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Plagegeister

Mücken: Die Attacke kommt ab halb zehn

Regensburger Forscher ermitteln mit einer Mückenzählmaschine: Von 21.30 bis 22 Uhr sind die Quälgeister derzeit am aktivsten.
Von Heinz Klein, MZ

  • Mückenforscher Dr. Andreas Rose im Mückenlabor der Regensburger Firma Biogents. Hier gibt es zigtausende der Plagegeister. Foto: Klein
  • Die Mückenzählmaschine in einem Weltenburger Garten. Unter schattig-feuchten Büschen verbringen Mücken gerne den Tag. Foto: Dr. Martin Geier

Regensburg. Mücken lieben Feuchtigkeit und Wärme und sie hassen direktes Sonnenlicht, das sie schnell vertrocknen lassen würde. Der verregnete Sommeranfang war also ideal für die Blutsauger. In Hunderttausenden Pfützen, Minitümpeln, Dachrinnen, Gießkannen und Blumenuntersetzern haben sie ihre Brut untergebracht. „Jetzt geht‘s richtig los“, sagt Dr. Andreas Rose, der mit Dr. Martin Geier die Firma Biogents leitet.

Das 18-köpfige Team von Wissenschaftlern hat neben Mückenfallen auch eine intelligente Mückenzählmaschine entwickelt, die im Dienst der Wissenschaft weltweit im Einsatz ist. Sie lockt Mücken an, kann sie von anderen Insekten und Schwebeteilchen unterscheiden und zählen, gleichzeitig Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit messen und die Daten in Echtzeit via Internet übermittelt. Jetzt soll der BG-Counter als nächstes lernen, die verschiedenen Mückenarten zu unterscheiden.

Am Starnberger See liefert eine Mückenzählmaschine seit Wochen permanent Daten und auch in Weltenburg hat ein Counter nun die Arbeit aufgenommen. Erste Ergebnisse sind faszinierend. Sie zeigen, dass Stechmücken ihre Aktivität an einer ganz bestimmten Lichtintensität ausrichten. Sie mögen die Dämmerung, die noch anhaltende Wärme des Tages und die ansteigende Luftfeuchtigkeit, erzählt Andreas Rose.

Mücken mögen Alkohol im Blut

Die maximale Aktivität der Blutsauger liegt derzeit zwischen 21.30 und 22 Uhr. In dieser Zeit werden am Starnberger See pro 15 Minuten mehr als 500 Mücken gefangen, in Weltenburg waren es am Wochenende 85 in einer Viertelstunde. Das ist, um es angesichts der Fußball-EM in andere Worte zu fassen, die Warnung: Die Attacke der Mücken erfolgt rund um die Halbzeitpause der Abendspiele. Das ist für Public-Viewing-Besucher eine durchaus stichhaltige Botschaft.

Dazu kommt ein weiteres Detail, das die Regensburger Biologen in vielen Versuchen ermittelt haben: Ein gewisser Alkoholgehalt im Blut scheint dieses für Mücken attraktiver zu machen. „So etwa ab 0,3 Promille ist das zu beobachten“, hat Andreas Rose ermittelt. Ernüchternd für Biergartenbesucher.

Wen stechen Mücken besonders gern? Und wie können wir uns schützen? Das erfahren Sie in unserer Bildergalerie:

Wie wir uns vor Mücken schützen können

Die Mückenforscher von Biogents sind dabei übrigens nicht zimperlich, halten den Arm ins Mückengewurl der Insektenkästen und zählen die Stiche. „Wenn man ein paar tausendmal gestochen worden ist, hört das Jucken auf und es gibt auch keine Quaddeln mehr“, tröstet Rose.

Die Firma Biogents kommt derzeit mit dem Ausliefern von Mückenfallen kaum nach. Die rund 250 Euro teuren Geräte locken die Mücken mit Kohlendioxid (ein Erwachsener produziert täglich etwa ein Kilogramm) und drei Duftstoffkomponenten, die den menschlichen Körpergeruch – einer Mixtur aus Schweiß, Milch- und Fettsäuren und Ammoniak – nachahmen. Die Mückenfalle produziert zudem eine Duftfahne aus diesen Ausdünstungen, die der Form der menschlichen Duftfahne gleicht. Mücken lesen nämlich Duftfahnen und erkennen an deren Form ihre Opfer.

Glosse

Stop!

Behalte die Mücken im Auge – die Elefanten sollen selbst auf sich aufpassen, empfahl der Schwarzseher Murphy in Murphys Law („Alles was schief gehen kann,...

Ja, es gibt natürlich Unterschiede im individuellen Körpergeruch und es gibt Körpergerüche, auf die Mücken total abfahren und welche, die sie weniger attraktiv finden, sagt Dr. Rose. Er gehört nicht zu Mückenbetörern – und freut sich darüber.

Die Massenvermehrung von Mücken wird sich in den nächsten Wochen noch steigern, prophezeit der Mückenforscher. Nur die relative Kühle war bislang noch ein limitierender Faktor. Doch wenn es jetzt richtig heiß wird und weiterhin bewölkt und regnerisch bleibt, kommt es dicke. Die maximale Aktivität der Mücken wird sich nach der Sommersonnenwende tageszeitlich wieder nach unten bewegen. Die Attacken kommen dann wieder früher. In zwei Wochen wird ihr Maximum zwischen 21 und 21.30 Uhr liegen.

Die asiatische Tigermücke kommt

Was Mückenforscher immer öfter in ihren Fallen finden, sind Mückenarten, die einwandern. „Sie bilden Brückenköpfe“, sagt Dr. Rose. In Baden-Württemberg hat sich eine Population der asiatischen Tigermücke etabliert, die sogar überwintern kann. Tigermücken können Gelbfieber, Dengue und Zika übertragen. Das Problem wird also größer. Wohl deshalb steigt der Computerriese Microsoft ins Mückengeschäft ein und will ein fliegendes Analyselabor konstruieren. Ob Bill Gates da demnächst mal bei Biogents in Regensburg anklopft?

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