MyMz
Anzeige

Erziehung

So machen Eltern Grundschüler stark

Mütter und Väter sollen nur „Basislager“ für ihren Nachwuchs sein, sagte Familientherapeut Scheuerer-Englisch in Regensburg.
Von Daniel Geradtz, MZ

Familientherapeut Dr. Hermann Scheuerer-Englisch gab dem Publikum Tipps an die Hand.
Familientherapeut Dr. Hermann Scheuerer-Englisch gab dem Publikum Tipps an die Hand.Fotos: Geradtz

Regensburg.Die intensive Bindung zu den Eltern kann die Kinder im Schulalltag beflügeln. Doch wer sich falsch um den Nachwuchs sorgt, droht ihn zu stressen. Ein solches Verhalten kann sich auf die Einstellung zur Schule und damit auch auf die Lernbereitschaft und die Leistungen auswirken, sagt Familientherapeut Dr. Hermann Scheuerer-Englisch. Er wies am Dienstagabend in letzten Vortrag der Reihe „Gebt den Kindern Flügel – Abenteuer Schule“ in der gut gefüllten Buchhandlung Dombrowsky auf das Spannungsfeld hin.

„Mit der Kraft der Bindung in die Schule – Mit der Liebe der Eltern lernen“ lautete sein Thema. Der Referent machte deutlich, dass die Einschulung eine große Umstellung für die Kinder sei. „Kindergartenkinder dürfen ausdrücklich spielen. Sie lernen durch Spielen. Sobald sie in die Schule kommen, wissen sie, dass es um andere Dinge geht. Auch um den Vergleich.“ In diesem Alter stehe die Familie in ihrem Mittelpunkt. Aus diesem Grund hält es Scheuerer-Englisch für wichtig, dass den „jungen Gipfelstürmern daheim ein Basislager“ geboten wird, um Sicherheit und Energie für die Schule zu sammeln.

Eltern sollen sich zurücknehmen

„Das Basislager hat nicht die Aufgabe, mit raus in die Schule zu gehen. Das fällt uns Eltern teilweise schwer“, so der Familientherapeut der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese. Vielmehr sei es die Aufgabe der Eltern, durch positive Bindung dem Nachwuchs die Fähigkeiten und persönlichen Eigenschaften mit auf den Weg zu geben, die ihn im Unterricht stark machen.

Mit dem Eintritt in die Grundschule stehen die Kinder laut dem Experten im Spannungsfeld der Erwartungen: Die Eltern äußern andere Vorstellungen als die Schule. Dabei würden Kinder dazu tendieren, die Sichtweise der Eltern einzunehmen und deren Erwartungen erfüllen zu wollen.

Doch auch wenn die Eltern frustriert oder hilflos sind, weil der Nachwuchs die Hausaufgaben vor sich herschiebt, sollten sie ihre Gefühle unter Kontrolle halten. „Je mehr wir uns zurückfahren und entschleunigen, desto mehr werden die Gefühle des Kindes sichtbar“ sagte Scheuerer-Englisch. Mit geschickten Fragen könne dem Kind eine Hilfestellung gegeben werden, um die Blockade abzubauen. „Fragen Sie nach Ideen: Wo könntest du mit deinen Aufgaben anfangen?“, riet der Therapeut. Vor dem Beginn der Hausaufgaben stünde deswegen oftmals „Gefühlscoaching“. Statt Vorschriften und Regeln aufzustellen, sollten Eltern den Gefühlszustand der Kinder ergründen, benennen und Auswege aufzeigen. Diese zielorientierte Kommunikation helfe den Kindern auch dabei, ihre Gefühle zu regulieren.

Druck führt zu mieser Stimmung

Würden sie die Schulaufgaben lediglich unter Druck erledigen, sei damit eine miese Stimmung verbunden. Sobald die Schüler einmal mit der Arbeit begonnen hätten, sollten sie diese möglichst selbstständig weiterführen. „Eltern hören nur interessiert zu und regen ab. Sie holen nicht die Fakten aus dem Text“, sagte er. Denn häufig würden die Schüler in ihrer Arbeitshaltung passiver, je aktiver die Eltern sich einbringen würden.

Diplom-Sozial-Pädagogin und Buchhändlerin Daniela Dombrowsky rundete den Vortrag mit Lese-Empfehlungen für Grundschüler ab. Sie rät Eltern: Wichtig für Leseeinsteiger sei, dass der Text nicht zu wuchtig erscheine. Er sollte durch Zeichnungen oder großen Zeilenabstand aufgelockert werden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht