MyMz
Anzeige

Festspiele: Ausfall des „Tigers“ schmerzt

Für Veranstalter Söll war das Regensburger Kultur-Event so, wie es sein sollte. 2015 kamen viele junge Gäste in das Schloss.
Von Heike Haala, MZ

  • Mit Giacomo Puccinis Oper „La Bohéme“ begannen die zehn Tage Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele in diesem Jahr. Fotos: altrofoto.de
  • Die Gäste nehmen das Festspielrestaurant im Pagodenzelt gut an.

Regensburg.Der Juli 2015 könnte Reinhard Söll, dem Veranstalter der Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele, auch als ein Monat im Gedächtnis bleiben, während dem er in zwei Wochen acht Opernvorstellungen besucht hat: Neben zwei Ausgaben „La Bohème“, dem Konzert mit Placido Domingo und der Operngala zum Abschluss der Schlossfestspiele wird er in den kommenden Tage vier Aufführungen auf dem Grünen Hügel in Bayreuth sehen. Den Ticket-Kauf bezeichnet er nach zehn Tagen Festspielen unter seiner Ägide „fast als ein bisschen leichtsinnig“. Er rechnet vor, was ihm bei Wagners „Der Ring des Nibelungen“ nun auch bevorsteht: 18 Stunden Oper, sechs Stunden Pause, 16 Stunden Fahrt und die unbequemen Bayreuther Sitze.

Abgesehen von den Zweifeln an dieser Anschaffung zeigt Söll sich am Tag nach den Schlossfestspielen aber absolut zufrieden. Zwei Entwicklungen des Kultur-Events, für das er in diesem Jahr bis zu 30 000 Tickets verkaufte, hat er in den vergangenen Tagen festgestellt: Das Altersspektrum der Gäste beginnt inzwischen schon bei 25 Jahren. Obwohl die jungen Erwachsenen sich also preiswertere Tickets für die gleichen Konzerte etwa beim Tollwood-Festival in München besorgen könnten, zieht es sie ins Schloss. Die Festspiele sind in Sölls Augen zudem inzwischen fest mit der Stadt verbunden. Beim Konzert von Steffi Denk, Gerwin Eisenhauer & Co., die Songs des Pink-Floyd-Albums „The Wall“ präsentierten, hätten die Regensburger einmal mehr festgestellt, dass es „ihre Schlossfestspiele“ sind.

Für den Chef bei Odeon-Concerte konsolidiert sich das Festival 2015 weiter. Mit Gästen wie Placido Domingo, Xavier Naidoo oder Elton John im vergangenen Jahr gelingt es inzwischen regelmäßig, „dicke Namen“ nach Regensburg zu holen, wodurch die Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele auch in Städten wie Hamburg ein Begriff geworden sind.

Keine Probleme mit dem Wetter

Bestätigt sieht Söll sich am Montag auch in seinem Umgang mit Unwetterwarnungen – davon lässt er sich nicht mehr stressen: Sowohl bei der Premiere als auch beim Domingo-Konzert waren schwere Unwetter vorausgesagt. Zwar blies an diesen Abenden der Wind durch den Park und den Schlosshof, als die Aufführungen aber begannen, drohte keine Gefahr mehr. An den restlichen Abenden spielte das Wetter ohne Macken mit.

Keine schöne Sache für Söll war allerdings der Ausfall des Tom-Jones-Konzerts. Der britische Sänger hatte sich vergangene Woche eine Erkrankung der oberen Atemwege zugezogen und musste seinen Auftritt im Schloss, Petersweg, deswegen absagen. „Das war Stress“, sagt Söll und erinnert sich daran, wie überraschend die Nachricht für ihn kam. Zwar hatte er die Konzerte des Tigers im Blick und durch seine Agentur mitgeteilt bekommen, dass der ein Konzert in Saint Tropez zwei Tage vor dem im Schloss gesundheitsbedingt gecancelt hatte – der Regensburger Auftritt aber schien nicht in Gefahr. Als am Mittwoch die Roadies und die Laster mit der Ausstattung des britischen Superstars im Schloss anrollten, war Söll beruhigt. Dann, mitten in den Vorbereitungen für den Auftritt von Placido Domingo, erreichte ihn die Hiobsbotschaft: Tom Jones war nochmal beim Arzt und muss absagen.

Risiko für Veranstalter

  • Wetter:

    Der schlimmste Feind für Open-Air-Veranstaltungen sind nach der Auffassung von Reinhard Söll, dem Veranstalter der Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele, Gewitter. Ob das Publikum Regen oder Wind während eines Konzerts in Kauf nehme, hänge von der Darbietung auf der Bühne ab. Gewitter aber sind richtig gefährlich.

  • Absagen:

    Dass gebuchte Künstler einen Auftritt kurz davor absagen, stehe bei Veranstaltungen wie den Schlossfestspielen ebenfalls stets im Raum.

  • Situation in Regensburg:

    Söll sagt, dass er vor Ausfällen dieser Art bisher weitestgehend verschont geblieben ist: „Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen hatten wir viel Glück.“ (la)

Zehn Mitarbeiter stellte Söll dafür ab, um die Kunden anzurufen, die ihr Ticket direkt bei Odeon-Concerte gebucht hatten. „Bei den restlichen 15 Prozent, die ihr Ticket am Vorverkaufsschalter geholt hatten, musste ich darauf hoffen, dass sie es noch rechtzeitig in der Presse lesen“, sagt der Festspiel-Chef. Am Donnerstagabend waren es dann aber lediglich wenige Gäste, die erst am Einlass erfuhren, dass das Konzert abgesagt ist.

Auch Stephanie Birnthaler wird das ausgefallene Konzert in den kommenden Tagen noch beschäftigen. Sie betrieb während der zehn Tage Festspiele zusammen mit ihrem Mann Peter das Festspielrestaurant, die Bar unter den Arkaden und die Lounge. Birnthaler und ihre Mitarbeiter sind in diesen Tagen damit beschäftigt, die Menüs rückzubuchen, die für den ausgefallenen Abend reserviert waren. „Aber das war der einzige Rückschlag“, sagt sie. Von ihrem Treffen mit dem Opernstar Placido Domingo schwärmt sie dagegen: Der hat sich nach seinem Auftritt noch im Zelt gezeigt. Domingo sei ein sehr herzlicher und angenehmer Mensch.

Birnthaler: „Konzept ist schlüssig“

Am Montag ist sie zwar müde, aber sehr glücklich. Unter der Ägide der Birnthalers kümmerte sich jeden Konzertabend ein 60-köpfiges Team um die Festival-Besucher. Das Festspielrestaurant werde von der Kundschaft hervorragend angenommen. Die 300 Plätze im Pagodenzelt mit Blick auf den Park waren jeden Tag gut gebucht, sagt Birnthaler. Die Gäste hätten ihr dafür viel positive Rückmeldung gegeben. Auch die Idee, die zwei Bars in diesem Jahr erstmals zu einer zentralen unter den Arkaden zusammenzulegen, habe prima funktioniert. Birnthaler bestätigt die Einschätzung Sölls, der sagt, dass die Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele drei erfolgreiche Jahre erlebt haben: „Unser Konzept kommt an und ist schlüssig“, sagt sie.

Auch die Mitarbeiter des Restaurants Vitus versorgten die Gäste der Schlossfestspiele mit Köstlichkeiten aus ihrer Küche. Dort war am Montag für die MZ jedoch niemand für ein Statement zum Verlauf der Veranstaltung zu erreichen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht