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Triathlon

Heiße Debatte über Challenge Regensburg

2016 startet der Triathlon in Regensburg. Der Stadtrat gab grünes Licht – doch CSU, Linke und ein ÖDP-Rat stimmten dagegen.
Von Marion Koller, MZ

Vorbild für Regensburg: die Challenge in Roth
Vorbild für Regensburg: die Challenge in Roth Foto: Archiv

Regensburg.Im August 2016 wird die Stadt in Zusammenarbeit mit der Purendure Event GmbH von Ironman-Siegerin Sonja Tajsich den ersten Regensburg Challenge veranstalten. Der Vertrag für den Triathlon nach dem Muster von Roth läuft fünf Jahre.

Die Entscheidung fiel am Donnerstagabend im Stadtrat. Gegen die Stimmen der CSU, der Linken Irmgard Freihoffer und des ÖDP-Stadtrats Benedikt Suttner beschloss die Koalitionsmehrheit, das Langdistanz-Rennen der Challenge GmbH von Familie Walchshöfer nach Regensburg zu holen. Der Triathlon kostet 1,1 Millionen Euro. Bis zu 200 000 Euro wird die Stadt jährlich beisteuern, das Gros der Summe sollen Sponsoren tragen. Als Anschubfinanzierung erhält die Purendure GmbH 75 000 Euro.

Wandlung vom Saulus zum Paulus

OB Joachim Wolbergs sagte am Donnerstag auf MZ-Anfrage, er wolle den Triathlon in der Welterbestadt veranstalten, weil das einen Rieseneffekt für den regionalen Spitzen- und Breitensport haben werde. Auch auf den Einzelhandel, das Hotelgewerbe und die Gastronomie werde sich die Challenge positiv auswirken. „Das hat einen Ganzjahreseffekt, weil die Sportler immer wieder kommen, um auf den örtlichen Strecken zu trainieren“, ist der OB überzeugt. Er rechnet mit 1500 bis 3000 Teilnehmern. „Mit 2000 bin ich zufrieden“, stellte er fest.

Gespannt verfolgten Sonja und Tom Tajsich zusammen mit Felix Walchshöfer, Geschäftsführer der Team Challenge GmbH, die Sitzung des Ausschusses für Bildung und Freizeit im Neuen Rathaus, D.-Martin-Luther-Straße 1. Dort entspann sich die Debatte, auch die Mehrheit zeichnete sich ab. Der Stadtrat entschied anschließend.

Irmgard Freihoffer (Linke) kritisierte das Langstrecken-Rennen als extrem ungesund. Internet-Studien zeigten, dass sich Profi-Triathleten mit leistungssteigernden Medikamenten vollpumpten. Auch weil das Großereignis nicht nachhaltig sei, stimme ihre Fraktion dagegen

Jürgen Eberwein (CSU) begründete die Ablehnung unter anderem mit dem zu geringen Werbeeffekt. Das Engagement der Stadt solle vielmehr auf den Breitensport abzielen. Das Großereignis sei mit der Haupterntezeit für die Landwirte nicht vereinbar, finde nur verhaltene Zustimmung von Landrätin Tanja Schweiger und werde von den Breitensportvereinen abgelehnt. Eberwein zeigte sich skeptisch, dass die Finanzierungslücke geschlossen werden kann und sich zur Urlaubszeit genügend Helfer melden.

Ludwig Artinger von den Freien Wählern äußerte sich erstaunt über die Wandlung der CSU vom Saulus zum Paulus. „Ich darf daran erinnern, wie begeistert Ihr Vater vor fünf Jahren den Ironman begrüßt hat“, sagte er. Eberwein senior habe das Langdistanz-Rennen so wichtig eingestuft wie den Papst-Besuch. „Was damals richtig war, kann heute nicht verkehrt sein“, sagte Artinger.

Die Stadt habe aus dem Ironman-Fehlschlag im dritten Veranstaltungsjahr 2011 gelernt, dass sie die örtlichen Vereine einbinden müsse, und das Geld sei mehr geworden. „Es wird uns gelingen, Regensburg als Sportstadt zu etablieren“, betonte Artinger.

Zur Vorgeschichte: Die Rathaus-CSU hatte unter dem damaligen OB Hans Schaidinger den Ironman 2010 in der Domstadt ermöglicht.

OB Joachim Wolbergs reagierte verärgert. Eberweins Argumente seien an Erbärmlichkeit nicht zu überbieten. Er las aus Protokollen der Stadtratssitzungen vor fünf Jahren vor und konfrontierte Eberwein ebenfalls mit den Wortbeiträgen des Vaters. Wolbergs erinnerte, dass sich Sylvia Gingele vom LLC Marathon, Barbara Wilfurth vom Arber-Radmarathon und Markus Dolles (Tristar) in der MZ für den Challenge ausgesprochen hatten. Der Termin sei in die zweite Augusthälfte, also nicht mehr in die Erntezeit, gelegt worden. „Den Fehler hat damals Ihr Bürgermeister gemacht, deshalb sind die Zahlen beim Ironman 2012 eingebrochen“, hielt er der CSU vor. Von Schweiger habe er ein klares Ja bekommen.

Triathlet: „Genau das Richtige“

„Vor fünf Jahren haben Sie geglaubt, es sei kein Problem, Tausende Helfer zu organisieren. Jetzt ist es ein Problem.“ Zum Werbeeffekt stellte Wolbergs fest: „Wir entscheiden uns nicht für irgendeinen Triathlon, sondern für die Marke Challenge.“ Der Gemeinschaftsgedanke stehe im Vordergrund, nicht Geld wie beim Ironman.

Benedikt Suttner fragte, ob die Finanzierung nicht auf tönernen Füßen stehe, ob fair gehandelte Produkte berücksichtigt werden und ob nicht eine Halbdistanz sinnvoller sei. Wolbergs versprach, bei der Sponsorensuche zu helfen. Für Öko-Waren sei er offen. Die Langstrecke halte er für spektakulärer.

Tom Tajsich sagte in einer Stellungnahme, er freue sich für die Sportstadt. Geärgert habe ihn die Unterstellung, dass die Triathleten Doping betrieben.

Das Interesse auch der lokalen Sportler am Challenge ist riesig. Am Donnerstagabend erreichte die MZ ein Mail von Siegfried Herlinger, der auf den Triathlon hofft. Durch die Teilnahme am letzten Ironman habe sich sein Leben völlig verändert, schreibt er. Die Langdistanz in Regensburg sei unvergesslich. Mittlerweile hat Herlinger drei Challenges mitgemacht. „Ich glaube, dass eine Challenge genau das Richtige für Regensburg ist.“

Kommentar

Peinliche Kehrtwende

Der Challenge ist ein internationales Sportereignis mit großer Ausstrahlung. In Roth wetteifern 5000 Teilnehmer, 250 000 Menschen schauen zu. Die Veranstaltung...

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