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Literatur

Eine Glücks-Welle erfasst Regensburg

Vom Glücksschnitzel bis zur Glückspredigt: Überall in der Altstadt finden sich bald Spuren eines Romans von Steven Uhly.
Von Micha Matthes, MZ

Im Herz der Bücherwelt: Die erste Informationsveranstaltung der Aktion „Regensburg liest ein Buch“ fand in der Stadtbücherei statt.
Im Herz der Bücherwelt: Die erste Informationsveranstaltung der Aktion „Regensburg liest ein Buch“ fand in der Stadtbücherei statt. Foto: mt

Regensburg.Ab April finden Regensburger das Glück an allen Ecken der Altstadt. Die Schaufenster der Geschäfte zieren Zitate zum Thema Glück, gestaltet von einer Grafikdesignerin. Pfarrer predigen über den vielschichtigen Begriff, soziale Einrichtungen und Schulen diskutieren darüber. In den Cafés trinken die Regensburger Glückstee und essen Glückskekse, in Bäckereien und Metzgereien kaufen Kunden Glücks-Semmeln und Glücks-Schnitzel.

Bei der ersten Infoveranstaltung zu dem Projekt „Regensburg liest ein Buch“, besprachen Initiatoren und Interessierte am Donnerstag unterschiedlichste Vorschläge zu dem Roman „Glückskind“ von Steven Uhly. Manches davon ist im Moment noch reine Idee, einiges befindet sich bereits in Planung, vieles steht auch schon fest.

Mitarbeiter des Kulturreferats, des Stadtmarketings, von Pro Familia, des Evangelisches Bildungswerks, Vertreter von Schulen und aus den verschiedenen Kreativbranchen, Sponsoren, Künstler des Theaters Regensburg – und natürlich zahlreiche Mitstreiter aus der Buchbranche: Mehr als 60 Interessierte aus unterschiedlichsten Sparten sind in die Stadtbücherei gekommen.

Im Herz der Bücherwelt: Die erste Informationsveranstaltung der Aktion „Regensburg liest ein Buch“ fand in der Stadtbücherei statt.
Im Herz der Bücherwelt: Die erste Informationsveranstaltung der Aktion „Regensburg liest ein Buch“ fand in der Stadtbücherei statt. Foto: mt

Die Autorin Carola Kupfer und der Regensburger Buchhändler Ulrich Dombrowsky stellen die wichtigsten Eckpfeiler des für Regensburg einzigartigen Leseprojekts vor: Unter anderem wird nach einer großen Auftaktveranstaltung im MZ-Verlagsgebäude am 28. April unsere Zeitung – wie früher beim sogenannten Fortsetzungsroman – die ersten Seiten des Buches abdrucken, am 3. Mai folgt eine Mammut-Lesung in der Stadtbücherei, bei der Promis den Rest des Buches im 20-Minuten-Takt vorlesen werden.

Ideen sprudeln aus Zuhörern hervor

Bei der anschließenden Fragerunde sprudeln am Donnerstag die Ideen dann nur so aus dem Publikum hervor. Einen Glückstee, ein Glückseis oder eine Glückssemmel: Alle Altstadtkaufleute könnten ein Glücksprodukt kreieren, schlägt der Kalligraph Hans Maierhofer vor. Eine Reiseveranstalterin liebäugelt ohnehin schon mit der Idee, eine Glücksreise – inklusive der richtigen Reiselektüre von Steven Uhly – anzubieten. Wenn wir ein Fahrradgeschäft hätten, würden wir jetzt eine Edition „Glücksrad“ auflegen, witzelt ein Geschäftsmann. Selbstverständlich werde er seine Geschäftsräume für die Aktion zur Verfügung stellen. „Ich werde bei der Pfarrkonferenz vorschlagen, dass die Pfarrer das Thema auch in ihre Predigten aufnehmen“, sagt Carsten Lenk, Leiter des Evangelischen Bildungswerks.

Geplante Veranstaltungen

  • Als Medienpartner

    wird unsere Zeitung das Projekt vier Monate lang begleiten. Im Verlagsgebäude wird am 28. April um 19.30 Uhr die Kick-Off-Veranstaltung zu der Aktion „Regensburg liest ein Buch“ stattfinden.

  • In den nachfolgenden

    fünf Ausgaben der MZ beginnt ein Vorabdruck mit den ersten Kapiteln von Glückskind, um die Stadtgesellschaft neugierig auf das Buch zu machen.

  • Den Rest der Geschichte

    gibt es am 3. Mai bei einer Mammut-Lesung in der Stadtbücherei zu hören. Dann geht es genau an der Stelle weiter, an der der Text in der MZ geendet hat. Bis in den späten Abend lesen Promis und Schriftsteller im 20-Minuten-Rhythmus Uhlys Buch bis zum letzten Wort vor.

  • Bis August

    haben die Initiatoren zahlreiche Workshops und Wettbewerbe, Vorträge, Poetry-Slams und Lesungen an ungewöhnlichen Orten geplant.

  • Organisatorisch getragen

    wird das Projekt von der Stadtbücherei , den Buchhandlungen Bücherwurm, Dombrowsky und Bücher Pustet sowie der Autorin Carola Kupfer. Mehrere Sponsoren wurden bereits gewonnen, zwei Verlage unterstützen ebenfalls.

  • Der Autor Steven Uhly

    hat seine Bereitschaft erklärt, zu verschiedenen Lesungen nach Regensburg zu kommen.

  • Außerdem ist beabsichtigt,

    die Verfilmung im Regina-Kino zu zeigen. Zu einem Werkstattgespräch im Anschluss an eine der Vorführungen sollen Regisseur und Hauptdarsteller anreisen.

Jeder kann noch aufspringen

Die sieben Leser der ersten Stunde: Elisabeth Mair-Gummermann (v. l. n. r.), Ulrich Dombrowsky, Johanna Röhrl, Carola Kupfer, Christine Lehner, Susanne Borst und Karin Martin initiierten das Projekt.
Die sieben Leser der ersten Stunde: Elisabeth Mair-Gummermann (v. l. n. r.), Ulrich Dombrowsky, Johanna Röhrl, Carola Kupfer, Christine Lehner, Susanne Borst und Karin Martin initiierten das Projekt. Foto: Dr. Michael Koob

Vom Müllmann bis zum Bürgermeister, vom Szene-Wirt bis zum Pfarrer: Der Sender TVA lässt unterschiedlichste Regensburger jeden Tag eine Minute aus dem Buch im Fernsehen lesen. Auch Künstler wie die Tänzerin Kilta Rainprechter melden sich zu Wort: „Wir haben tausend Ideen zu dem Thema im Kopf. Aber wir leben auch davon. Gibt es ein Budget dafür, wenn wir etwas für das Projekt kreieren?“ Eine andere Zuhörerin geht sofort darauf ein: „Ich heiße Jana Brühl, arbeite als Kulturberaterin für das Kulturamt und stehe genau für solche Fragen offen.“ Und zwei Musiker schließen sich an: „Wir haben vor drei Monaten das Queensland in der Keplerstraße eröffnet und würden den Raum kostenfrei zur Verfügung stellen. Außerdem werden wir uns ebenfalls etwas zu dem Thema überlegen.“ Und sofort sind wieder neue Verbindungen geknüpft. Viele Teilnehmer halten ihre Ideen auch auf verteilten Projektzetteln fest.

Im Herz der Bücherwelt: Die erste Informationsveranstaltung der Aktion „Regensburg liest ein Buch“ fand in der Stadtbücherei statt.
Im Herz der Bücherwelt: Die erste Informationsveranstaltung der Aktion „Regensburg liest ein Buch“ fand in der Stadtbücherei statt. Foto: mt

Das Projekt nimmt also immer mehr Gestalt an. Seit kurzem gibt es eine eigene Facebook-Seite. Außerdem steht unterdessen auch das Erscheinungsbild für das Projekt – eine blaue Grafik mit dem weißen Schriftzug „Regensburg liest ein Buch“ und angedeutetem Lesezeichen – fest. Es wird allen Beteiligten für Flyer und Plakate zur Verfügung gestellt. So werden auf den ersten Blick alle Teil dieser vielseitigen Regensburger Aktion. „Wir sind innerhalb kürzester Zeit so groß geworden, dass wir jetzt den Verein ,Regensburg liest‘ gegründet haben“, sagt Kupfer. Die Organisation soll auch für Nachfolge-Formate genutzt werden. „Wir sehen uns als Geburtshelfer, werden dieses Projekt aber irgendwann auch freigeben“, sagt Dombrowsky.

Die sieben Initiatoren stünden als Ansprechpartner zur Verfügung, zur Beratung und um Kontakte zu knüpfen, sagt Kupfer. „Das wird eine Welle. Wer Ideen hat, kann jederzeit noch aufspringen.“

Regensburg liest ein Buch

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