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Politik

Peter Aumer geht für die CSU ins Rennen

Die Kreisverbände Regensburg Stadt und Landkreis wählten ihn mit 81 der 159 gültigen Stimmen zum Bundestagskandidaten.
Von Christof Seidl, MZ

Peter Aumer (rechts) machte am Samstag das Rennen. Die CSU-Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer gratulierte dem neuen CSU-Bundestagskandidaten als eine der ersten.
Peter Aumer (rechts) machte am Samstag das Rennen. Die CSU-Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer gratulierte dem neuen CSU-Bundestagskandidaten als eine der ersten. Foto: cs

Regensburg.Die Kreisverbände Regensburg Stadt und Landkreis haben entschieden. Sie kürten am Samstag im Regensburger Kolpinghaus Peter Aumer (Regenstauf) zum Bundestagskandidaten für die Wahl im September 2017. Der 40-Jährige gewann die geheime Abstimmung sehr knapp. Er erhielt 81 von 159 gültigen Delegiertenstimmen, auf seine Konkurrentin Dr. Astrid Freudenstein (43) aus der Stadt Regensburg entfielen 78 Stimmen. Graf Philip von und zu Lerchenfeld (63), der zweite Bewerber aus dem Landkreis hatte bereits zuvor bekannt gegeben, dass er nicht antritt.

Lerchenfeld verband seinen Verzicht auf eine Kandidatur mit heftiger Kritik an Teilen der CSU im Landkreis. Die Auswahl der Delegierten für diese Wahlversammlung entspreche nicht transparenten demokratischen Kriterien. Bei der Wahl der Delegierten aus dem Landkreis seien der Süden und Osten des Landkreises zu wenig berücksichtigt worden. Im Vorfeld seien die Termine bei Versammlungen in Ortsvereinen oft so gelegt werden, dass er infolge seiner Aufgaben im Bundestag nicht teilnehmen und deshalb seine Arbeit nicht vorstellen konnte.

Lerchenfeld: Es darf keine Erbhöfe geben

Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (63), der amtierende direkt gewählte CSU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Regensburg, verzichtete auf seine Bewerbung.  Er übte heftige Kritik an Teilen der Landkreis-CSU.
Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (63), der amtierende direkt gewählte CSU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Regensburg, verzichtete auf seine Bewerbung. Er übte heftige Kritik an Teilen der Landkreis-CSU. Foto: Seidl

Lerchenfeld stellte die Frage, ob die CSU nichts aus den vergangenen Wahlen gelernt habe. Es sollte immer der beste, der geeignetste Kandidat zum Zug kommen. Stattdessen hänge ein Teil der Landkreis-CSU offenbar der Devise an, es müsse immer ein Landkreis-Kandidat zum Zug kommen. Es dürfe aber keine Erbhöfe geben. Es dürfe nicht darum gehen, jemanden einen Posten zu verschaffen.

Lerchenfeld sagte, eine kleine Gruppe in der Landkreis-CSU wollte offenbar unter sich ausmachen, wer zum Zug kommt. Können, Pflichtbewusstsein, Unabhängigkeit und Verantwortung spielten dabei anscheinend keine Rolle. Lerchenfeld betonte, dies sei nicht sein Politikstil. Deshalb ziehe er seine Bewerbung zurück. Er bat die Delegierten, eine vernünftige, verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.

In der Aussprache verteidigte Fritz Dechant (Regenstauf), Vorstandsmitglied der Landkreis-CSU, die Wahl der Landkreisdelegierten. Das Prozedere sei kurz zuvor nochmals im Vorstand besprochen worden. Das Verfahren sei transparent und fair gewesen.

Auch Thomas Gabler (Hemau) ebenfalls Vorstandsmitglied der Kreis-CSU, sprang für den Land-Kandidaten in die Bresche. Aumer habe in den vergangenen zwei Jahren viel durchgemacht, als er sein sicheres Mandat in Berlin aufgegeben habe, um als Landrat zu kandidieren. Einige Parteimitglieder hätten ihm in dieser Zeit „übelst mitgespielt“. Gabler: „Wir haben Peter Aumer etwas zurückzugeben.“

Der Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Regensburg Stadt, Dr. Franz Rieger, sprach sich für Freudenstein aus. Sie lebe christsoziale Werte, sie habe drei Jahre im Bundestag hervorragende Arbeit geleistet. Freudenstein habe über 50 Reden vor dem Bundestag gehalten, mehr als die meisten anderen Abgeordneten. Sie sei sehr gut vernetzt. Rieger: „Sie kann für uns das beste Ergebnis holen.“

Freudenstein selbst sagte in ihrer Ansprache, sie wisse, welche Macht die CSU im Landkreis hat. Politische Karrieren seien nie planbar, sie spekuliere auf keinen anderen Posten und sie sei auch nicht von der Politik abhängig. Sie habe in den vergangenen drei Jahren im Bundestag unendlich viel Erfahrung gesammelt, sie habe in der Tat rund 50 Reden gehalten, aber keine sei ihr so wichtig erschienen, „wie heute vor Ihnen zu sprechen“.

Freudenstein: In Berlin viel erreicht

Dr. Astrid Freudenstein bei der Stimmabgabe, die Listenabgeordnete der CSU im Bundestag, unterlag Aumer denkbar knapp. Foto: Seidl
Dr. Astrid Freudenstein bei der Stimmabgabe, die Listenabgeordnete der CSU im Bundestag, unterlag Aumer denkbar knapp. Foto: Seidl

Sie habe viel erreichen können in Berlin, auch weil sie viele Kontakte geknüpft habe. Als Beispiel nannte Freudenstein die Verlängerung des sechsspurigen Ausbaus der Autobahn A3 von Regensburg bis Nittendorf. Ihre Motivation sei es, für die Region zu arbeiten. Die Stadt habe bisher nie darunter gelitten, dass der direkt gewählte Abgeordnete aus dem Landkreis kam. Dasselbe gelte auch umgekehrt. Freudenstein sagte, sie sei belastbar und bodenständig. „Ich will aus tiefster Überzeugung mit Leidenschaft Bundespolitik machen.“

Leidenschaft war auch ein Kernthema in der Ansprache von Peter Aumer. Es gehe um den besten Kandidaten. Er sei seit 20 Jahren politisch aktiv und niemand habe ihm jemals mangelnde Leidenschaft vorgeworfen. Er habe zahlreiche politische Mandate vom JU-Ortsvorsitzenden bis zum Bundestagsmandat innegehabt. Aumer „Ich brenne für Politik und Heimat.“

Kurz nach der Entscheidung hat Christof Seidl mit Peter Aumer gesprochen:

Peter Aumer im Interview mit Christof Seidl

Er habe sich im Bundestag erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Sallerner Regenbrücke aus Bundesmitteln finanziert wird. Er mit dem Zukunftsforum und dem Dialogforum Politik für die Menschen erlebbar gemacht. Der Bundesverkehrswegeplan gehe in der Region auf seine Handschrift zurück. Seine Niederlage bei der Landratswahl habe ihn positiv geprägt. Er habe gelernt, dass man auch in solchen Situationen vorangehen müsse.

Politische Karrieren

  • Der Amtierende:

    Philipp Graf von und zu Lerchenfeld war von 2003 bis 2013 Mitglied des bayerischen Landtags und dort unter anderem finanzpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion. Seit 2013 ist er direkt gewähltes Mitglied des Bundestags. Er ist Mitglied des Finanzausschusses und Vertreter in drei weiteren Ausschüssen.

  • Die Listenkandidatin:

    Astrid Freudenstein ist seit 2008 Stadträtin in Regensburg und zog 2013 über die CSU-Landesliste in den Bundestag ein. Sie ist Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales und im Ausschuss für Kultur und Medien sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur.

  • Der Ehemalige:

    Peter Aumer ist seit 2002 Marktrat in Regenstauf und Kreisrat. 2008 wurde er 3. Bürgermeister des Markts Regenstauf. 2009 zog er als Nachfolger von Maria Eichhorn als CSU-Direktkandidat in den Bundestag ein. Aumer war bis zu seinem Abschied vom Bundestag 2013 Mitglied im Finanzausschuss .

Nach seinem knappen Wahlsieg bedankte sich Aumer bei den Delegierten für das Vertrauen. Er bat die CSU-Mitglieder, in den nächsten Monaten gemeinsam für ein gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl im September 2017 zu kämpfen.

Im Gespräch mit unserem Medienhaus sagte Aumer, er sei ohne Erwartungen in diese Wahl gegangen. Das knappe Ergebnis ist für ihn kein negatives Signal. Es gehe jetzt darum, Geschlossenheit zu zeigen. Zur Kritik Lerchenfelds sagte Aumer, das Wahlverfahren für die Delegierten aus dem Landkreis sei fair und transparent gewesen. Diese Wahl sei auch bei früheren Nominierungen so gehandhabt worden.

Auseinandersetzung im Vorfeld

Seit Monaten schwelte eine Auseinandersetzung zwischen Aumer und Lerchenfeld. Aumer, der ab 2009 als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag saß, kandidierte 2013 nicht mehr, um Landrat zu werden, was bekanntlich nicht gelang. Im März kündigte er dann seine erneute Kandidatur an, Lerchenfeld hielt dagegen. Bei der Wahl der Landkreisdelegierten erhielt Aumer die meisten Stimmen aller Delegierten, während Lerchenfeld nur auf Platz 183 landete – für einige CSU-Politiker kam das einer Vorentscheidung gleich.

Peter Aumer wird CSU-Direktkandidat

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