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Verkehr

E-Bus emil: Batterie-Panne am ersten Tag

In der Altstadt nahmen fünf E-Busse den Linienbetrieb auf. Nach zwei Stunden musste eines der Fahrzeuge abgeschleppt werden.
Von Micha Matthes, MZ

Seit Dienstagmorgen rollen die neuen E-Busse im Linienbetrieb durch die Altstadt. Offiziell präsentiert wurden sie um 9 Uhr am Neupfarrplatz. Foto: mt
Seit Dienstagmorgen rollen die neuen E-Busse im Linienbetrieb durch die Altstadt. Offiziell präsentiert wurden sie um 9 Uhr am Neupfarrplatz. Foto: mt

Regensburg.Die neuen „emil“-Elektrobusse rollten am Dienstagmorgen auf der Altstadtbuslinie durch die Innenstadt. Manfred Koller und Olaf Hermes, die beiden Geschäftsführer der RVB, hatten den offiziellen Startschuss gemeinsam mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Bürgermeister Jürgen Huber gegeben. Sie schickten die fünf grünen emils um 10 Uhr vom Neupfarrplatz aus auf die Strecke. Die Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB) investieren rund drei Millionen Euro in die Fahrzeuge und die zugehörige Ladeinfrastruktur. Leider zeigte sich bereits am Mittag, dass die E-Busse noch immer mit Kinderkrankheiten kämpfen: Einer der emil-Busse musste mit Batterieproblemen zum Betriebsbahnhof abgeschleppt werden. Ihn ersetzte daraufhin ein gelber RVB-Dieselbus.

Dieselbus steht als Ersatz bereit

Die RVB-Geschäftsführer Manfred Koller (2. v. l.) und Olaf Hermes (r.) hatten den Startschuss gemeinsam mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Bürgermeister Jürgen Huber gegeben. Foto: mt
Die RVB-Geschäftsführer Manfred Koller (2. v. l.) und Olaf Hermes (r.) hatten den Startschuss gemeinsam mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Bürgermeister Jürgen Huber gegeben. Foto: mt

„Einer der Busse musste leider schon aus der Schleife genommen werden, weil es ein Batterieproblem gibt“, bestätigte Martin Gottschalk, Pressesprecher der Stadtwerke, am Nachmittag auf Nachfrage unseres Medienhauses. „Wir hoffen, dass das nichts Längerfristiges ist. Wir befinden uns nach wie vor in einer Erprobungsphase. Da kann es immer mal sein, dass ein kleinerer Fehler zu einem Ausfall führt.“ Im schlimmsten Fall würden die Busse dann jeweils durch Dieselfahrzeuge ersetzt.

Nur wenige Stunden zuvor hatte noch große Begeisterung auf dem Neupfarrplatz geherrscht. „Im Vergleich zu den 18-Meter-Bussen sind das Kleinfahrzeuge für uns“, sagte einer der Busfahrer, die bei der Präsentation dabei waren. „Das ist auf jeden Fall mal eine Abwechslung und eine tolle Erfahrung, was die Elektromobilität betrifft.“ Die Mini-Elektrobusse sind 7,72 Meter lang und 2,20 Meter breit. In jedem der Busse befinden sich 14 Sitzplätze, bis zu 25 Stehplätze sowie ein Rollstuhlplatz. „Dadurch, dass der Bus schmaler und kürzer ist, ist er wesentlich wendiger“, sagte der Busfahrer. „Von daher hoffen wir, dass es bei Touren durch die Altstadt künftig viel weniger Probleme gibt.“

Der italienische Hersteller Rampini gewann die Ausschreibung. Foto: mt
Der italienische Hersteller Rampini gewann die Ausschreibung. Foto: mt

Bislang sei es für die großen Busse schwierig gewesen, durch die Altstadt zu kommen, wenn viel los war, sagte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. „Jetzt haben wir unsere schönen, frischen grünen emils.“ Laut der Bürgermeisterin soll die Altstadt durch die neuen Busse noch attraktiver werden und sie sollen mehr Lebensqualität für alle Bürger bringen, die im Zentrum unterwegs sind. Lange habe die Stadt darauf gewartet, sagte die Bürgermeisterin. „Heute ist der Tag endlich da. Und wir starten als erste deutsche Stadt mit einer Linie, die komplett e-mobil betrieben wird.“

Für ihn als Umweltreferenten der Stadt sei es ein Feiertag, sagte Bürgermeister Jürgen Huber. Die Busse würden mit Ökostrom geladen und brächten viele Vorteile für die Umwelt. „Wenn Sie die Diskussion, wie es mit den Dieselfahrzeugen weitergeht, verfolgen, dann muss ich Ihnen sagen: So geht es weiter“, sagte Huber. „Das ist die Lösung für all die Probleme, die wir mit all den Emissionen aus Verbrennungsmotoren haben.“ Der Bus sei in Italien für schmale Altstadtgassen entwickelt worden und passe mit seinen Dimensionen hervorragend nach Regensburg.

Freie Fahrt für E-Busse

Im Jahr 2015 hatten die Verantwortlichen verschiedene Fahrzeugtypen für Testfahrten nach Regensburg geholt. Bereits im Februar 2015 kam es dabei schon einmal zu einer Panne: Ein Softwarefehler hatte eines der Testmodelle am Neupfarrplatz lahmgelegt. Mehrfach musste die Stadt den E-Bus-Startschuss verschieben. „Der Weg bis zum heutigen Tag war wirklich anstrengend“, sagte Manfred Koller am Dienstag bei der Präsentation. „Nun stehen sie hier, die fünf kleinen Italiener, die künftig völlig abgasfrei und leise durch die Altstadt fahren werden.“ Weil die E-Busse so leise sind, brauchen sie ein Warnsignal. „Nach vielen Probiertönen haben wir uns für ein Straßenbahnklingeln entschieden“, sagte Koller. Zunächst ist der Einsatz der neuen Busse ausschließlich auf die Altstadtlinie begrenzt.Neue Linien seien aber bereits – ab frühestens Herbst – angedacht.

emil tankt am Bahnhof Strom

In jedem der Busse befinden sich 14 Sitzplätze, bis zu 25 Stehplätze sowie ein Rollstuhlplatz. Foto: mt
In jedem der Busse befinden sich 14 Sitzplätze, bis zu 25 Stehplätze sowie ein Rollstuhlplatz. Foto: mt

Die Regensburger Altstadtbuslinie sei die erste Linie in Deutschland, die komplett strombetrieben fahre, sagte Olaf Hermes. „Es ist allerdings auch nicht ganz günstig. Ein solcher Bus kostet 465000 Euro.“ Nimmt man die beiden neuen Ladestationen dazu, summieren sich die Ausgaben auf knapp drei Millionen Euro. Ein herkömmlicher Bus mit dieselbetriebenem Euro-6-Motor kostet derzeit rund 180000 Euro. „Anhand der Zahlen sehen Sie auch schon, warum das jetzt nicht einfach möglich ist, die gesamte Busflotte elektro-mobil auszustatten: Das ist schlichtweg nicht bezahlbar durch den Bürger.“ Ein sinnvoller öffentlicher Personennahverkehr sei immer auch dann besonders ökologisch, wenn er noch bezahlbar sei. „Vor dem Hintergrund haben wir eine ausgewogene Lösung gefunden“, sagte Hermes.

Normalerweise können die Busse ohne Zwischenladung ungefähr 75 Kilometer weit fahren. Aufgeladen werden die Batterien nachts im Omnibusbetriebshof in der Markomannenstraße und tagsüber zwischen den Fahrten an einer neuen Schnellladestation unterhalb der Galgenbergbrücke. Das Schnellladen dauert rund fünf bis zehn Minuten.

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E-Bus "emil" geht an den Start

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