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Aktion

Dombesetzer kommen in St. Emmeram unter

Ab Montag sollen 48 Flüchtlinge in St. Emmeram untergebracht werden. Die Gruppe der Asylsuchenden bestätigt den Umzugstermin.
Von Andrea Fiedler und Anna Jopp, MZ

Die Demonstranten zogen vom Hauptbahnhof zum Dom.
Die Demonstranten zogen vom Hauptbahnhof zum Dom. Foto: Jopp

Regensburg.Die 48 abgelehnten Asylbewerber, die seit Dienstag im Regensburger Dom Zuflucht suchen, sollen am Montag ins Pfarrheim St. Emmeram umziehen. Bistumssprecher Jakob Schötz sagte unserer Zeitung, dass es eine Einigung mit den Flüchtlingen gegeben habe. Bereits am Freitagnachmittag besichtigte ein Teil der Asylsuchenden die Räume in der Regensburger Innenstadt. Danach zog sich die Gruppe zurück, um über den Vorschlag der Kirche zu beraten. Am Samstag sei dann die Entscheidung gefallen.

„Wir wollten den Leuten Zeit geben und keinen Druck aufbauen“, sagte Schötz. Innerhalb der Gruppe habe es Zweifel und Angst gegeben. Doch das Pfarrheim sei wie der Dom ein geschützter Raum. Auch der Weg dorthin sei sicher. Ein Eingreifen der Behörden lehnt das Bistum ab.

Kirche kam der Gruppe entgegen

Isen Asanovski, Sprecher der Gruppe im Regensburger Dom und Vertreter der deutschlandweit agierenden Initiative „Romano Jekipe Ano Hamburg“, bestätigte den Umzug am Sonntag auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Kirche ist uns sehr entgegengekommen, also werden wir das auch tun“, sagte er.

Alle Flüchtlinge haben laut Asanovski einen Abschiebebescheid erhalten und warten auf den Tag, an dem sie Deutschland verlassen müssen. Sie seien zum Teil von schwerer Krankheit betroffen. Sie kämen unter anderem aus Ländern wie Albanien, dem Kosovo, Serbien und Mazedonien. Die Flüchtlinge, die aus ganz Deutschland nach Regensburg gekommen sind, demonstrieren für ein Bleiberecht und gegen die Einstufung einiger Balkan-Staaten als sichere Herkunftsländer.

Im Pfarrheim von St. Emmeram soll die Gruppe nun ab Montag Zuflucht finden. Dort stehen ein Saal, ein 50 Quadratmeter großer Nebenraum, eine Küche und ein Innenhof zur Verfügung. Es gibt getrennte Toiletten für Frauen und Männer. Am Wochenende werden noch mobile Duschen aufgestellt. „Das schaffen wir alles“, sagte Bistumssprecher Schötz. Am Wochenende wollte die Kirche die Details des Umzugs klären.

Mit Parolen wie „Refugees are welcome here!“ unterstützten am Samstag etwa 150 Demonstranten die Asylsuchenden in ihrem Kampf für ein dauerhaftes Bleiberecht.
Mit Parolen wie „Refugees are welcome here!“ unterstützten am Samstag etwa 150 Demonstranten die Asylsuchenden in ihrem Kampf für ein dauerhaftes Bleiberecht. Foto: Jopp

Rund 150 Menschen unterstützten die Asylsuchenden am Samstag mit einer Demonstration in der Regensburger Innenstadt. Sie zogen unter dem Motto „Wer kommen will, soll kommen! Wer bleiben will, soll bleiben!“ vom Hauptbahnhof zum Dom, um ihre Solidarität mit den Besetzern zu bekunden. Die Aktion verlief friedlich, der Polizei waren keine Zwischenfälle bekannt.

Mit Parolen und Transparenten wie „Bleiberecht für alle“ und „Alle Roma bleiben hier“ wollten sie als „Sprachrohr der Dombesetzer“ agieren, erklärte einer der Organisatoren. Auch die Asylsuchenden selbst, darunter viele Kinder und Mütter mit Kinderwagen, nahmen an dem Protestzug teil. „Was soll aus unseren Kindern werden, die hier geboren sind?“, fragte Asanovski über die Lautsprecher. Sinti und Roma könnten sich derzeit weder in Deutschland noch in ihren Herkunftsländern sicher fühlen. „Wir bitten euch, uns zu helfen. Euch, die Bürger, nicht die Politik!“ Man freue sich über die Unterstützung aus der Regensburger Bevölkerung und werde nicht aufgeben, bis ein Bleiberecht erreicht sei.

Flüchtlinge bleiben vorerst im Dom

Während einige Passanten das Geschehen mit Kopfschütteln kommentierten oder sich gar die Ohren zuhielten, blieben andere neugierig stehen oder schlossen sich dem Protestzug spontan an. „Wir wohnen in Regensburg, sind aber erst heute auf die Dombesetzung aufmerksam geworden“, erzählte ein junges Paar bei der Kundgebung vor dem Dom. „Wir finden, das ist eine gute Sache.“

Ein weiterer Demonstrant ergriff bei der Abschlusskundgebung spontan das Mikrofon. Er sei 83 Jahre alt und habe als Kind die Deportation jüdischer Mitbürger am eigenen Leib erlebt. Den Sinti und Roma sei es im Nationalsozialismus ähnlich ergangen wie den Juden. „Aber wir werden heute vom Staat geschützt – sie nicht!“

Unterstützung aus Berlin

Christian Johnsen, evangelischer Pfarrer aus Berlin und Repräsentant der Gesellschaft für bedrohte Völker – International in der Bundeshauptstadt, lobte den Einsatz der Katholischen Kirche für die Flüchtlinge. Nach Regensburg sei er gekommen, um den Sinti und Roma „nicht nur humanitär, sondern auch politisch“ zu helfen. Er appellierte an die Politik, eine Gleichbehandlung von Roma und Juden durch Ministererlass nach § 23 des Aufenthaltsgesetzes zu ermöglichen und die aus Sicht beider großer Kirchen realitäts- und verfassungswidrige Einstufung der Balkanstaaten als sichere Herkunftsstaaten vom Bundesverfassungsgericht überprüfen zu lassen.

Verlauf der Aktion

  • Dienstag:

    Die Gruppe Asylsuchender positioniert sich gegen 11 Uhr mit Transparenten, auf denen sie Bleiberecht fordert, im Dom. Die Nacht zum Mittwoch verbringen die Menschen im nördlichen Seitenschiff.

  • Mittwoch:

    Die Flüchtlinge werden in einem Nebenbereich der Kathedrale, den Vorräumen zum sogenannten „Domschatz“, untergebracht. Vom Malteser Hilfsdienst, der Caritas und einem freiwilligen Helferkreis bekommen sie Essen und Getränke.

  • Donnerstag:

    Das Bistum verhandelt mit der Gruppe über einen Umzug in andere kirchliche Räume.

  • Freitag:

    Ein Teil der Asylsuchenden besichtigt Räume im Pfarrheim St. Emmeram. Dort soll die Gruppe ab Montag Zuflucht finden.

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