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Kicken gegen Grenzen in den Köpfen

Ein Sport-Aktionstag in Regensburg ermutigte dazu, Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung abzubauen.
Von Daniel Steffen, MZ

Menschen mit und ohne Behinderung kickten am Samstag bei einem Fußball-Turnier mit, das im Rahmen des Inklusionsporttags auf dem Oberen Wöhrd stattfand.
Menschen mit und ohne Behinderung kickten am Samstag bei einem Fußball-Turnier mit, das im Rahmen des Inklusionsporttags auf dem Oberen Wöhrd stattfand. Fotos: Steffen

Regensburg.Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Schirmherr des ersten Inklusionssporttags, findet: Statt die Verantwortung immer hin- und herzuschieben, sollten Kommunen selbst etwas für eine Gesellschaft tun, an der behinderte Menschen genauso teilhaben können wie nichtbehinderte. Schließlich sei jeder Mensch „gleich viel wert“. Insbesondere Sportvereine würden die Umsetzung des Inklusionsgedanken vorleben. So geschah es auch am Inklusionssporttag am Samstag, zu dessen Gelingen viele Vereine und Institutionen beitrugen.

Hunderte von Besuchern kosteten auf dem RT-Gelände am Oberen Wöhrd an die 30 Inklusions-Angebote von Vereinen und Verbänden aus. Ziel der Veranstaltung war, die Grenzen in den Köpfen abzubauen und zu zeigen, dass Inklusion im Verein möglich ist, ohne dass die Abteilungen ihre Arbeit grundlegend verändern müssen.

Die Federführung des Inklusionssporttags liegt beim Landessportverband, unterstützend wirken unter anderem der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern, die Stadt und die Initiative „Regensburg inklusiv“ mit.

Stadträte kickten mit

Durch ihre Teilnahme am Aktionstag signalisierten viele Stadträte unterschiedlicher Fraktionen, dass sie das Thema Inklusion mittragen. Und das auf sportliche Art: Beim inklusiven Fußballturnier mit zehn Mannschaften mischte ein bunt besetztes Stadtrats-Team mit.

So hütete Thomas Thurow das Tor, während seine SPD-Kollegen Ernst Zierer und Hans Holler den Abwehr-Job übernahmen. Aus den Reihen der ÖDP spielten Benedikt Suttner und Astrid Lamby mit, für die Grünen bewies Walter Erhard seine fußballerischen Künste. Die Spielvereinigung Ramspau indes stellte mit der Lebenshilfe zwei gemischte Teams. Auch eine Mannschaft vom Netzwerk „Campus Asyl“ kickte beim Turnier mit.

Frank Reinel hatte im Rollstuhl die Kicker im Griff. Als einer der Schiedsrichter pfiff er am Samstag mehrere Spiele an. Der 35-jährige Jurist ist von der angeborenen Gelenksteife-Krankheit AMC (Arthrogryposis multiplex congenita) betroffen. Von der lasse er sich aber nicht unterkriegen. Warum auch, sagt Reinel lächelnd – „dafür ist das Leben viel zu schön“.

Die Angebote am Inklusionssporttag: ein Einblick

Die Pfeife hat Reinel regelmäßig bei Fußballspielen in der Hand. Seit zehn Jahren ist er geprüfter Schiedsrichter des DFB. Als Bezirksvorstand des Bayerischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands (BVS) hat er den Aktionstag auf dem Oberen Wöhrd maßgeblich mitorganisiert. Mit dem Ablauf der Veranstaltung gab er sich am Samstag zufrieden, allerdings hätten für seinen Geschmack „noch deutlich mehr Besucher kommen“ können.

Sportliche Angebote standen zur Genüge zur Auswahl. Sie reichten von Leichtathletik-Disziplinen, Basketball und Tennis über Karate und Badminton bis hin zum Baseball mit den Buchbinder-Legionären. Auch konnte ein Rollstuhl-Parcours bewältigt werden. Wer ihn abfuhr, erlebte, welchen Hindernissen Rollstuhlfahrer alltäglich ausgesetzt sind. Unter anderem wurde eine Bordsteinkante simuliert.

Den sportlichen Einsatz der Teilnehmer mit und ohne Behinderung würdigten die Veranstalter entsprechend. Wer an mindestens sieben Rallye-Stationen mitgemacht hatte, der konnte sich mit einer Teilnahme-Medaille schmücken. Das Medaillen-Logo hatten Schüler des Pindl-Gymnasiums entworfen. Die Schüler waren am Samstag mehrfach engagiert: An einem Info-Stand gaben sie Auskünfte zur Veranstaltung, ferner beteiligten sie sich aktiv an den Stationen.

Dass das Thema Inklusion an den Universitäten und Hochschulen angekommen ist, bewies die Inklusionsgruppe vom Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik der Uni Regensburg. Sie beteiligte sich mit mehreren Angeboten am Programm. „Vor drei Jahren haben wir begonnen, ein Profil Integration und Inklusion zu entwickeln“, sagte die akademische Rätin und Professorin Angela Enders. So biete die Universität diverse Seminare zum Thema Inklusion an. Teilnehmer können damit eine Zusatzqualifikation erwerben. „Auf diese Weise sensibilisieren wir zukünftige Grundschullehrer für das Thema.“ Etwa 40 Studenten nehmen derzeit das Angebot wahr.

„Wir sind auf einem guten Weg“

Dass das Thema Inklusion in Regensburg „auf einem guten Weg“ ist, bestätigte Frank Reinel. Mit ihm hat die Stadt ab dem 1. August erstmalig einen hauptamtlichen Inklusionsbeauftragten. Die zentrale Aufgabe von Reinel wird sein, die Interessen von Menschen mit Behinderungen in Regensburg zu vertreten und die Inklusion in der Domstadt voranzutreiben. In manchen Punkten hake es noch, weiß er. Wenn etwa im Weltkulturerbe gebaut wird, dann stünden die Interessen Inklusion und Denkmalpflege häufig konträr zueinander.

Lobenswert indes sei die Arbeit des Projekts „Regensburg inklusiv“, für das die Katholische Jugendfürsorge, die Stadt und die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) miteinander kooperieren. In den Projektgruppen von „Regensburg inklusiv“ sei auch die Idee des Inklusivsporttags geboren worden, betonte Frank Reinel. Nun sei man dabei, ein „Netzwerk Inklusion im und durch Sport“ aufzubauen.

„Regensburg inklusiv“

  • Ziel:

    Das Projekt „Regensburg inklusiv“ will, dass alle Menschen in Regensburg gleichberechtigt an allen Lebensbereichen teilhaben können.

  • Konzept:

    Mit Neugierde für den Alltag des Nachbarn, Kollegen, Mitarbeiters, Klassenkameraden etc. kann es gelingen, Barrieren im Kopf abzubauen.

  • Zielgruppe:

    Das Projekt richtet sich an alle Regensburger. Die Bürger sollten aufgeschlossen sein und einen Blick auf die Belange anderer werfen.

Erster Inklusionssporttag in Regensburg

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