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Alkohol

Kampagne gegen „Saufen beim laufen“

Das Regensburger Bündnis „Fair Feiern“ will gegen Trinken in der Öffentlichkeit angehen. Junggesellenabschiede machen Ärger.

Gegen das „Vorglühen“ und exzessiven Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit wendet sich die neue Kampagne des Aktionsbündnisses Fair Feiern.
Gegen das „Vorglühen“ und exzessiven Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit wendet sich die neue Kampagne des Aktionsbündnisses Fair Feiern. Foto: dpa

Regensburg.Das sogenannte „Vorglühen“ hat sich in Regensburg zu einem immer beliebter werdenden Trend entwickelt. Schon auf dem Weg in die Stadt trinken viele Jugendliche und junge Erwachsene billigen Alkohol vom Supermarkt direkt aus der Flasche oder Dose, um schnell und günstig betrunken zu werden. Dieses „Saufen beim Laufen“ wird für Anwohner wie Gastronomen zunehmend zu einem Problem und wurde daher auch beim letzten Treffen des Aktionsbündnisses Fair Feiern mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Polizei und des Kommunalen Ordnungsservice im Alten Rathaus intensiv diskutiert.

Während die Anwohner durch die „Vorglüher“ mit nächtlicher Ruhestörung, Wildpinklern und hinterlassenem Müll zu kämpfen haben, stören sich die Gastronomen an Gästen, die bereits stark betrunken im Lokal ankommen, wenig konsumieren und dafür umso mehr Ärger machen. Ein besonderes Problem stellen dabei die Junggesellinnen- und Junggesellenabschiede dar, bei denen oft ohne Rücksicht auf andere auf offener Straße der „Abschied“ gefeiert wird.

Krasser Gegensatz

Mit einer neuen Kampagne, die von der Pressestelle der Stadt Regensburg entwickelt wurde, will Fair Feiern nun gegen das Trinken auf der Straße angehen und die Jugendlichen dazu animieren, Alkohol lieber in Bars und Clubs zu konsumieren. Mit Plakaten, Postkarten, zahlreichen Aktionen und Give-Aways zielt die diesjährige Kampagne von Fair Feiern darauf ab, an die Klasse und den Stil der jungen Leute zu appellieren und ihnen die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung bei übermäßigem Alkoholkonsum vor Augen zu führen.

„Regensburg ist eine junge, lebendige Stadt mit tollem Nachtleben. Das muss jedem klar sein, der in die Altstadt zieht.“

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs

„Wenn man sich aktuelle Jugendstudien oder auch prominente Vorbilder von 16- bis 30-Jährigen anschaut, sieht man, dass eigentlich eher konservative Werte wie Fleiß, gute Leistungen und Ehrgeiz, elegante, klassische Kleidung und ein gesundes, fittes Äußeres hoch im Kurs stehen“, erklärte Kristina Klement von der Pressestelle der Stadt. „Im krassen Gegensatz dazu steht es, mit einer Dose Bier gröhlend durch die Stadt zu laufen, zu pöbeln und in fremde Hauseingänge zu pinkeln. Diese Diskrepanz wollen wir mit der Kampagne etwas überspitzt zeigen und die Jugendlichen mit einem Augenzwinkern an Benimmregeln erinnern, an die sich eine wahre Lady und ein echter Gentleman halten sollten.“

Im Zuge der Kampagne plant das Aktionsbündnis nicht nur eine Plakataktion bei allen gastronomischen Mitgliedern, sondern auch mehrere Aktionsnächte, Infostände, einen Fair-Feiern-Beach und auch wieder die beliebte Silent Disco auf dem Bismarckplatzfest.

Weniger Straftaten in der Altstadt

Neben der aktuellen Kampagne sprachen die Teilnehmer auch über die Sicherheitslage in der Altstadt. Laut Polizeistatistik ist die Zahl der Straftaten in der Altstadt in allen Bereichen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken – insgesamt um zwölf Prozent. Damit bleibt es bei einem positiven Trend: Seit dem Bestehen des im Jahr 2009 von Rechtsreferent Dr. Wolfgang Schörnig gegründeten Aktionsbündnisses sind sowohl Handtaschendiebstähle und Körperverletzungsdelikte als auch Ruhestörungen und Sachbeschädigungen kontinuierlich rückläufig – obwohl seitdem die Zahl der Studenten um etwa 10000 angestiegen ist und sich somit die Zahl der Feiernden stark erhöhte.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs betonte: „Durch das Aktionsbündnis ist bereits viel erreicht worden. Die Gastronomen haben wirklich viel verändert, um ein faireres Feiern zu ermöglichen. Aber wir müssen weiter dranbleiben und immer wieder versuchen, die Leute zu erreichen.“ Auch, was die Wohnsituation für die Anwohner in der Altstadt betreffe, seien klare Verbesserungen erkennbar.

Auf Augenhöhe kommunizieren

  • Sicherheitskräfte:

    Der Kommunale Ordnungsservice (KOS) äußert sich zur aktuellen Lage überwiegend positiv. Ordnungsamtsleiter Dr. Patrick Veit, dem der KOS unterstellt ist, betont, dass die Mitarbeiter Wert darauf legten, mit den Jugendlichen auf Augenhöhe zu kommunizieren.

  • Sicherheitsempfinden:

    Die KOS-Mitarbeiter wollen mehr als faire Partner denn als Feindbild wahrgenommen zu werden. Laut Veith ist das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung durch ihre Anwesenheit an Brennpunkten gestiegen. Auch das trage zum Rückgang von Straftaten bei.

Dem widersprach Anwohner Helmut Knyrim, der nach wie vor regelmäßig von lärmenden Partygängern um die Nachtruhe gebracht wird. Wolbergs betonte: „Die Menschen wird es immer in die Innenstadt ziehen, völlig ruhig wird es hier nie werden – und das wollen wir auch gar nicht. Regensburg ist eine junge, lebendige Stadt mit tollem Nachtleben. Das muss jedem klar sein, der in die Altstadt zieht.“ Am wichtigsten ist es Wolbergs zufolge, auf die Leute zuzugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Nur so könne man sie erreichen und für Verständnis und Rücksichtnahme werben.

Bewusstsein hat sich geändert

Aus Sicht der Anwohner fasste Johanna Bayer-Riepl die Situation zusammen. Die Lage habe sich seit der Gründung des Aktionsbündnisses stark verbessert. Vor allem das Bewusstsein in der Bevölkerung habe sich verändert. Früher habe es nur geheißen, man sei selbst schuld, wenn man in der Altstadt wohne und sich dann über nächtlichen Lärm beschwere. Heute sei das Verständnis für die Anwohner viel größer geworden. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten des Aktionsbündnisses sei sehr gut, aber es müsse weiterhin viel getan werden.

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