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Umwelt

Stadt legt Bäume auf der Jahninsel um

In Regensburg regiert ab Montag zwischen Grieser Steg und Liegewiese die Motorsäge. Wie viele Bäume fallen, ist unklar.
Von Heike Haala, MZ

  • Die Jahninsel wird während der Arbeiten komplett gesperrt. Foto: Wagner
  • Morsches Holz macht umfangreiche Gehölzschnittmaßnahmen nötig. Foto: Gartenamt
  • Morsches Holz macht umfangreiche Gehölzschnittmaßnahmen nötig. Foto: Gartenamt

Regensburg.Der Kahlschlag an der Ecke Bäckergasse/Frankenstraße und eine Baumverstümmelung im Stadtwesten erhitzten kürzlich die Gemüter der Regensburger. Ab Montag stehen fünf Tage lang die nächsten „Gehölzschnittmaßnahmen“ – wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt – ins Haus. „Umfangreich“ werden sie sein und sie werden die grüne Lunge der Stadt, die Jahninsel, betreffen. Zwei Faktoren, die der Aktion gesteigerte Aufmerksamkeit zukommen lassen dürften.

Auf dem städtischen Grund zwischen dem Grieser Steg und der Liegewiese, nördlich der Anlagen der Schwimmabteilung des SSV Jahn 1889 Regensburg werden etwa 40 Bäume betroffen sein. Auch eine kleine Baumgruppe auf der Liegewiese soll gestutzt werden, kündigt der Gartenamtsleiter Hans Dietrich Krätschell im MZ-Gespräch an. Walter Hettenkofer, der stellvertretende Vorsitzende der Schwimmabteilung des SSV Jahn 1889 Regensburg, sagte, dass die Stadt Pläne an den Verein weitergegeben hätte, in denen verzeichnet sei, welche Bäume auf dem Gelände der Schwimmabteilung einen Schnitt bekommen sollen. Wie viele Bäume davon betroffen seien, konnte er im MZ-Gespräch aber nicht sagen.

„Die Maßnahme ist unvermeidbar“

Gartenamtsleiter Krätschell sagt, dass sich erst beim Zurückschneiden entscheiden wird, welche Arbeitsschritte an den einzelnen Bäumen notwendig sind. Er kann deswegen noch nicht sagen, wie viele Bäume gefällt werden müssen. Zwei oder drei werden es aber sicher sein. Beim Rest werde sich entscheiden, ob sie – je nach Zustand – Teile ihrer Kronen einbüßen müssen, ob Totholz entnommen wird oder ob sie einen Kronensicherungsschnitt bekommen. Krätschell beteuert einerseits, dass das Gartenamt Schnittmaßnahmen oder die Fällungen erst dann vornimmt, wenn sie unvermeidbar sind, kündigt aber auch unumwunden an, dass die Jahninsel nach dieser Aktion anders aussehen wird als zuvor.

Der Grund für die Fällaktion ist laut Krätschell, dass die Weiden und Pappeln, die inzwischen alle 80 bis 100 Jahre alt sind, abzusterben drohen. Ihr Holz wird morsch, weswegen sie zu einer Gefahr für die Menschen werden, die den beliebten Trampelpfad zwischen der Liegewiese und der Treppe zum Grieser Steg nutzen. Weil die Bäume alle im gleichen Lebensalter sind, spricht er von einem regelrechten „Umbruch“, in dem sich die Natur an dieser Stelle befinde. Bei den Baumfällarbeiten wird sich laut Krätschell zeigen, wie morsch das Holz bereits ist und in welchem Umfang die Bäume gestutzt werden. Das könne beispielsweise mit einem Sondierungsstab abgeklärt werden.

Verbände hoffen auf Milde

Ernst Seidemann, Kreisgruppenvorsitzender vom Landesbund für Vogelschutz, appelliert an die Stadt, dass sie so viel an Baumbestand wie möglich erhalten soll – etwa wegen der Fledermäuse und Spechte, für die die Bäume Lebensraum sind. Er vermutet, dass die Aktion die Bevölkerung in Aufruhr versetzen könnte. Sobald durch die Bäume ein Risiko für die Bürger bestehe, müssten sie aber gefällt werden. Ähnlich sieht es Tina Dorner vom Bund Naturschutz. Sie verweist zudem auf eine Erhebung, nach der in den alten Bäumen „interessante Käferarten“ leben könnten. Auch Dorner hofft deswegen, dass der Schnitt nicht zu radikal ausfällt.

Krätschel verspricht, dass die Arbeiter an dieser Stelle nicht „Tabula rasa“ machen werden, wie es etwa an der Schillerwiese im Stadtwesten vor zwei Jahren der Fall war. „Es wird ein deutlicher Einschnitt, aber wir werden nachher nicht bei Null anfangen müssen“, sagt er. Um den Tieren, die in den Baumhöhlen wohnen, ihren Lebensraum nicht wegzunehmen, würden diese nur so weit wie unbedingt nötig gestutzt werden.

Der Gartenamtsleiter stützt sich bei der Entscheidung auf ein externes Gutachten, das die Notwendigkeit zeitnaher und umfangreicher Gehölzschnittmaßnahmen attestiere. Alle Maßnahmen sind laut Pressemitteilung zudem mit der unteren Naturschutzbehörde, dem Umweltamt der Stadt Regensburg, abgestimmt und bereits genehmigt.

Runder Tisch zur Aufforstung

Krätschell hat auch die Zeit nach der Fällaktion im Blick. Der Gartenamtsleiter geht davon aus, dass die Jahninsel weiterhin eine Weichholzaue bleiben wird, die sowohl der Stadtnatur als auch der Naherholung Rechnung tragen wird. Für die Aufforstung kündigt er ein ähnliches Verfahren wie nach den Rodungen auf der Schillerwiese an: Ein runder Tisch, an dem Behörden, Verbände und Bürger zusammenkommen, wird darüber entscheiden, wie die Stelle wieder aufgeforstet werden kann. Einen Zeitplan dafür gebe es noch nicht. Das begrüßt Dr. Josef Paukner von der Donau-Naab-Regen-Allianz (DoNaReA), auch wenn auch er erst im MZ-Gespräch von der Aktion erfahren hat. Er wünscht sich, dass sich die Bürger an den Plänen beteiligen können.

Während der Arbeiten, die am Montag beginnen und wegen der Brutsaison der Vögel spätestens am 28. Februar abgeschlossen sein müssen, wird die Jahninsel komplett gesperrt.

Gehölzschnittarbeiten auf der Jahninsel

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