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Samstag, 24. Februar 2018 2

Attraktion

Einblicke in eine versteckte Baustelle

Die Sanierung des Domkreuzgangs begann vor einem Jahr. Die Bauarbeiter genießen eine atemberaubende Aussicht auf Regensburg.
Von Heike Haala, MZ

Die Sanierung des Domkreuzgangs ist ein hartes Stück Arbeit. Foto: Haala

Regensburg.Der Vorarbeiter Gabor Feldwebel und seine beiden Kollegen von der Holzbau-Firma Hasl aus Bodenwöhr sind gestandene Mannsbilder. Dennoch brauchen sie all ihre Kraft, als sie einen Balken auf dem Dachstuhl des Domkreuzgangs mit ihren Stemmeisen in Position wuchten. Jedes Mal, wenn sie gegen das Holz schlagen, erschüttert das den gesamten Dachstuhl. Deswegen hat Bauamtsleiter Hans Weber auch die Gemälde an der Decke des Domkapitelhauses im Stockwerk darunter abnehmen lassen. Sie sollen keinen Schaden nehmen. Sind die Bauarbeiten beendet, werden die Leinwände auf neue Rahmen gespannt und wieder aufgehängt.

Die Statik ist dürftig

Seit einem Jahr läuft die Sanierung des Domkreuzgangs, einem der bedeutendsten Denkmäler Regensburgs. Wegen dieser Arbeiten ist er noch bis 2020 nicht öffentlich zugänglich. Die Gesamtkosten für das Bauprojekt liegen bei sieben Millionen Euro. Sie trägt der Freistaat Bayern. Weitere 400 000 Euro lässt sich das Domkapitel den barrierefreien Zugang zu der Attraktion, einen Steg über die Grabmäler und das neue Beleuchtungskonzept im Inneren des Gebäudes kosten.

Derzeit tauschen die Bauarbeiter marode Holzbalken im Dachstuhl ganz oder teilweise aus. Denn die Statik der altehrwürdigen Konstruktion ist inzwischen mehr als dürftig. Außerdem muss das Mauerwerk mit einer Drainage trockengelegt werden. Bis zum Sommer sollen diese Arbeiten beendet sein. Dann wird der Putz am Domkreuzgang erneuert und gestrichen. Im November werden die Baustelle und das Gerüst aus dem Domgarten verschwinden. Dann kann dieser Durchgang wieder als Traverse zwischen dem Domplatz und dem Donaumarkt genutzt werden.

Gebäudeteile des Domkreuzgangs

  • Bau:

    Im 12. Jahrhundert wurde der Domkreuzgang so umgebaut, wie wir ihn heute kennen. In der südlichen Mauer stecken noch Reste des früheren karolingischen Doms.

  • Mortuarium:

    In der weiten Halle zwischen den beiden Kreuzgangflügeln stehen Säulen und Apostelfiguren aus der Übergangszeit von der Spätgotik in die Renaissance.

  • Flügel des Kreuzgangs:

    Die heutige Erscheinung der beiden Kreuzgangflügel stammt von einer Umgestaltung in der Zeit zwischen 1410 und 1430.

  • Grabplatten:

    Der Domkreuzgang ist mit einer ganzen Reihe bemerkenswerter Grabplatten ausgestattet: zum Beispiel der des Domherrn und Generalvikars Petrus von Remago.

  • Allerheiligenkapelle:

    Sie gilt als bedeutender romanischer Zentralbau lombardischer Baumeister, die auch am Niedermünster tätig gewesen sein sollen.

  • Stephanskapelle:

    Der Bau wurde im Jahr 994 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Stephanskapelle grenzt im Norden direkt an die römische Stadtmauer an.

  • Domkapitelhaus:

    Das Gebäude wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Es ist über eine Treppe mit dem Kreuzgang verbunden. (Quelle: Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler)

Das eingepackte Römertor in Sichtweite

Wegen des milden Winters liegen die Arbeiten voll im Zeit- und Kostenplan, sagt Bauamtsleiter Weber. Deswegen gönnen sich der Vorarbeiter Feldwebel und seine Kollegen nun auch eine Brotzeit – vor einer atemberaubenden Kulisse. Bei Geselchtem, Brot und Cola lassen sie ihren Blick über die spektakuläre Dächerlandschaft des Domquartiers schweifen. Während ihrer Brotzeit auf einem der zahllosen Gerüstpodeste können sie auch kontrollieren, wie ihre Kollegen auf den Baustellen für das neue Museum am Donaumarkt oder an der Porta Praetoria vorankommen. Die Kräne am Donaumarkt spitzen über einem Dachgiebel hervor und auch das eingepackte Römertor befindet sich in Sichtweite. Ein Umstand, der glattweg den Stoff für eine neue Regensburger Baumeistersage à la Bruckmandl und Dombaumeister liefern könnte.

Bauoberrat Christian Brunner (l.) und Bauamtsleiter Hans Weber Foto: Haala

Die konkurrenzlose Aussicht zur Brotzeit haben die Bauarbeiter Bauamtsleiter Weber und Bauoberrat Christian Brunner zu verdanken. Die beiden mussten bei der Einrichtung der Baustelle viel Fingerspitzengefühl beweisen. Denn die Bedingungen in dem historischen Quartier sind beengt, die Bausubstanz archäologisch sensibel. Zwischen Bauhütte, Kathedrale und Kreuzgang gibt es wenig Spielraum für die Baustellenfahrzeuge, den Kran und ein Materiallager. Die Innenhöfe des Kreuzgangs sind zudem nicht nur zu klein für schwere Maschinen – die Fundstücke, die Archäologen unter dem Rasen vermuten, würden dieser Last auch nicht standhalten. Weiterhin schließt die Nordmauer des Kreuzgangs direkt an den Bischofshof und die Mauer des Römerkastells an.

Mehr Bilder finden Sie in unserer Fotostrecke:

Regensburg: Die Baustelle Domkreuzgang

Der Denkmalschutz verbot Verankerungen

Brunner und Weber entschieden sich deswegen für eine selbsttragende Gerüstkonstruktionen in den Innenhöfen des Kreuzgangs. Denn Verankerungen in das alte Gemäuer zu treiben, verbot der Denkmalschutz. Dadurch wuchs das Gerüst entsprechend in die Breite. Zahllose Stahlverstrebungen stabilisieren das Gerüst von außen und lassen die beiden Innenhöfe wie zwei weitere Kathedralen im Schatten des Domes wirken. Um Platz für Anpassungsarbeiten auf dem Dach oder ein Werkzeughäuschen zu schaffen, wurden die Podeste errichtet, auf denen die Bauarbeiter gerade Pause machen. Riesige Wassercontainer verleihen der Konstruktion durch ihr Gewicht die notwendige Stabilität. Wenn sie abgebaut werden, müssen Tausende Liter Wasser – ebenso wie das tonnenschwere Stahlgerüst – mit dem Kran aus den Innenhöfen gehoben werden. Die Container einfach im Innenhof auszuleeren, würde das neue Drainagesystem überfordern.

Von 2017 bis 2019 werden die Restauratoren ihre Arbeit aufnehmen. Sie widmen sich den Preziosen im Kreuzgang. Neben den bedeutenden Grabplatten und Apostelstatuen bedürfen auch die Stephans- und die Allerheiligenkapelle einer Sanierung.

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