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Verkehr

Kommt eine Neuauflage der Tram?

Auf Gleis oder auf Reifen – viele Politiker sind für das Projekt, stimmen jetzt aber dagegen. Die CSU fordert eine Studie.
Von Heike Haala, MZ

Seit 1964 fährt die Tram nicht mehr durch Regensburg. Ein ähnliches System soll aber kommen – da sind sich die Parteien einig. Wie es aussehen soll, ist weiterhin umstritten. Ein Bündnis fordert ein sofortiges Bekenntnis zum Betrieb auf der Schiene.
Seit 1964 fährt die Tram nicht mehr durch Regensburg. Ein ähnliches System soll aber kommen – da sind sich die Parteien einig. Wie es aussehen soll, ist weiterhin umstritten. Ein Bündnis fordert ein sofortiges Bekenntnis zum Betrieb auf der Schiene. Foto: IG Historische Straßenbahn

Regensburg.Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Regensburg muss attraktiver werden. Da sind sich die Fraktionen im Regensburger Stadtrat und Verkehrsexperten einig. Wie diese Attraktivität aber genau hergestellt werden soll, dazu gibt es auch weiterhin keinen Plan.

Das wird auch im Vorfeld der Sitzung des Verkehrsausschusses am Dienstag deutlich. Zwei Anträge der CSU befassen sich mit dem Thema Stadtbahn. Die Fraktion fordert eine Machbarkeitsstudie für eine – wie auch immer geartete – Stadtbahn und den Umbau der Kreuzung beim Donaueinkaufszentrum (DEZ), auch um die Trassen für die neue Bahn entsprechend zu gestalten. Laut beider Anträge soll auch mehr Geld als gerade vorgesehen in das Investitionsprogramm eingestellt werden, das am Donnerstag vorbereitet wird. „Als deutliches Signal“, sagt Fraktions-Chef Hermann Vanino, der auch einen entsprechenden Grundsatzbeschluss fordert.

Damit findet das Anliegen des neuen Bündnisses für einen höherwertigen ÖPNV im Raum Regensburg zum ersten Mal seinen Weg auf die Tagesordnung eines Ausschusses. Wenn auch in abgespeckter Form. Denn während es sich die CSU offen lässt, ob die Stadtbahn auf der Schiene oder auf Reifen fahren soll, spricht sich das neue Bündnis dezidiert für einen Betrieb auf dem Gleis aus.

Neues Bündnis findet Gehör

Bei Mitgliedern der Regierungsparteien beißt Vanino mit seinen Anträgen allerdings auf Granit. Und das, obwohl diese die Stadtbahn sogar in ihrem Koalitionsvertrag verankert haben. Vor allem die Nord-Süd-Achse soll schnell überprüft und dann auch umgesetzt werden. Dennoch wird Dr. Tobias Hammerl beide CSU-Anträge ablehnen. Er bezeichnet sie als obsolet. Die Machbarkeitsstudie zur Stadtbahn laufe bereits. Erst dann sei eine Entscheidung möglich, ob die Stadtbahn auf Schiene, als Express- oder als O-Bus kommen soll. Ebenso lehnt Hammerl den Umbau der DEZ-Kreuzung ab. Obwohl er selbst noch vor wenigen Wochen per Video-Blog eine Unterführung an dieser Stelle forderte. Die Begründung für sein Nein: Er sei lediglich für Gesamtkonzepte in Sachen Verkehr zu haben, das aber sei eine nicht zielführende Einzelmaßnahme.

Hier finden Sie den Beitrag in Dr. Tobias Hammerls Video-Blog:

Dieser Meinung ist auch Horst Meierhofer (FDP). Er spricht sogar von Schaufensteranträgen.

Weiterhin wird Walter Erhard (Grüne) – der seine Partei als die Erfinder der Stadtbahn bezeichnet – die Anträge ablehnen. Sie kämen zum falschen Zeitpunkt. „Zuerst braucht es einen Maßnahmenbeschluss, dann können Planungsmittel eingestellt werden“, sagt er. Erhard möchte zudem zunächst wissen, welche Konsequenzen die geplante Bürgerbeteiligung am Kultur- und Kongresszentrum, am Zentralen Omnibusbahnhof und an der damit verbundenen ÖPNV-Trasse für die Stadtbahn hat.

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Sogar Benedikt Suttner (ÖDP), ein Verfechter es Umweltverbunds, wartet ab, was die Verwaltung zum Antrag der CSU sagt, bevor er seine Entscheidung trifft. Den Umbau der DEZ-Kreuzung aber befürwortet er ganz sicher nicht. Bei Irmgard Freihoffer (Linke) dagegen verhält es sich umgekehrt: Sie hält den Stadtbahn-Antrag für überflüssig, den Umbau der DEZ-Kreuzung für die Verbesserung des ÖPNVs aber für sinnvoll.

Auch in Würzburg fährt eine Tram. Sie soll sogar ausgebaut werden. Foto: WVV
Auch in Würzburg fährt eine Tram. Sie soll sogar ausgebaut werden. Foto: WVV

Geht es nach Prof. Walter Weber, dem Sprecher des Bündnisses für einen höherwertigen ÖPNV im Raum Regensburg, muss diese Unentschlossenheit unter den Politikern aber ein unverzügliches Ende finden. Obwohl er sich freut, dass es die Stadtbahn auf die Tagesordnung des Verkehrsausschusses geschafft hat, geht es ihm er vor allem um eine Forderung: die nach einem sofortigen und parteiübergreifenden Grundsatzbeschluss vom Stadtrat für eine Stadtbahn auf Schienen. Für ihn liegt es auf der Hand, dass nur eine Tram hartgesottene Autofahrer dazu bewegen kann, auf den ÖPNV umzusteigen und das strapazierte Regensburger Straßensystem so zu entlasten.

Bald gibt es eine Podiumsdiskussion zu der Stadtbahn.

„Für Regensburg sehr interessant“

Die Ulmer wollen eine zweite Tramlinie. Foto: Stadtwerke Ulm/Neuulm
Die Ulmer wollen eine zweite Tramlinie. Foto: Stadtwerke Ulm/Neuulm

Dieser Meinung ist auch der Bonner Verkehrsexperte Prof. Heiner Monheim. Seiner Ansicht nach ist eine Tram sehr interessant für Regensburg: Denn die Schienensysteme genießen nicht nur eine hohe Akzeptanz, sie laufen auch ruhig, brauchen keinen eigenen Gleiskörper und können so auch durch die historische Altstadt oder Wohngebiete fahren. Zudem seien Tram- und Radverkehr gut kombinierbar. Entscheidet sich eine Stadt aber für die Investition, soll sie besser ein ganzes Netz und nicht lediglich eine einzelne Linie in Betrieb nehmen. Soweit sind die Regensburger aber noch lange nicht.

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