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Bildung

Grundschule mit Laptop und Lerninseln

Wie sieht Schule für die Kleinen in 15 Jahren aus? Das iPad wird im Unterricht dabei sein, die Lehrkraft auch.
Von Heinz Klein, MZ

„Um Medienkompetenz zu vermitteln, brauchen wir nicht mehr mit Kreide und Tafel anfangen“, sagt Simone Fleischmann.
„Um Medienkompetenz zu vermitteln, brauchen wir nicht mehr mit Kreide und Tafel anfangen“, sagt Simone Fleischmann. Foto: dpa

Regensburg.Der Schüler kommt in seine Schule, die nicht mehr eine Aneinanderreihung von Klassenzimmern beidseits eines langen Ganges sein wird, sondern eine ziemlich bunte Lernwelt. Er zückt sein iPad, das ihm sagt, wie sein Tag, seine Themen, seine Aufgaben und die Orte, die Lernbereiche, an denen er arbeitet, sein werden. Dort findet er alle Lernmittel, die er für diesen Tag brauchen wird. Dann wird er sich aufmachen zu einer ganz bestimmten Lerninsel, an der sein Schultag beginnt, an der auch Mitschüler warten und eine Lehrkraft.

Simone Fleischmann malt dieses Zukunfts-Szenario und sie hält es für ziemlich realistisch. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) sieht Schule als einen Spiegel der Gesellschaft und in der spielt die digitale Medienwelt eine immer bedeutendere Rolle. „Um Medienkompetenz zu vermitteln, brauchen wir nicht mehr mit Kreide und Tafel anfangen“, sagt sie. Andererseits soll Lernen nicht nur an Laptop oder PC stattfinden.

Lesen Sie außerdem zum Thema aus unserer Themenwoche „Einer schafft an und die anderen mosern“ von MZ-Redakteur Thomas Kreissl.

Schule muss viel mehr sein als der Ort, an dem es einen Stuhl, einen Tisch, einen Computer und eine Steckdose gibt. Schule wird sogar immer wichtiger, weil es dort immer mehr zu lernen gibt: neben den klassischen Lerninhalten Umwelterziehung, Ernährungserziehung, Gesundheitserziehung, Verkehrserziehung, Sexualerziehung, Demokratieerziehung und, und, und¨…

Es muss also eine gute Mischung aus digitalem Lernen und analogem, sozialen Lernen sein, wünscht sich die Präsidentin. Und da ist klar: Je jünger die Schüler noch sind, umso wichtiger wird der Lehrer sein. „Bei den Kleinen ist noch viel Beziehungsarbeit nötig“, ist Simone Fleischmann überzeugt. „Der Lehrer ist weiterhin enorm wichtig, er ist der rote Faden, die Leitperson.“

Die Präsidentin des Lehrerverbands BLLV, Simone Fleischmann.
Die Präsidentin des Lehrerverbands BLLV, Simone Fleischmann. Foto: dpa

„Der Lehrer ist weiterhin enorm wichtig, er ist der rote Faden, die Leitperson“.

Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV

Wobei er vielen Ansprüchen gerecht werden soll: Lehrer sein und Sozialpädagoge, Psychologe, Logopäde, Medienfachmann, Sportler und, wenn es Not tut, vielleicht auch noch Krankenschwester. Multiprofessionalisierung ist da das Schlagwort.

Für die Grundschüler braucht es also noch eine enge Lernumgebung, eine relativ konstante Gruppensituation als soziale Gemeinschaft und eine Lehrkraft als Leitperson. Ein Lernziel liegt Simone Fleischmann besonders am Herzen: Demokratische Lernprozesse müssten schon in der Grundschule Fuß fassen, fordert sie. Es geht darum, unterschiedliche Meinungen anzuhören und andere Meinungen als die eigene akzeptieren zu lernen. Neben einem fairen Umgang mit Mitschülern gehört dazu auch ein respektvoller Umgang mit Lehrkräften. Letzteres scheint von wachsender Bedeutung zu sein, denn Gewalt gegen Lehrer ist leider schon ein Thema.

Was Lehrer nicht nur die nächsten Jahre, sondern wohl dauerhaft beschäftigen wird, ist das Fördern von Integration. „Es wird keine Welt ohne Krieg geben und es wird weiterhin Flüchtlinge geben. Integration wird eine Daueraufgabe sein und die Lehrer übernehmen die Verantwortung dafür auch, aber sie brauchen Unterstützung.

Um fit für die mediale Welt und den Umgang mit ihr zu werden, gehört es auch dazu, zu wissen: Wie mache ich mich stark? Wie kann ich mich gegen Anfeindungen schützen? An wen kann ich mich wenden, wenn ich Hilfe brauche? Drei echte reale Freunde sind wichtiger als 45 Facebook-Freunde. Das zu wissen, sollte ebenfalls ein Lernziel sein.

Die Grundschule der Zukunft, die sich zweifelsohne immer stärker zur Ganztagsschule entwickelt, wird für ihre neuen und wachsenden Aufgaben auch gewisse räumliche Voraussetzungen benötigen. Es braucht Essräume, Bewegungsräume, Kreativräume, auch Ruhezonen. Das soll nun aber nicht gleich der Ruf nach mehr Geld sein, schränkt die BLLV-Obere ein.

Bayern steckt jeden dritten Euro in Bildung, das sei respektabel. Man solle lieber flexibel bleiben und immer wieder prüfen, ob das Geld intelligent in effektive Bereiche investiert sei.

Die Themenwoche

Dieser Text ist Teil unserer Themenwoche „Abenteuer Grundschule“. Hier geht es zu unserem Spezial.

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