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Glaube

Kollegiatstifte: Rarität im Kirchenleben

In Bayern gibt es nur mehr vier dieser Betgemeinschaften. Zwei von ihnen sind in Regensburg beheimatet.

Seltenes Treffen: Die Kanoniker der bayerischen Kollegiatstifte ziehen in St. Kassian ein.
Seltenes Treffen: Die Kanoniker der bayerischen Kollegiatstifte ziehen in St. Kassian ein. Fotos: lla

Regensburg.Regensburg ist eine Stadt der Kirchen – aber auch eine Stadt der Kollegiatstifte. Insgesamt gibt es nämlich in Bayern nur vier solcher Institutionen. Die Domstadt beherbergt zwei davon: Das Kollegiatstift der Alten Kapelle, zu der auch St. Kassian gehört, sowie das Kollegiatstift St. Johannes der Täufer und St. Johannes Evangelist. Ein Kollegialstift ist ein Zusammenschluss von Kanonikern (Geistlichen aller Weihestufen), deren Anzahl festgeschrieben ist. Das gemeinsame Stundengebet ist nach der Satzung des Kapitels für die Kanoniker an jedem Morgen, von Montag bis Freitag, verpflichtend.

Neben der Eucharistie gehört es zur Aufgabe der Kanoniker, Sakramente zu spenden, vor allem das Bußsakrament, aber auch die Durchführung von Tauf-, Hochzeits- und Begräbnisfeiern. Auch Weihungen und Segnungen werden vollzogen, wie die Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt oder die Speisenweihe an Ostern.

Kaiser Heinrich II. war der Stifter

Das Gemeinschaftsleben der Kanoniker besteht vor allem im gemeinsamen Gebet. So oft es ihnen möglich ist, kommen sie in der Stiftskirche zum Chorgebet zusammen. Das Kollegiat-stift Alte Kapelle umfasst sieben Geistliche (im Mittelalter waren es 15). Der Dekan dieses Stifts ist Monsignore Professor Dr. Norbert Glatzel. Das Kollegiatstift der Alten Kapelle wurde ursprünglich 875 gegründet. Als neuer und eigentlicher Stifter gilt jedoch Kaiser Heinrich II. (1002). Das Stift wurde im Zuge der Säkularisierung nicht aufgehoben und besteht ohne Unterbrechung bis heute.

Das Kollegiatstift St. Johannes der Täufer und St. Johannes Evangelist wurde 1127 von Bischof Konrad I.von Regensburg gegründet. Von 1127 bis 1226 war es ein Augustiner-Chorherrenstift. Die Bindung an die Augustinerregel lockerte sich jedoch im Laufe der Jahre immer mehr. Danach wurde es ein Kollegiatstift. Auch dieses Stift besteht seit seiner Gründung ununterbrochen und wurde während der Säkularisation 1803 oder beim Übergang Regensburgs an Bayern 1810 nicht aufgelöst. Im 14. Jahrhundert besaß das Kollegiatstift St. Johannes gegen das Domkapitel so viel Macht, dass man nahezu 40 Jahre (etwa 1340 bis 1380) um den Abbruch der alten Johanneskirche ringen konnte, die dem Dombau an der Westfassade im Wege stand.

Die Kerzenübergabe (im Bild Stiftspropst Prälat Günther Mandl aus Altötting und Stiftsdekan Prof. Dr. Glatzel) gehört zu den Traditionen der Treffen.
Die Kerzenübergabe (im Bild Stiftspropst Prälat Günther Mandl aus Altötting und Stiftsdekan Prof. Dr. Glatzel) gehört zu den Traditionen der Treffen.

Georg Ratzinger ist Mitglied

Um 1290 gab St. Johann das gemeinsame Leben, die sogenannte vita communis, endgültig auf. Georg Ratzinger, der Bruder des früheren Papsts Benedikt XVI., ist Stiftskanonikus von St. Johann. Prälat Heinrich Wachter ist Dekan des Stiftskapitels.

Einmal im Jahr treffen sich die Stiftskanoniker und pflegen den Gedankenaustausch. In diesem Jahr richtete das Stift der Alten Kapelle das Treffen aus. In der erst vor kurzem wiedereröffneten Kirche St. Kassian trafen die Mitglieder aus Regensburg, Altötting und Landshut zu einer Eucharistiefeier zusammen. Der Stiftsdekan der Alten Kapelle, Monsignore Professor Dr. Norbert Glatzel, leitete die Messe. Konzelebranten waren der Stiftspropst Prälat Günter Mandl (Altötting), der Stiftspropst Monsignore Dr. Franz Joseph Baur (Landshut) sowie Stiftsdekan Prälat Heinrich Wachter und der Stiftspfarrer von St. Kassian, Prälat Helmut Huber. In seiner Predigt blickte der Stiftsdekan zurück auf die Geschichte St. Kassians und der Marienverehrung, die hier heute noch lebendig sei. (lla)

Kollegiatstifte

  • Nur mehr vier:

    In ganz Bayern gibt es nur vier Kollegiatstifte: In Regensburg (Alte Kapelle/St. Kassian sowie St. Johannes), in Altötting (St. Rupert) und in Landshut (St. Martin/St. Kastulus).

  • Gemeinsames Gebet:

    Ein Kollegiatstift besteht aus einer vorgeschriebenen Anzahl von Kanonikern. Das Gemeinschaftsleben der Kanoniker, das durch Statuten geregelt wird, besteht vor allem im gemeinsamen Gebet.

  • Kein Ordensgewand:

    Da die Stiftsmitglieder keinem Orden angehören, haben sie auch kein Ordensgewand.

  • Kleidung:

    Zu feierlichen Gottesdiensten tragen sie über der Priesterkleidung einen violetten, vorne zugeknöpften Schulterumhang (Mozzetta), darüber an einer Kette oder einem Band das Stiftsabzeichen.

  • Regensburg:

    Die beiden Regensburger Kollegiatstifte existieren seit vielen Jahrhunderten ununterbrochen. Die beiden anderen Stifte St. Rupert (Altötting) und St. Martin und St. Kastulus (Landshut) haben zwar alte Wurzeln, wurden aber im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Erst 1930 beziehungsweise 1937 wurde sie wiederbegründet.

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