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Musik

Stadt verbannt DJs vom Bürgerfest

Klänge „von Tonträgern“ sind 2017 verboten – weil sie nicht „live“ sind, sagt der Regensburger Kulturreferent.
Von Julia Ried, MZ

Einmusik trat 2015 auf dem Neupfarrplatz in Regensburg auf.
Einmusik trat 2015 auf dem Neupfarrplatz in Regensburg auf. Foto: Juri Lotz

Regensburg.Für viele Bürgerfestbesucher, vor allem jüngere, gehörte die Bühne auf dem Neupfarrplatz 2015 fest zum persönlichen Partyprogramm: Dort gab es elektronische Musik zu hören, legten abends DJs auf: Nico Pusch aus Rostock etwa und DJane Bebetta aus Bremen. Aus Sicht der Stadt ein Ausreißer: Sie will auf dem Bürgerfest 2017 keine Auftritte wie diese haben, hat die Vorgaben, denen kürzlich der Kulturausschuss zustimmte, extra eng gefasst. In die Liste für die Bewerbung als Platzbetreiber nahm sie unter „nicht zugelassen“ auch „Musik von DJs“ auf.

Anlass dazu gaben ihr wohl unter anderem Beschwerden von Platzbetreibern, die die Philosophie des Bürgerfests als Veranstaltung mit Livemusik verletzt sahen – und dies bei der Manöverkritik moniert hatten.

Das Kulturamt definiert Livemusik

Kulturreferent Klemens Unger hatte daraufhin „verwaltungsintern abklären“ lassen, was unter Livemusik zu verstehen sei, sagt er. „Wir haben uns die Definitionen angesehen, wir haben uns rechtlich beraten lassen.“ Im Ergebnis schloss das Kulturamt in den Kriterien für 2017 „auf Tonträgern gespeicherte Musik, die in einer individuellen Auswahl vor Publikum ohne ,handgemachte‘ Instrumentalbegleitung abgespielt wird“, aus.

So stellt sich die Stadt Livemusik vor.
So stellt sich die Stadt Livemusik vor.Foto: altrofoto.de

Getränkehändler Uwe Kabas gehört zu den Platzbetreibern, die hoffen, dass die Stadt diesen Worten auch Taten folgen lässt. Er bespielte 2015 die Bühne am Weinmarkt. Mit Rock, Rock ’n’ Roll und Partymusik sei er seit 1999 auf dem Bürgerfest vertreten; 2015 machten auf seinem Platz unter anderem die Sunny Bottom Boys und der Froschhax’n-Express Livemusik, wie Kabas sie sich vorstellt. Das, was am Neupfarrplatz gespielt wurde, zählt für ihn nicht dazu. „Ich weiß nicht, warum das erlaubt wurde. Ich habe angesprochen, was das soll“, sagt er über die Bürgerfest-Nachbesprechung, die das Kulturamt zum Handeln veranlasst hatte. Auch dass Gastronomen ihre Freisitze oder Stände mit „Konservenmusik“ beschallten, stört Kabas. Daran stößt sich auch Karin Griesbeck von der Filmbühne, die das Musikprogramm auf dem Bismarckplatz organisierte. „Das finde ich auch nicht optimal.“ Ansonsten gelte für sie: „Jeder soll das machen, was er machen will, solange es den Leuten gefällt.“

Kabas ist da kritischer: „Wir kümmern uns um Livemusik, die entsprechend Geld kostet und Aufwand bedeutet, und halten uns an die Regeln.“ Andere hätten dagegen verstoßen. „Und es wurde nichts unternommen“, beklagt er gegenüber unserer Zeitung.

Kulturreferent Unger erklärt die Tatsache, dass zum Bürgerfestprogramm 2015 Plattendreher beziehungsweise Knöpfchendrücker gehörten, mit dem Satz: „Wir hatten vergangenes Jahr die Situation, dass ein Platzbetreiber erst acht Tage vorher sein Programm eingereicht hatte.“ Das Amt habe sich daraufhin genötigt gefühlt, die DJs zuzulassen – weil der Zuspätkommer keine Band mehr organisieren hätte können.

Um wen es sich handelt, möchte Unger nicht sagen – elektronische Musik gab es auch am Kassiansplatz zu hören. Dort stand unter anderem der Nürnberger DJ Patrick Jahn auf der Bühne, mit Elektro, Funk, Soul und Blues.

Für den Neupfarrplatz hatte die Veranstaltungsagentur Stadtmaus den Zuschlag erhalten. Sie überließ das Bespielen dem Discobetreiber Sascha Al Mahmoud, kümmerte sich aber um das Organisatorische, wie Stadtmaus-Geschäftsführer Thomas Ruhfaß sagt. Ob er alle geforderten Fristen einhielt, kann er nicht mehr mit Gewissheit sagen.

Die Technik als Instrument

Ruhfaß erklärt aber, er habe die Vorgaben nicht unterlaufen wollen – für ihn sei Live-DJing, wie 2015 am Neupfarrplatz geboten, Livemusik. Was darunter fällt, darüber gingen die Meinungen auseinander, räumt er ein. Seine Definition von Live-DJing mailt er uns: „Der DJ-Artist verzichtet weitestgehend auf vorgefertigte oder vorveröffentlichte Tracks und generiert seine Klangeffekte live während des Gigs. Hier kommen keine CDs zum Einsatz, sondern hochmoderne Technik, die in ihrer musikalischen Sensibilität analogen Instrumenten in nichts nachsteht.“ Der DJ als Künstler unterscheide sich so deutlich vom „klassischen DJ“. „Der DJ bedient sich hierbei ausschließlich vorproduzierter und vorveröffentlichter Tracks, er fungiert als Dienstleister des jeweiligen Partyveranstalters.“

„Der DJ-Artist verzichtet weitestgehend auf vorgefertigte oder vorveröffentlichte Tracks und generiert seine Klangeffekte live während des Gigs.“ Thomas Ruhfaß, Platzbetreiber

Er selbst habe zu elektronischer Musik keinen Zugang, sagt der Stadtmaus-Chef. Doch vielen jungen Leuten gefalle sie. „Ich weiß nur, dass diese Bühnen unglaublich gut besucht waren“, sagt er über die Feste 2015 und 2013; damals hatte Ruhfaß die Gebrüder Teichmann gebucht. Er werde die Entscheidung der Stadt selbstverständlich akzeptieren, betont er. Doch schade finde er sie – solle das Bürgerfest doch den Musikgeschmack möglichst vieler treffen. Unger dagegen will seinen bisherigen Charakter bewahren. „Natürlich kann man Konzepte aufweichen. Wenn es dafür eine breite Mehrheit gibt.“ Im aktuellen Fall sehe er die nicht. „Die Regensburger lieben ihr Bürgerfest.“

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