Dass ein örtlicher extremer Niederschlag in der Stadt eine Sturzflut auslöst, hielt er für unwahrscheinlich. Im dicht bebauten Regensburg könne es eher passieren, „dass das Kanalsystem überlastet ist“.

Der Deutsche Wetterdienst nahm seine Vorabinformation, in der er vor einem etwaigen schweren Gewitter mit Niederschlagsmengen von mehr als 25 Liter pro Quadratmeter in der Stunde in Stadt und Landkreis Regensburg warnte, am Abend aus dem Netz. Er warnt bis 20 Uhr noch vor starkem Gewitter mit Niederschlagsmengen zwischen 15 Liter und 20 Liter pro Quadratmeter in der Stunde.

Während in Regensburg die Lage noch ruhig ist, kämpft Niederbayern gegen das Hochwasser. Eindrücke in unserer Fotostrecke:

Hochwasser: Katastrophenalarm in Niederbayern

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