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Stadtrat

Dr. Eberhard Dünninger ist gestorben

Der streitbare Stadtrat und versierte Regensburg-Kenner starb am Sonntag mit 80 Jahren. Zuletzt gehörte er der CSU-Fraktion an.
Von Claudia Böken, MZ

Dr. Eberhard Dünninger
Dr. Eberhard Dünninger Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Der kleine grauhaarige Herr, der langsam mit seiner Gehhilfe durch die Altstadt streifte, immer wieder einmal pausierte, um sich auf dem Rollator niederzulassen, wird seine Runden nicht mehr ziehen. Professor Dr. Eberhard Dünninger ist am Sonntag in einem Regensburger Krankenhaus gestorben, wohin er nach einem Sturz gebracht worden war.

Dünninger, 1934 in Würzburg geboren, war zeit seines Lebens stolz auf seine Regensburger Wurzeln. Hierher kehrte er nach seiner Tätigkeit als Generaldirektor der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken zurück und war noch jahrelang als Honorarprofessor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Regensburg tätig.

Politisch interessiert war er immer, offiziell engagiert hat er sich in den 1990er-Jahren als er sich leidenschaftlich in die Diskussion um den Dichter Florian Seidl einmischte. Dünninger ist es mit zu verdanken, dass die Straße umbenannt wurde, die den Namen des Mannes trug, der sich in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie gestellt und den Euthanasie-Gedanken in seinem Roman „Das harte Ja“ positiv vertreten hatte.

Die CSU um Hans Schaidinger verzieh Dünninger die Niederlage, die er ihr beigebracht hatte, nie, und so blieb sein Wunsch unerfüllt, von der CSU um eine Kandidatur auf der Stadtratsliste gebeten zu werden. Diese „Entdeckung“ Dünningers kann sich ÖDP-Stadtrat Joachim Graf an die Fahnen heften. Er gewann das Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und Mitglied der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der sich als „Stimmenfänger“ erwies. Mit seinem großen Wissen über die Stadt und ihre Geschichte hielt Dünninger bis zuletzt kostenlose Stadtführungen, die sich großer Beliebtheit erfreuten, und ihn bekannt machten, „wie einen bunten Hund“, wie er selbst sagte. 2002 zog er für die ÖDP in den Stadtrat ein.

Elf Jahre später verließ er die ÖDP. Wieder war es ein Regensburger mit NS-Vergangenheit, um den es ging, aber diesmal engagierte Dünninger sich für ihn: Für Hans Herrmann, dessen Wirken und Einstellung er – anders als viele andere Regensburger und vor allem die ÖDP – ehrenwert fand und verteidigte.

Dünninger trat der CSB bei und wurde 2014 als einziger Vertreter dieser Gruppierung in den Stadtrat gewählt. Dort schloss er sich der CSU-Fraktion an und war schließlich im Schoß der Partei angekommen, die seiner persönlichen Einstellung wohl am nächsten gekommen ist. Nach Dünningers Tod rückt Christian Janele von der CSB in den Stadtrat nach.

„Ich habe Dr. Eberhard Dünninger als kompetenten, aber auch durchaus streitbaren Stadtrat und Politiker erlebt, der keinem Schlagabtausch aus dem Weg gegangen ist und sich für Angelegenheiten, von denen er überzeugt war, mit seiner ganzen Energie eingesetzt hat“, sagte OB Joachim Wolbergs. Dünninger habe sich große Verdienste um die Stadt und ihre Bürger erworben. ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner schätzte Dünninger, obwohl er die Partei verlassen hatte, weil er bis ins hohe Alter leidenschaftlich engagiert geblieben sei.

Prof. Dr. Dünninger hinterlässt einen Sohn, zwei Töchter sowie zwei Enkel. seine Beisetzung wird im engsten Familienkreis stattfinden.

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