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Mobilität

Experte: Gleis-Dach ist geniale Idee

Eine Überbauung des Regensburger Hauptbahnhofs mit einem Busterminal ist teuer und anspruchsvoll. Trotzdem sind viele dafür.
Von Julia Ried, MZ

Auf einem Dach über den Gleisen zwischen Galgenbergbrücke und dem Steg zu den Arcaden könnte ein Busbahnhof entstehen.
Auf einem Dach über den Gleisen zwischen Galgenbergbrücke und dem Steg zu den Arcaden könnte ein Busbahnhof entstehen. Foto: Ried

Regensburg.Ein zentrales Busterminal auf einer Plattform über dem Bahnhof – diese Idee hatte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs kurz vor Jahresende ins Spiel gebracht. Für ihn und Planungsreferentin Christine Schimpfermann ist sie eine Option, die mittel- bis langfristig realisiert werden könne, falls sie sich im Planungsprozess für RKK und Zentralen Busbahnhof als umsetzbar herausstellt. Dass eine Realisierung aufwendig und teuer wäre, sagt auch Verkehrsplaner Robert Wittek-Brix. Doch prinzipiell hält er sie für möglich und sehr sinnvoll. „Das Potenzial für eine epochale Verkehrslösung ist in Regensburg gegeben“, sagt der Heidelberger, der die Interessengemeinschaft Historische Straßenbahn berät und daher die Domstadt kennt.

In einer Stadt wie Regensburg, in deren Innenstadt der Platz so knapp ist, über eine Nutzung des Raums über den Bahngleisen nachzudenken, hält er grundsätzlich für eine „geniale Idee“ – auch wenn sie sich nicht aufdränge. Er erklärt: „Dort, wo die Hauptbahnhöfe tiefer liegen, bietet sich so etwas natürlich auf den ersten Blick an.“ Hier ist das nicht der Fall, weshalb Wittek-Brix ergänzt: „Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe und eine, die nicht ganz billig ist. Aber wenn der Problemdruck hoch genug ist, kann es eine Lösung sein.“ Technisch machbar sei sie und für den Zweck, Fern- und Nahverkehr zu verknüpfen, eigne sie sich ideal.

Forum brachte Idee aufs Tapet

Das sagt auch Bernd Heinrich von den Eisenbahnfreunden. „Ich finde, es ist eine sehr gute Idee, weil es eine einzigartige Lösung ist, den Schienen- und den Nahverkehr zu bündeln.“ Walter Cerull von Forum Regensburg, eine Bürgerinitiative für Stadtentwicklung, Denkmalschutz und Umweltplanung, hält eine Verkehrsdrehscheibe über dem Bahnhof auch deshalb für die beste Variante. Das Forum habe die bereits in den 60er-Jahren in Regensburg diskutierte Idee einer Bahnhofsüberbauung – damals war sie zur Angliederung der Flächen südlich der Bahn an die Altstadt angedacht – deshalb im Herbst dem Oberbürgermeister vorgeschlagen. Er traf ihn im Umweltforum, einem Gremium, das die Stadt berät. „Ich war sehr überrascht, dass er das aufgenommen hat.“ Für einen „Deckel“ spricht aus seiner Sicht auch, dass ein Busterminal so aus dem „Stadteingang“ vor dem Bahnhof verschwindet. „Busbahnhöfe sind nie schön.“

Innovative ÖPNV-Lösungen

  • Neu-Ulm:

    Im Zuge der ICE-Neu- und Ausbaustrecke Stuttgart – Augsburg wurden die Bahnanlagen von 2003 bis 2008 von 16 auf vier Gleise reduziert und teilweise tiefergelegt. Auf dem Trogbauwerk (Foto: Stadt Neu-Ulm) entstanden der Zentrale Umsteigepunkt für den ÖPNV und ein Parkplatz.

  • Chur:

    Im schweizerischen Chur liegt die Station des Busbetriebs Postauto (Foto: Postauto) über dem Hauptbahnhof. Der von 1989 bis 1992 gebaute Busbahnhof kostete inklusive der zwei angegliederten Gebäude 25 Millionen Schweizer Franken. Das entspräche heute 23,4 Millionen Euro.

  • Kassel:

    Die ÖPNV-Anlage auf dem Bahnhof im westlichen Stadtteil Kassel-Wilhelmshöhe (Foto: dpa) bauten Stadt, lokale Verkehrsgesellschaft und Bahn bis 1990 für circa zehn Millionen DM. Im Preis enthalten war neben dem Bauwerk über den Gleisen auch die Infrastruktur für die Straßenbahn.

  • Freiburg:

    Die Stadt entschied sich vor Jahrzehnten für den Bau einer Straßenbahnbrücke (Foto: Andreas Schwarzkopf) über die Gleise am Hauptbahnhof. So konnte sie ab 1983 die westlichen Teile der wachsenden Stadt ohne zusätzlichen Platzverbrauch an das Stadtbahnnetz anschließen.

Wittek-Brix, der als Entwicklungsingenieur bei der Verkehrsberatungs- und Betreibergesellschaft Lightrail Transit Enterprises tätig ist, nennt zwei Möglichkeiten, ein Busterminal über einem Bahnhof zu installieren: Entweder die Gleise werden vorher tiefergelegt oder gleich überbaut.

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Von der Stadt heißt es: Ein Busterminal über den Gleisen am Hauptbahnhof wäre, wenn überhaupt, nur mittel- bis langfristig umsetzbar. „Das ist eine Perspektive,...

Ulm und Kassel sind Beispiele

Die erste Variante wurde etwa bis 2008 im Rahmen eines groß angelegten Bahnhof-Umbaus für insgesamt 160 Millionen Euro in Neu-Ulm umgesetzt. In Kassel-Wilhelmshöhe lagen die Gleise schon tiefer, als in den 80ern der Fernbahnhof gebaut wurde; 1990 wurde das für zehn Millionen DM errichtete Straßenbahn- und Busterminal darüber fertig. Würde sich Regensburg für eine Überdachung der Gleise entscheiden, sei die Herausforderung an die Planer aber größer als etwa in Kassel, sagt Wittek-Brix. Schließlich dürfe die Altstadt-Silhouette nicht beeinträchtigt werden. „Hier handelt es sich um einen sensiblen Bereich. Das ist ein Stadteingang.“

Über dem bis 2008 umgebauten Hauptbahnhof Neu-Ulm befinden sich ein Zentraler Umsteigepunkt und eine Park-und-Ride-Anlage. Foto: Stadt Neu-Ulm
Über dem bis 2008 umgebauten Hauptbahnhof Neu-Ulm befinden sich ein Zentraler Umsteigepunkt und eine Park-und-Ride-Anlage. Foto: Stadt Neu-Ulm

Ob sich die Idee verwirklichen lasse, stehe und falle mit der Haltung der Deutschen Bahn dazu. Stimme sie zu, müsse die Stadt damit rechnen, dass sie sich das bezahlen lässt. Andererseits könne Regensburg möglicherweise Zuschüsse für den Busbahnhof in Anspruch nehmen. Und entscheide sich die Stadt dafür, das Gleisdach bebauen zu lassen, könne privates Kapital bei der Finanzierung helfen.

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