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Kathy Kelly singt beim Korbmacher

Der Regensburger Hans Weger weiß nicht, wie ihm geschieht. Die „Mutter“ der Kelly Family hat seinen Chor verpflichtet.
Von Helmut Wanner , MZ

„The Rose“ im Duett gesungen: Kathy Kelly bei Korb Weger in der Fröhliche-Türken-Straße
„The Rose“ im Duett gesungen: Kathy Kelly bei Korb Weger in der Fröhliche-Türken-Straße Foto: altrofoto.de

Regensburg.Wie aus heiterem Himmel hat es ihn getroffen. Der Korbmacher soll am 10. Mai mit Kathy Kelly auf der Bühne stehen. Sein Gospelchor „Call it out“, local hero von Gong FM 2010, ist dafür ausgewählt worden.

Hans Weger fiel sofort ein Titel ein, der jedem beim Wort „Kelly Family“ einfällt: „Angel“. Kathy ist die älteste Tochter und war nach dem frühen Tod der Mutter der kleine Boss der Familie. Sie hat 19 von 22 Platten produziert, darunter auch den Titel, der die Kelly-Family weltberühmt gemacht hat und dessen Refrain jeder aus dem Stegreif nachsingen kann. „I wish I were an angel, sometimes, wish I were you“.

Ebendiese „Angel“-Kathy kam diese Woche zur Tür rein. Mit einer großen blauen Stoffblume auf der goldfarbenen Jacke. „Cool“, sagte sie. „Das ist mein erstes Interview in einem Korbgeschäft. Sind Sie auch Imker? Mein Bruder hat 60 Völker.“ Dann stellte sie sich an den schwarzen Wiener Flügel, der bei Weger bekanntlich quer im Raum steht und stimmte im Duett mit dem flechtenden Sänger und Songwriter das bekannte Bette-Middler-Lied „The Rose“ an. Sie fand, das Klavier sei schwer verstimmt. Kunststück: Sie ist die Tochter eines Perfektionisten.

„Wo sind die Millionen hin?“

Kathy Kelly promotet gerade ihre „Grand dame of voice“-Tour, die sie durch Städte wie Burgkunstadt und Schierling führt. 150 Millionen Euro hat die Musiker-Familie verdient, sagt sie auf Nachfrage beim Promotion-Termin zwischen Körben. „Schloss Gymnich versteigert, Hausboot weg… Wo sind die Millionen hin?“ Kleine Pause. „In Copyright, Steuern…“ Beim Friseur offenbar nicht, wenn man sich sie und die Band-Fotos anschaut. Aber es ist doch was übrig geblieben. „Ich hab mir letztes Jahr in Architektenhaus im Westerwald gekauft, mit 450 Quadratmeter, Studio und einem kleinen Garten von 1000 Quadratmeter. Meine Gesangslehrerin ist in der Nähe.“

Kathy Kelly fühlte sich in Regensburg sichtlich wohl.
Kathy Kelly fühlte sich in Regensburg sichtlich wohl. Foto: altrofoto.de

Zum PR-Termin hat sie es nicht weit. Gerade über die Straße ist sie im Hotel „zum fröhlichen Türken“ eingecheckt, das Erwin Dirschl betreibt. Das ist der pfiffige Gastronom, der in der Kreuzschänke vor Jahren das XXL- Schnitzel erfunden hat, das über den Teller hängt. Jetzt hat er mit seiner Frau Doris den fröhlichen Türken gepachtet. Ein Haus für besondere Gäste. Christoph Süß („Quer“) war bei ihm. Während Placido Domingo in Häusern wie dem „David“ übernachtet, schlafen die Roadies des Schlossfestivals im fröhlichen Türken. „Das ist sogar das bessere Geschäft, die bleiben zwei, drei Wochen.“ Aber diese Woche sind echte Stars im Drei-Sterne-Haus. Stars bleiben Stars, auch wenn sie schon den Zenit überschritten haben.

Die achtköpfige Band mit Kathy Kelly am Akkordeon.
Die achtköpfige Band mit Kathy Kelly am Akkordeon. Foto: dpa

Mit Mitch Ryder unter einem Dach

Der US-Rocker Mitch Ryder übernachtete mit seiner Frau Megan. Die Musiker seiner Begleitband „Engerling“, beste Blues-Rock-Formation des deutschen Ostens, hatte auch Zimmer gebucht. Die ergrauten Bandmitglieder erkannten Kathy Kelly noch von einem Straßen-Auftritt in Potsdam. Darüber flackerte ein Gespräch auf. Mitch Ryder war im Frühstücksraum nach seinem Konzert in der Mälze nicht so gesprächig. „Spitzenkonzert. Aber nur 100 waren da“, schätzt Dirschl. Aber es kann auch an Kellys Vierbeiner gelegen haben, der die halbe Nacht an der Tür kratzte.

Kathy Kelly war mit Begleiter und weißem Hündchen in der Stadt, wo sie vor über 30 Jahren einmal mit ihrem Vater auf der Straße gestanden hat, um zu singen. „Vier Tage die Woche 6 Stunden am Stück: Das war Programm. Das hat meine Stimme stark gemacht,“ bekennt sie.

Kathy Kelly in Schierling

Alles wiederholt sich. Kelly tourt seit 2001 durch deutsche Kleinstädte. „Die Reaktionen sind grandios. Ich bin sehr verwöhnt.“ In den Glamour-Magazinen tauchte sie zuletzt 2010 auf, als sie überraschend bei der Castingshow „Supertalent“ von RTL im Rampenlicht stand. Warum? „Weil Dieter Bohlen ein Vierteljahr hinter mir her war.“ 2011 verbrachte sie 18 Tage auf der Pro-7-Alm. „Leben wie vor 100 Jahren – das war super“, sagt sie. Das sind Antworten, wie man sie auf einer Promo-Tour erwartet.

Der Hit „Angel“ ist Geschichte. „Ich stehe hinter dem Titel, ich hab ihn ja selbst gemacht.“ Angelo hat ihn gesungen. Der Tonträger wurde 22 Millionen Mal verkauft. Aber Kathy Kelly hat sich weiterentwickelt. 1997, bei einem Konzert der drei Tenöre, hat sie sich in die Oper verliebt. Seitdem wechselt sie die Sparten. In Worms hat die dramatische Sopranistin fünf Mal die Leonore in „Fidelio“ gesungen.

Doch in Schierling lässt sie ein bisschen die alten Zeiten anklingen. Die Besucher erwartet eine Mischung ihrer Lieder aus den Jahren 1981 bis 2014, gesungen auf Spanisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch. Ein Pianist begleitet sie.

„Die Tour hält mich am Boden“, meint Kathy Kelly. Mit dem Schierlinger Chor „Call it out“ stimmt sie in der Mehrzweckhalle zwei Lieder an. Es sind Stücke mit Gänsehaut-Gefühl: „Irish Blessing“ und das „Halleluja“ von Leonhard Cohen. Diese Woche hat Kathy Kelly 45 Minuten mit „Call it out“ im alten Schulhaus von Schierling geprobt. Für den Chor war sie wie ein Engel aus heiterem Himmel.

Die „Mutter“ der Kelly Family

  • Kelly Family:

    Kathy Kelly war Produzentin und Sängerin bei der „Kelly Family“. Obendrein übernahm sie nach dem frühen Tod von Barbara Ann Kelly die Mutterrolle für die kleineren Geschwister

  • Geburt nach dem Konzert:

    Kathys Sohn Sean war damals 6 Jahre alt. Wie man lesen kann, brachte sie ihr Kind nach einem Straßenkonzert zur Welt. Als Kathy Kelly 15 Jahre alt war, hatte Vater Dan entschieden, den weiteren Lebensweg der Familie als Straßenmusiker zu finanzieren. Das Konzept ging auf.

  • Solokarriere:

    2001 ging Kathy Kelly erstmals eigene Wege: Der Titel ihres ersten Albums hieß Morning of My Life. Sie präsentierte sich in einem neuen Erscheinungsbild und fand ihren eigenen Stil, der von klassischen, spanischen, französischen und irischen Elementen geprägt ist. Kathy Kelly spielt sog. Akustik-Lieder, nur mit Klavier, Percussion und Gesang.

  • Konzert in Schierling:

    Am 10. Mai um 18 Uhr singt sie in der Mehrzweckhalle Schierling. Karten: Korb Weger, Fröhliche Türkenstraße.

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