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Gestaltung

Eine Oase für das Obermünsterviertel

Hochbeete und Tango unter freiem Himmel – die Stadtteil-Veranda in Regensburg entsteht am 5. Mai. Dafür weichen Parkplätze.
Von Heike Haala, MZ

Wo im Moment noch Autos parken, wird ab dem 5. Mai eine „Grüne Oase“ entstehen. Am 9. Mai ist die Einweihungsfeier.
Wo im Moment noch Autos parken, wird ab dem 5. Mai eine „Grüne Oase“ entstehen. Am 9. Mai ist die Einweihungsfeier. Foto: Haala

Regensburg.Die Anhänger des Transition-Town-Ablegers in Regensburg sehen ihre Aufgabe im „Bereitstellen einer Plattform für die Gesellschaft“. Dem werden sie nun auch im Wortsinn gerecht. Denn ab dem 5. Mai werden sie in der Obermünsterstraße ein etwa 50 Quadratmeter großes Podest errichten, auf dem sich die Regensburger vergnügen können.

Dieses Vorhaben lediglich als „Plattform“ oder „Podest“ zu betiteln, würde aber zu kurz greifen. Die Transitioner bezeichnen es deswegen als „Grüne Oase“, es soll eine Art Veranda für die Bewohner des Obermünsterviertels entstehen, für die Regensburger und ihre Gäste. Klaus Burkard, er ist Transitioner und mit dem Projekt betraut, sieht auf dieser Plattform bereits Kinder spielen, Geschäftsleute in ihrer Mittagspause entspannen und Beete erblühen. Ebenso kann er sich Konzerte oder Tangotanz unter freiem Himmel auf den Planken der „Grünen Oase“ vorstellen.

Einweihungsparty am 9. Mai

Für das Projekt werden die Bürger zunächst bis Oktober und bei einer Verlängerung auch bis 2017 auf fünf Parkplätze am westlichen Ende der Obermünsterstraße verzichten müssen. Denn dort ist die Stadtteil-Veranda geplant. Aufgebaut wird sie ab dem 5. Mai, große Einweihungsparty ist am 9. Mai.

Möglich macht dies laut Dagmar Obermeier-Kundel, Pressesprecherin der Stadt, ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2009. Damals wurde die Aufwertung des Obermünsterviertels mit Hilfe des Bund-Länder-Städtebauprogramms „Aktive Zentren“ beschlossen. Der Maßnahmenkatalog sieht auch eine temporäre Aufenthaltsfläche in dem Viertel vor. Durch ein Sondernutzungsrecht, das die Stadt den Projektbetreuern erteilte, dürfen diese die „Grüne Oase“ auf den Parkplätzen bauen.

Für den Wegfall dieser Parkplätze stellt Burkard den Bürgern einiges in Aussicht. Die beiden Fronten der Veranda, die zur Obermünsterstraße zeigen, werden nämlich mit einer speziellen Brüstung ausgestattet. Das sind zwölf Holzmodule von 80 Zentimetern Breite und 100 Zentimetern bzw. 200 Zentimetern Länge. Für diese Module haben Interessenten Patenschaften übernommen. Die Paten werden die Module in Eigenregie bespielen. So haben beispielsweise die Piraten-Stadträtin Tina Lorenz und die Kreisverbandsvorsitzende der Grünen, Judith Werner, zusammen die Patenschaft für ein Pflanzmodul übernommen, das sie in ein Hochbeet verwandeln werden. Lorenz möchte in dem Modul Blumen oder Nutzpflanzen anbauen.

Wurmkiste und Biotonne

So soll die neue Veranda aussehen.
So soll die neue Veranda aussehen.

Ein weiteres Team wird in einem der Module eine öffentliche Biotonne zur Verfügung stellen, die alle Passanten nutzen können. Auch eine Wurmkiste zum Kompostieren ist vorgesehen – sie soll geruchsneutral sein. Außerdem werden die Lebensmittelretter unter den Transition-Anhängern ein Modul als „Fair-Teiler“ nutzen. Dort können 24 Stunden am Tag gerettete Lebensmittel abgeholt und abgegeben werden.

Das Gartenamt wird laut Burkard drei Wassertonnen, die entlang des Bürgersteigs stehen, einmal in der Woche mit insgesamt bis zu 1800 Litern Wasser befüllen, damit die Betreuer ihre Beete gießen können. Außerdem ist ein Designer angefragt, ob er Sitzgelegenheiten für die Plattform gestalten könnte. Zugänglich wird die Plattform über eine Rampe sein.

„Ich bin gespannt, wie das angenommen wird“, sagt Lorenz. Immerhin ist die Obermünsterstraße auch die Einfallschneise der Passanten, die die Partymeile ansteuern. Lorenz erinnert daran, wie wenig zimperlich diese mit dem Grün der Stadt an anderer Stelle umgehen. Sie vermutet, dass hier „Begegnungsarbeit“ geleistet werden muss.

Ein Eck für marokkanische Minze

Burkard aber ist optimistisch. Als Transitioner erinnert er an die drei öffentlichen Gemüsegärten, die die Anhänger beim Evangelischen Bildungswerk, Am roten Herzfleck oder an der Protzenweiherbrücke betreuen. „Klar, sammeln wir dort auch die eine oder andere Bierflasche aus den Beeten“, sagt er, aber das würde er in Kauf nehmen. Die Module mit den Wassertonnen, mit der Biotonne, die Wurmkiste oder den Fair-Teiler aber wird er sicherheitshalber trotzdem mit Schlössern versehen, deren Zahlenkombi alle Interessenten erhalten.

Die Reaktionen, die Burkard für das neue Transition-Projekt im Viertel bekommt, sind eindeutig. Eine Passantin sagt ihm, dass sie es schon gar nicht mehr erwarten kann, bis die „Grüne Oase“ endlich aufgestellt wird. Samir Zeddug betreibt in der Nachbarschaft der zukünftigen Oase den Geschenkeladen „Oriental Bavaria“ und wünscht sich ohnehin, dass die „Grüne Oase“ viel größere Ausmaße annimmt, als jetzt mit den knapp 50 Quadratmetern Fläche vorgesehen sind. Ein weiterer Passant will sich spontan an einem der Module der Oase beteiligen: „Lasst mir bloß ein kleines Eck für meine marokkanische Minze über“, ruft er Burkard zu.

Transition Town in Regensburg

  • Die Entstehung:

    Die weltweite Bürgerbewegung entstand 2006 in Totnes (England) unter der Ägide von Rob Hopkins. Inzwischen gibt es 1107 Initiativen weltweit in 43 Ländern. 113 Initiativen sind in Deutschland aktiv. Die erste war 2009 in Bielefeld. Der Regensburger Ableger gründete sich 2012. Transition Regensburg wurde im Mai 2012 gegründet, es gibt 86 Vereinsmitglieder, 150 aktive Mitbürger und verschiedene Gruppen, die in ihren Themenfeldern aktiv sind.

  • Projekt:

    Das Jahresprojekt für 2015 ist die „Grüne Oase“, die ab dem 5. Mai in der Obermünsterstraße gebaut werden soll. Die Einweihungsparty steigt wenige Tage später, am 9. Mai.

  • Aktivitäten:

    Die Gartengruppe betreut drei Gemeinschaftsgärten an der Protzenweiherbrücke, beim EBW und am roten Herzfleck, die Wechselweltgruppe betreibt den Umsonstladen in der Steckgasse, in der „Küche für Alle“ werden sonntags, ab 15 Uhr im Lederer, gerettete Lebensmittel zu Mahlzeiten zubereitet.

  • Gesellschaft:

    Zudem gibt es eine Upcyclingruppe, eine Strickgruppe und die Lebensmittelretter. In der „Food Coop“ organisieren die Transitioner regionale und saisonale Lebensmittel. Die Partnergruppe „Um die Ecke“ vermittelt Sprach-Tandems. In der Technologiegruppe werden das „Repair-Café“ und das „Bikesharing“ betreut. Zudem gibt es die „Herz-und-Seele-Gruppe“.

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