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Regensburg ist inklusiver geworden

Das Projekt „Regensburg inklusiv“ läuft bald aus – ohne aber zu enden. Die KJF übergibt ein wertvolles Netzwerk an die Stadt.
Von Heinz Klein, MZ

  • Eines der Inklusionsprojekte: Die Aufführung des Theaterstücks „Die Brücke der Begegnung“ beim Katholikentag Foto: Archiv/Peter Ferstl
  • Nach drei Jahren endet die Projektverantwortung der KJF. Im Bild (von links) Abteilungsleiter Bertin Abbenhues, Projektkoordinator Thomas Kammerl und KJF-Direktor Michael Eibl mit der „Regensburger Erklärung“. Foto: Klein

Regensburg.Der Boden ist bereitet, es ist gesät und gepflanzt, manches Pflänzchen der Inklusion ist schon gewachsen und ein paar kleine Ernten hat es auch gegeben. So beschreibt Thomas Kammerl, Koordinator des Projekts Regensburg inklusiv die Ergebnisse seiner fast vierjährigen Arbeit. Die wird er im Juli in die Hände von Frank Reinel, den Inklusionsbeauftragten der Stadt übergeben. Es ist ein kleiner Schatz, ein sorgfältig geknüpftes Netzwerk, ein Ideenspeicher für gelebte Inklusion.

Die Stadt steckte 120 000 Euro in den Topf, die Katholische Jugendfürsorge rund 62 000 Euro und die Aktion Mensch 144 000 Euro. Als wichtiger Partner stieg die OTH ins Boot und so konnte „Regensburg inklusiv“ im Oktober 2012 starten – eine Vision, die darauf zielt, alle Menschen in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit ganz selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft sein zu lassen. Man muss niemanden integrieren, wenn er ohnehin dazugehört, auch wenn er aufgrund eine Behinderung ein wenig anders ist.

Regensburg inklusiv wurde ein Label

„Es war mutig von der Stadt, das Projekt an einen freien Träger zu übergeben“, sagt Michael Eibl, Direktor der KJF, die die Projektverantwortung übernahm. So machte sich Thomas Kammerl an die Arbeit, richtete Arbeitsgruppen (die Inklusionszirkel Bildung, Arbeit, Wohnen, Sport/Gesundheit und Kunst/Kultur) ein und ging auf Partnersuche. Mehr als eine halbe Hundertschaft an Firmen, Verbänden, Behörden und Institutionen hat er zu einem Netzwerk geknüpft, beschrieb KJF-Abteilungsleiter Bertin Abbenhues diese Arbeit. So ist mit Regensburg inklusiv eine Marke entstanden, ein Schirm, unter dem sich vom großen Träger bis zum kleinen Selbsthilfeverband aller wiederfinden konnten, ohne ihre Identität zu verlieren.

Das Thema Arbeit und die Kooperation mit der Wirtschaft war ein zentraler Baustein, der in der „Regensburger Erklärung“ Form annahm. 15 Paten erklärten sich bereit, für das Ziel zu arbeiten, mehr Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Inzwischen arbeiten in den Inklusionszirkeln rund 120 fachkundige Menschen ehrenamtlich mit.

„Im Thema Arbeit ist viel Musik“, bestätigt Michael Eibl. Gerade die Integrationsbetriebe sind wichtiges Bindeglied zwischen Werkstätten und den Konzernen. Ebenfalls wichtig: das Thema Wohnen. Architekten lassen im Inklusionszirkel ihr Fachwissen einfließen und lernen die Bedürfnisse von Behinderten aus erster Hand kennen. Handwerkern zu vermitteln, was echte Barrierefreiheit bedeutet, war ein zweiter Ansatz. Bauträger zu finden, die wirklich behindertengerechte Wohnungen zu bezahlbaren Preisen bauen, bleibt das Ziel. Der Kunst- und Gewerbeverein, der das Haus in der Gesandtenstraße barrierefrei umbaute, ist ein Beispiel, das hoffentlich Schule macht, hofft man bei der KJF.

Formulare in Leichter Sprache

Die größte Barriere aber ist die Sprache. Hier ist mit dem Büro „sag‘s einfach“ ein Projekt entstanden, das sich einmal selbst tragen soll, erzählt Bertin Abbenhues. Es gibt bereits eine ganze Reihe von Kunden, die die Dienstleistung des Büros gerne in Anspruch nehmen. Die Stadt zählt dazu und lässt nun Formulare in Leichter Sprache übersetzen. Die Steuererklärung in Leichter Sprache wird aber wohl ein Traum bleiben, waren sich die KJF-Verantwortlichen mit einem Schmunzeln ziemlich sicher.

Froh ist KJF-Direktor Michael Eibl beim Thema Bildung über das inzwischen unkomplizierte Miteinander von Förderzentren und Regelschulen. Weil behinderte Kinder ja auch Regelschulen besuchen, wird es für die Lehrkräfte zunehmend wichtiger, sich im inklusiven Lehren fortzubilden.

Die Teilhabe von Menschen mit Behinderung habe inzwischen einen anderen Stellenwert erreicht, freut sich Eibl und versichert, dass die KJF bei diesem Thema weiter mitgehen wird. Thomas Kammerl wird im Juli einen Aktionsplan und einen gut gefüllten Ideenspeicher übergeben und sich dann wieder seiner früheren Tätigkeit in der Lernwerkstatt widmen.

Das Projekt und die Übergabe

  • Vom Theater bis zur Stadtführung

    Im Rahmen von Regensburg inklusiv entstanden neben den Inklusionszirkeln eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Eine Gruppe von Schauspielern mit und ohne Behinderung arbeitete in Regensburg an einem inklusiven Theaterstück und baute „eine Brücke der Begegnung“. Inklusive Stadtführungen, ein inklusiver Kinderfasching sowie Aktionstage wie „barrierefreies Bauen“ gehörten mit dazu. Weil das Miteinander Kochen verbindet, organisierte Kammerl Nudelpartys, bei denen Teilnehmer verschiedenster Bereiche ins Gespräch kamen.

  • Ein buntes inklusives Fest g Am 22. Juli ist Staffelübergabe von Regensburg inklusiv. Um 15.30 Uhr heißt KJF-Direktor Michael Eibl im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum interessierte Gäste zu einem bunten inklusiven Fest willkommen. Es sprechen OB Joachim Wolbergs und Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH, sowie Irmgard Badura, Behindertenbeauftragte der Staatsregierung und Raul Aguayo-Krauthausen, Berater für Inklusion. Projektkoordinator Thomas Kammerl zieht eine Zwischenbilanz. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten: anmeldung@regensburg-inklusiv.de

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