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Kirche

Noch kein Platz für die Erinnerung

Das Museum der Bayerischen Geschichte richtet eine Ausstellung zum Papst-Besuch ein. Wie die Stadt daran erinnert, ist offen.
Von Ernst Waller und Micha Matthes, mZ

2006 besuchte Benedikt XVI. seine bayerische Heimat. Die Fahrt mit dem Papamobil auf dem Islinger Feld glich einem Triumphzug.
2006 besuchte Benedikt XVI. seine bayerische Heimat. Die Fahrt mit dem Papamobil auf dem Islinger Feld glich einem Triumphzug. Foto: dpa

Regensburg.Es war das Jahrhundertereignis für Regensburg. Die Straßen waren gesperrt, ein Meer aus gelb-weißen Vatikan-Flaggen jubelte dem Papa-Mobil zu, Benedikt XVI. traf seinen Bruder Georg und betete am Grab seiner Eltern. Eine Viertelmillion Gläubige feierte auf dem Islinger Feld unter freiem Himmel die Papst-Messe, den Höhepunkt des Besuchs von Benedikt XVI. Regensburg erlebte eine bis dahin nicht gekannte Aufmerksamkeit. Täglich war die Stadt bundesweit in den Medien präsent. Und für zehntausende Regensburger und Millionen Christen weltweit bleibt der Besuch ein unvergessliches Erlebnis. Die Stadt war damals drei Tage lang im Ausnahmezustand.

Was bleibt davon, wie geht Regensburg mit diesem Vermächtnis um? Die Stadt will zwar den Bau eines Denkmals zu Ehren von Benedikt XVI. unterstützen, tut sich aber noch schwer damit, eine nachhaltige Würdigung für das Großereignis – etwa in Form eines Dokumentationszentrums – zu finden.

Museum sichert sich Material

Das Museum der Bayerischen Geschichte ist da schon weiter. Dort will man sich dem Ereignis auf jeden Fall widmen. Die historische Dimension des Papst-Besuchs in Regensburg schätzt Richard Loibl, der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte in Augsburg, als einmalig ein: Das werde es vielleicht nie mehr geben, dass ein bayerischer Papst zu Besuch in Regensburg ist. „Noch dazu, wo er hier früher daheim war.“ Loibl ist Chef des Museums der Bayerischen Geschichte, das 2018 am Donaumarkt eröffnet wird. Und für dieses Haus beziehungsweise dessen digitale Verlängerung, die sogenannte Bavariathek, will er sich die Dokumente zum Papstbesuch 2006 auf jeden Fall sichern.

Kommentar

Stadt würde profitieren

Warum um Gottes Willen tut sich diese Stadt nur so schwer mit der Erinnerung an eines der großartigsten Ereignisse, das Regensburg je erlebt hat? Die Bürger...

Er kann sich auch vorstellen, einige Exponate in einer Dauerausstellung zu zeigen. „Uns steht dafür eine große Installation zur Verfügung, die den Rundgang der Dauerausstellung mit markanten Themen der jüngeren Geschichte abschließen wird“, sagt Loibl. Papstshirt und Papstwasser, Objekte, die an das Ereignis erinnern, könnten hier eine neue Bühne finden. „Darüber hinaus können wir uns vorstellen, alles, was medial überliefert ist, vom Foto über Berichterstattung in Zeitung, Hörfunk, Internet und Fernsehen in unsere Bavariathek aufzunehmen.“ In der Bavariathek werden die in der Dauerausstellung präsentierten Themen weitererzählt. Es wird dort aber auch möglich sein, in der bayerischen Geschichte mithilfe eines Multimediaarchivs zu stöbern und selbst mit dem recherchierten Material zu arbeiten.

Einziges Manko dieser Lösung: Das Museum der Bayerischen Geschichte wird erst in zwei Jahren eröffnet. Was vom 11. bis 14. September dieses Jahres – dann ist es genau zehn Jahre her, dass Benedikt die Regensburger in Euphorie versetzte – passiert, bleibt damit weiterhin offen. Nicht einmal die Kirche wolle ein solches Zentrum, hatte OB Joachim Wolbergs in einer Ausschusssitzung in dieser Woche erklärt. Doch die katholische Kirche zeigt sich offen für eine Gedenkstätte. „Die Diözese würde sich einem Dokumentationszentrum nicht verschließen“, betonte deren Pressesprecher Clemens Neck auf Anfrage unserer Zeitung. Und: „Wir würden uns natürlich auch inhaltlich beteiligen.“ Die Initiative dazu müsse von der Politik oder Privatpersonen ausgehen, sagte Neck, die „grundsätzlichen Fragen sollen im politischen Raum geklärt werden“. Die CSU-Fraktion im Stadtrat hat mittlerweile einen Antrag auf Einrichtung eines Doku-Zentrums gestellt, über den noch nicht verhandelt wurde.

Als Vorbild für ein Dokumentationszentrum in Regensburg könnte das Pilgerzentrum in der thüringischen Gemeinde Steinbach dienen.
Als Vorbild für ein Dokumentationszentrum in Regensburg könnte das Pilgerzentrum in der thüringischen Gemeinde Steinbach dienen. Foto: Geradtz

Als Vorbild könnte das Pilgerzentrum in der thüringischen Gemeinde Steinbach dienen, das erst kürzlich zwei Stadträte der Regensburger CSU-Fraktion besichtigten. Entstanden ist dort ein multimedialer Raum: Neben Informationen und Zitaten auf Wandtafeln und einigen Ausstellungsstücken bildet ein großer Touchscreen das Herzstück des Informationszentrums. Auf ihm können mehrminütige Videosequenzen abgespielt werden. Nachdem das Dokumentationszentrum im Juni 2014 eröffnet wurde, kamen bis zum damaligen Jahreswechsel etwa 23 000 Besucher. Im vergangenen Jahr wurden 15 000 Gäste gezählt.

Die Sakristei als Ausstellungsstück

Für einen solchen Ort der Dokumentation in Regensburg gibt es eine Menge an Material. Neben zum Teil hochinteressanten Exponaten aus Privat- und Kirchenbesitz würde auch unser Medienhaus viel Material zum Papstbesuch für ein Dokumentationszentrum beisteuern. Die Geschäftsführung des Mittelbayerischen Verlags stellt dazu gern die komplett digital vorhandene Berichterstattung zum Papstbesuch zur Verfügung. Über Bildschirme könnte man über 100 Zeitungsseiten aus dem September 2006 aufrufen, es gäbe Bewegtbild-Beiträge, die Dokumentation der berühmt gewordenen Regensburger Rede des Pontifex an der Universität und vieles mehr wären zu sehen. Und andere Medien berichteten ja auch intensiv und rund um die Uhr vom Aufenthalt Benedikts XVI.

Auch der Organisator des Papstbesuches, Peter Kittel, würde etwas beisteuern. In seinem Besitz befindet sich die aus drei Modulen bestehende Original-Sakristei vom Islinger Feld, die später auch beim Papstbesuch im thüringischen Eichsfeld noch einmal verwendet wurde.

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