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Aktion

Ein Euro pro Nase kann Leben retten

Bei Schiffbrüchigen im Mittelmeer kommt es auf den schnellen Zugriff an: Sea Eye sammelt Geld für ein Patrouillenboot.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Michael Buschheuer an der Glocke der Ruthof: Die Ankerwinde hat seine Firma sandgestrahlt und gestrichen. Foto: Wanner
  • Diese „Parker 16m Interceptor“ soll die Seenotretter schneller machen. Foto: Parker

Regensburg. Kommenden Dienstag macht sich Michael Buschheuer persönlich wieder auf den Weg nach Malta und von dort ins Einsatzgebiet. Aber er hat diesmal noch etwas anderes im Auge. Der Maler hat mit seiner Aktion Sea Eye 2652 Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer gefischt und ist auf der Suche nach einem zweiten Boot. Denn in den Sommermonaten ist die Seeroute sehr frequentiert. „Wenn Menschen in Seenot sind, ist schneller Zugriff nötig.“

„Mit ein paar Kröten Bargeld könnten wir unsere Effizienz verdoppeln.“

Michael Buschheuer

Die Sea Eye erweist sich mit ihren 8 Knoten Geschwindigkeit als zu träge. Das neue Boot, das er im Auge hat, ist um 32 Knoten schneller. Es kostet gebraucht über 100 000 Euro. Diese Summe will Buschheuer in den nächsten drei Wochen zusammenhaben. Der 39-Jährige hat eine Mission, die sich nach und nach erfüllt. „Vor einem Jahr war ich ein Maler, der Menschen aus Seenot retten wollte. Ich hatte die gleiche Ausgangslage wie jeder hier in Regensburg. Heute habe ich eine Crew mit Überkapazität (280 Leute), enorme Organisationskraft, Kontakte und Erfahrungen.“ Er vertraut darauf, dass die Regensburger, wenn er den Hut rum gehen lässt, was reinlegen. Jeder Bürger müsste nur einen Euro spenden und die Aktion Sea Eye könnte deutlich mehr Menschenleben retten. „Mit ein paar Kröten Bargeld könnten wir unsere Effizienz verdoppeln.“

Einsatz vor der libyschen Küste

Mit Effizienz meint Buschheuer, die Zahl der Ertrinkenden zu minimieren. In einem Jahr hat sich die Zahl der Bootsflüchtlinge verzehnfacht. Fast 200 000 Menschen haben sich auf den Weg übers Mittelmeer gemacht. Die Mortalitätsrate im Einsatzgebiet vor der libyschen Küste steigt sprunghaft. „Sie betrug vor einem Jahr noch 1:52, vor drei Wochen war die Zahl 1:37 und heute steht sie bei 1:27. Und die Reaktion der Politik: Keine.“ Marine und Frontex seien da, aber nicht sichtbar. „Ihre Aufgabe ist es nicht, Menschen aus Seenot zu retten.“

Die Situation im Mittelmeer berührt den Vater von zwei Kindern. Er weiß, dass die Flüchtlinge Opfer der Schleuser sind. Schleuser sind für ihn Massenmörder. „Sie behandeln die Flüchtlinge wie Ware, sie treiben sie wie Vieh auf die Boote.“ Auf dem Meer sind sie ihrem Schicksal überlassen.

Sea-Eye rettete Flüchtlinge im Mittelmeer

Buschheuer und seine 280 Mitstreiter haben nur ein Ziel: Sie wollen Menschenleben retten. Im Einsatzgebiet wird die Sea Eye logistisch unterstützt von Sea Watch, SOS-Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen. Angeblich ist es so groß wie Deutschland, aber im wesentlichen konzentriert sich alles auf einen Bereich von 10 mal 15 Seemeilen.

Buschheuer möchte den Kauf des neuen Boots für die Organisation Sea Eye zum Thema der Regensburger machen. Der Aktivist hat ein konkretes Patrouillen-Boot im Auge. „Wir brauchen ein professionelles Rettungsgerät, um schneller an Schiffbrüchige ranzukommen.“ Seine Sea Eye hat an 2652 Menschen Schwimmwesten und Rettungsinseln ausgegeben. Aber zeitgleich ertrank angehend dieselbe Zahl Schiffbrüchiger.

Wenn die Sea Eye von ihrem Einsatzort Malta aus startet, braucht sie 28 Stunden bis zum Einsatzgebiet. Darauf reagiert Buschheuer mit einem schnelleren Boot und einer Doppelstrategie. „Unser neues Schiff soll nicht in Malta liegen, sondern wie ein Notarzt mit kleinem Personal in Tunesien warten. Es soll einen kleinen Lagerraum haben für Rettungswesten. So wären spontane Aktionen möglich und die Einsatzkosten könnten gesenkt werden“, erklärt Buschheuer.

Schnellerer Zugriff ist nötig

Neun Wochen ist die Sea Eye nun draußen. Sie hat Erfolge zu verzeichnen. Aber jeden Toten empfindet die Crew als persönliche Niederlage. Wie nötig ein schnelles Patrouillenboot ist, zeigt für ihn dieser Fall: Ein Flugzeug hatte 350 Schiffbrüchige gesichtet. Die Menschen trieben auf dem Wasser. „Die Sea Eye war gebunden. Also fuhr die Sea Watch hin. Die Crew konnte nur noch Leichen bergen.“

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Zugriff mit 40 Knoten

  • Patrouille:

    Diese „Parker 16m Interceptor“ hat Michael Buschheuer als zweites Boot für die Organisation Sea Eye im Auge. Mit solchen Schiffen wird von der Küstenwache Patrouille gefahren oder es werden Mannschaften von Bohrtürmen versorgt. Das Boot ist für die härtesten Bedingungen auf See ausgelegt. Es ist 40 Knoten schnell.

  • Der Verein

    Sea-Eye e.V. ist im November 2015 durch das Finanzamt Regensburg als gemeinnützig anerkannt worden, alle Spenden sind daher steuerlich absetzbar.

  • Konto Sea-Eye e.V.:

  • IBAN: DE60 7509 0000 0000 0798 98

  • BIC: GENODEF1R01; Volksbank Regensburg Stichwort: „Sea-Eye“

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