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Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Einsatz

70 Hinweise, doch von Malina keine Spur

Hunde schnüffelten überm Wasser, Taucher tasteten im Schlamm, ein Tipp führt nach Tschechien, sogar ein Seher mischt mit.
Von Heinz Klein. MZ

Regensburg.Rot-weiße Absperrbänder mit dem Schriftzug „Polizei“ flatterten am Freitagvormittag zwischen Hundsumkehr und Herzogspark im kühlen Wind – und es wurden immer mehr. Kripo und Bereitschaftspolizei waren am Morgen an mehreren Stellen an die Donau zurückgekehrt und richteten sich mit jeder Menge Gerät ein. Dabei hatte Polizeisprecher Albert Brück am Vorabend noch einen „Bürotag“ angekündigt. Am Freitag sollten alle am Donnerstag gewonnen Spuren ausgewertet werden. Doch die Polizei hatte sich entschlossen, neue Spuren zu suchen und so wurde aus dem Bürotag ein „Wassertag“.

Spürhund bellte ins Wasser

Taucher suchen die Donau ab. Sie arbeiten sich tastend voran. Foto: Klein
Taucher suchen die Donau ab. Sie arbeiten sich tastend voran. Foto: Klein

Schon gegen 9 Uhr waren drei Polizeiboote auf der Donau unterwegs. Kollegen der Bereitschaftspolizei begannen an diesem trist-grauen Vormittag, den Uferweg von der Hundsumkehr bis zum Herzogspark abzusperren. Ein Radfahrer, der durch wollte, musste sich zuerst als Anwohner ausweisen. Als Polizisten begannen, aus einem Lkw Tauchutensilien auszupacken, war klar, was kommen würde.

Die Polizei hat den Uferbereich abgesperrt. Foto: Johanna Auburger
Die Polizei hat den Uferbereich abgesperrt. Foto: Johanna Auburger

Zwei Boote fuhren mit jeweils einem Leichenspürhund die Strecke zwischen Herzogspark und Eisernem Steg nochmals nah am Ufer ab. Beide Hunde brachen auf einer Strecke von mehreren hundert Metern in Gebell aus und zeigten, dass hier aus einem Verwesungsprozess stammende Gase aus dem trüben Donauwasser aufsteigen. Einer der Spürhunde bellte geradezu wütend in die braune Flut. Nun liefen die Vorbereitungen an.

Armin Bock, Sprecher des Polizeipräsidiums Regensburg, lotste die ständig wachsende Schar von Kameraleuten, Fotografen und Journalisten weg von jenem heiklen Punkt an dem Uferweg am Herzogspark, an dem bald die Taucher ins Wasser gehen würden. Eine Stelle, an der aus einem Kanalrohr Oberflächenwasser von weiß Gott woher in die Donau fließt und tiefe Weidenäste ein Wirrwarr von Zweigen bilden, das bis ins Wasser hängt, wurde zum Hotspot der Suche. Bereitschaftspolizisten einer Spezialeinheit schleppten Plastikkörbe mit Tauchequipment an, ein Teamleiter hakte mit einer Machete störende Äste ab. Dann klinkten sich zwei Taucher in dicke weiße Sicherungsseile, sprachen noch einmal kurz mit ihren Sicherungsleuten und verschwanden um 11.15 Uhr im braun sprudelnden Donauwasser.

Bilder von der Suchaktion gibt es hier!

Wo ist die 20-Jährige Malina?

Aufsteigende Luftblasen zeigten nun an, wo die beiden Taucher unterwegs waren: Nur ein, zwei Armlängen vom Ufer entfernt tasteten sie sich ganz langsam voran. Die Sicht im Wasser, das noch immer von den starken Regenfällen der letzten Tage getrübt ist, betrug von null bis 20, 30 Zentimeter an manchen günstigen Stellen. So mussten die Taucher das Ufer in der Tat komplett abtasten und kamen nur entsprechend langsam voran. Nach einer Stunde hatten die beiden etwa 50 Meter Uferbereich abgesucht, kamen kurz ans Ufer und verschwanden wieder in der Flut. In wenigen Minuten würde ihr Sauerstoffvorrat zu Ende sein. Doch es standen noch vier Reservetaucher bereit.

Inzwischen war die Polizei in einer Stärke von einigen Dutzend Beamten präsent. „Wir tun alles menschenmögliche, um Malina zu finden“, versicherte Armin Bock. Die Vermisste könne auch Opfer eines Verbrechens geworden sein. „Zur Aufklärung des rätselhaften Falls brauchen wir Malina“, sagte der Kommissar. Die Polizei gehe dabei jedem Hinweis nach.

Malina auf Parkplatz in Tschechien?

Malina Klaar wird seit Sonntagmorgen vermisst. Foto: PI Süd
Malina Klaar wird seit Sonntagmorgen vermisst. Foto: PI Süd

Hinweise gab es genug, etwa an die 70, darunter auch rätselhafte. Ein Zeuge hatte der Polizei berichtet, er habe die vermisste Studentin auf einem Parkplatz in Tschechien gesehen. Angesichts der Erfolglosigkeit am Donauufer stürzten sich die überregionalen Medien im Internet nun auf die „tschechische Spur“, die laut Armin Bock aber keineswegs eine heiße sei. Sogar ein Seher hatte der Kripo Hilfe angeboten. Er habe aus 500 Kilometer Entfernung die vermisste Studentin in den Wäldern zwischen Regensburg und Etterzhausen gespürt. Auch dem Täter im Landkreis Regensburg sei er bereits hautnah auf der Spur.

Bis 17 Uhr waren die Taucher am Freitag im Einsatz. Dann stiegen sie aus dem Wasser. Und wieder endete ein Tag ohne eine Spur von Malina. Zumindest die Hoffnung darf weiterleben.

Lesen Sie auch: Ein Spaziergänger hat das Handy der 20-Jährigen entdeckt.

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