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Mobilität

Erstes E-Taxi rollt durch Regensburg

Der Tesla zieht die Blicke auf sich. Das passt dazu, dass die Domstadt Vorreiter in Sachen Elektromobilität werden will.
Von Norbert Lösch, MZ

Werner Koller mit dem E-Taxi-Boliden am Kornmarkt: „Das Auto ist der Hammer. Viele Kunden wollen nur noch mit ihm fahren.“
Werner Koller mit dem E-Taxi-Boliden am Kornmarkt: „Das Auto ist der Hammer. Viele Kunden wollen nur noch mit ihm fahren.“ Foto: Lösch

Regensburg.Für Taxi-Unternehmer Horst Schatz ist der Traum aller Autofahrer wahr geworden: fahren, wie lange und wohin man will, ohne auch nur einen Cent für Treibstoff auszugeben. Und Schatz ist gewissermaßen ein Pionier: Sein Tesla S85 ist das erste und einzige Taxi, das ausschließlich von Strom angetrieben durch Regensburgs Straßen rollt. Mit satten 367 PS unter der Haube, die in diesem Fall keinen Motor drunter hat, sondern einen weiteren Kofferraum. Die Power kommt aus Unterflur-Akkus, die vollgeladen für eine Reichweite von immerhin rund 400 Kilometern sorgen.

Horst Schatz und sein Fahrer Werner Koller sind nach vier Monaten und 45 000 Kilometern ziemlich begeistert von dem sportlich aussehenden Coupé, das schon mal mit einem Jaguar oder Maserati verwechselt wird. Die Fahrgäste sind ebenfalls sehr angetan: „Viele unserer Kunden fragen mittlerweile gezielt, ob sie wieder im Elektroauto mitfahren dürfen.“ Sie genießen offenbar ein bislang ungekanntes Fahrgefühl, das Schatz so beschreibt: „Der Wagen ist extrem leise, er gleitet fast lautlos dahin, es gibt keine Schaltvorgänge. Es ist ein schöneres Fahren, weil alles geschmeidiger vonstatten geht.“

Nur kurze Ladepausen

Acht dieser speziellen Ladesäulen hat Tesla am Euro-Rastpark in der Junkersstraße installiert.
Acht dieser speziellen Ladesäulen hat Tesla am Euro-Rastpark in der Junkersstraße installiert. Foto: Tesla Motors

Der Tesla ist täglich rund 20 Stunden im Einsatz. Horst Schatz nutzt ihn nachts, Werner Koller ist in der Tagschicht damit unterwegs. Beim Wechsel, also nur morgens und abends, gibt es Ladepausen: an einer der Säulen, die der Hersteller Tesla am Euro-Rastpark in der Junkersstraße installieren ließ. Nach weniger als einer Stunde ist das Fahrzeug wieder fit für die nächste Schicht. Und das Beste: Der Treibstoff aus dem Kabel ist völlig kostenlos. Denn mit der Anschaffung haben Tesla-Besitzer das Recht erworben, die Schnellladestationen – sogenannte Supercharger – unbegrenzt zu nutzen.

Bei der Laufleistung eines Taxis von 80 000 bis 100 000 Kilometern pro Jahr ergibt sich ein beträchtliches Sparpotenzial. Dem stehen allerdings Anschaffungskosten von mehr als 80 000 Euro gegenüber. „Zusammen mit einer achtjährigen Garantie auf Batterien und Antrieb, der Steuerbefreiung wegen fehlender Abgase und geringen Wartungskosten kann sich das trotzdem rechnen“, sagt Taxiunternehmer Horst Schatz. Dazu kommt der Werbeeffekt durch den auffälligen Wagen, den sich bald auch die Rewag zunutze machen will. Denn, so Schatz: „Wir erregen damit ziemliches Aufsehen in der Stadt.“ Tatsächlich wird der Tesla mit der Taxi-Leuchte neugierig begutachtet, wo immer er steht.

Bei weitem nicht so euphorisch sieht Georg Stich, der Vorsitzende der Regensburger Taxigenossenschaft, die Chancen für Elektrofahrzeuge in seinem Metier. Ein Tesla im Einsatz sei zwar durchaus spektakulär, aber bei weitem nicht für jeden Unternehmer erschwinglich. Und die Mittelklasse-Autos anderer Hersteller seien dem harten Alltag als Taxi nicht gewachsen.

„Die sind noch nicht reif für solche Einsätze, damit komm’ ich vielleicht nach München, aber nicht mehr zurück“, verweist er auf das Manko der geringen Reichweiten. Zudem sei das Netz der Ladestationen noch lange nicht ausgereift und dicht genug für den Taxi-Betrieb. „Reine Elektroautos werden sich so schnell nicht durchsetzen, weil sie noch nicht praxistauglich sind“, glaubt Stich. Dabei gibt es durchaus ein Potenzial: In Regensburg laufen nach seinen Angaben rund 200 Taxis.

Zukunftsthema Elektromobilität

Gerade in Regensburg wird an diesen Problemstellungen aber intensiv gearbeitet. Zum Beispiel im sogenannten Elektromobilitätscluster. Dieses Netzwerk aus Stadt, Hochschulen, Autozulieferern wie Continental und rund 40 weiteren Unternehmen wurde 2011 gegründet und verfolgt das Ziel, die regionale Kompetenz im Bereich der Elektromobilität branchenübergreifend zu bündeln und den Standort Regensburg in diesem Zukunftsthema zu positionieren.

Die Projekte des E-Mobilitätsclusters befassen sich zum Beispiel mit den Schwerpunkten E-Fahrzeug, Antriebsstrang, Ladetechnik oder vernetzte Mobilität. „Themen, die für den Wirtschaftsraum Regensburg in Zukunft eine immer größere Rolle spielen werden. Der Cluster hat sich zum Ziel gesetzt, Regensburg zum führenden E-Mobilitätsstandort in Bayern auszubauen“, sagt Clustermanager Uwe Pfeil. Projektleiterin Beatrice Mutu berichtet gegenüber der MZ von einem weiteren zukunftsweisenden Forschungsprojekt. Dabei geht es um induktives Laden, also um das Aufladen von E-Auto-Akkus mittels Induktionsschleifen. Diese können sogar in den Asphalt eingebaut werden und so während der Fahrt für Ladestrom sorgen.

E-Mobilität wird gefördert

  • Privilegien:

    Neue Privilegien sollen in Deutschland mehr Elektroautos auf die Straße bringen. Dieses Ziel verfolgt das Elektromobilitätsgesetz, das der Bundestag erst im März dieses Jahres verabschiedet hat. Den Städten und Gemeinden wird damit das Recht eingeräumt, kostenlose Parkplätze für Elektroautos zu reservieren und ihnen die Nutzung von Busspuren zu erlauben. Dazu verpflichtet sind sie aber nicht.

  • Zahl:

    Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridmotoren gelten als umweltfreundliche Alternative zum Auto mit Verbrennungsmotor. Bis zum Jahr 2020 sollen eine Million E-Autos über deutsche Straßen rollen. Bislang sind es rund 125 000.

  • Handicaps:

    Noch immer stehen den Plänen jedoch hohe Anschaffungskosten, geringe Reichweiten und eine kaum ausgebaute Infrastruktur zum Wiederaufladen im Weg.

  • Umwelt:

    Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt Initiativen zur Förderung der Elektromobilität grundsätzlich. Beim Ladestrom sollte allerdings regenerativ erzeugte Energie den Vorzug bekommen, und „in keinem Fall darf eine Bevorrechtigung von Elektroautos dazu führen, dass Flächen, Straßen oder Wege für den Individualverkehr freigegeben werden, für den sie vorher gesperrt waren“. Das sollte insbesondere für Busspuren gelten.

Während das noch Zukunftsmusik ist, sind die Stadt und der Energieversorger Rewag aktuell schon auf vielen Feldern aktiv, um die E-Mobilität zu (be)fördern. Elektroautos erobern den städtischen Fuhrpark, der Versuch mit dem Elektro-Altstadtbus scheint vielversprechend zu sein, und per Ausschreibung sucht die Stadt einen Verleiher für E-Bikes.

Rewag baut Ladeinfrastruktur aus

Derweil arbeitet die Rewag am Ausbau der Ladeinfrastruktur in der Region: Bis Ende des Jahres 2015 sollen elf öffentliche Ladestationen entstehen, bis Ende 2016 mindestens noch einmal so viele. Die Stadt und der Landkreis kooperieren hier eng, zum Beispiel auch über die Energieagentur, und wollen eine Vorbildrolle im bayerischen Vergleich übernehmen.

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