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Stadt bei Barrierefreiheit auf gutem Weg

Offene Behindertenarbeit befragte in Regensburg Passanten. Das Ergebnis: Es wird viel getan, aber es ist noch Luft nach oben.
Von Lena Schroeder, MZ

Die Initiatoren des Aktiontags in Regensburg: Gabriele Walbeck (von links stehend), Sandra Guba, Rudolf Pichlmeier, Melanie Simon, Lisa Glashauser und Edmund Bachmeier, vorne Rosmarie Beiderbeck
Die Initiatoren des Aktiontags in Regensburg: Gabriele Walbeck (von links stehend), Sandra Guba, Rudolf Pichlmeier, Melanie Simon, Lisa Glashauser und Edmund Bachmeier, vorne Rosmarie Beiderbeck Foto: Schroeder

Regensburg.Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai luden die vier Träger der OBA – Caritas, Kontaktgruppe Behinderte/Nichtbehinderte, Lebenshilfe und Phönix – zu einem Infostand am Haidplatz ein. Das Motto des bundesweiten Tags lautete „Einfach für alle – Gemeinsam für eine barrierefreie Stadt“.

In ganz Deutschland veranstalten Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und –selbsthilfe rund um den 5. Mai zahlreiche Aktionen zum Thema Barrierefreiheit. Ziel ist es, die Kluft zwischen dem im Grundgesetz verankerten Anspruch auf Gleichberechtigung und der Lebenswirklichkeit Stück für Stück zu überwinden.

Dabei ist das Thema Barrierefreiheit deutlich komplexer als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Barrierefreiheit bedeutet, dass Gebäude und öffentliche Plätze, Arbeitsstätten und Wohnungen, Verkehrsmittel, Dienstleistungen so gestaltet sind, dass sie für alle ohne fremde Hilfe zugänglich sind. Da reicht es nicht aus, wenn statt Treppen Rampen vorhanden und die Türen breiter sind. Barrierefreiheit bedeutet genauso, dass Formulare nicht in komplizierter Amtssprache, sondern für jedermann verständlich sind. Genauso zählt zur Barrierefreiheit, dass auch gehörlose Menschen einen Vortrag verfolgen können.

„Wir rufen meistens vorher an und fragen nach, ob auch genügend Platz für Rollstühle ist.“

Lisa Glashauser

Lisa Glashauser und Melanie Simon von der Caritas kennen die Probleme, denen behinderte Menschen sich gegenüber sehen, nur zu gut. Noch immer ist die Zahl der Gaststätten groß, die über einen barrierefreien Zugang, aber keinen Aufzug zur Toilette verfügen. „Ich kenne einige, die ihren Restaurantbesuch nicht danach auswählen, ob sie italienisch oder griechisch essen möchten, sondern nach der Barrierefreiheit“, sagt Simon.

Häufig gebe es auch ein Platzproblem. „Wir rufen meistens vorher an und fragen nach, ob auch genügend Platz für Rollstühle ist“, erzählt Glashauser. Gerade für jüngere Menschen sehen beide noch viel Nachholbedarf.

Die Passanten am Haidplatz waren aufgerufen, Regensburg in Bezug auf Barrierefreiheit zu bewerten. Auf einem Zettel konnten sie Positives wie Negatives notieren und auf einen skalierten Pfeil heften. Da zeigte sich: Es wird zwar viel getan, allerdings ist noch Luft nach oben.

Kritisiert wurden vor allem die viel zu wenig vorhandenen barrierefreien Toiletten in den Gaststätten sowie fehlende Aufzüge. Gefahren sehen die Regensburger in den Altstadtbussen sowie darin, dass sich Fahrradwege bei Bushaltestellen oft direkt neben den Bürgersteigen befinden und so die Unfallgefahr erhöhen. Zudem wurde bemängelt, dass Behindertenparkplätze häufig zweckentfremdet würden.

Die Aktion Mensch

  • Initiative:

    Der Europäische Protesttag wurde 1997 von der Aktion Sorgenkind – heute Aktion Mensch – ins Leben gerufen. Er ging aus einer Initiative zum Thema Grundgesetz hervor, in welches der Satz „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ Einzug halten sollte. Seit 1998 laufen alle Veranstaltungen unter diesem Namen.

  • Zielsetzung:

    Ziel ist es, auf die Situation von Menschen mit Behinderung in Deutschland aufmerksam zu machen und sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können.

Anderes wiederum lässt sich nur schwer verbessern, etwa „steile und enge Straßen“ sowie das Regensburger Kopfsteinpflaster, das gerade für sehbehinderte Menschen eine echte Herausforderung darstellt. Wie sehr, das konnten die Passanten mittels einer Brille, die die Sicht einschränkt, und einem Blindenstock an Ort und Stelle testen. Auch eine Tour im Rollstuhl über den Haidplatz war möglich.

Aber auch positive Aspekte fielen den Passanten zur Barrierefreiheit in Regensburg ein. So lobten viele den Fußgängerüberweg beim DEZ sowie die Uni Regensburg, die im Vergleich zu anderen Städten als „sehr rollifreundlich“ bewertet wurde.

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