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Gestaltung

Stadtteil-Veranda spaltet Gemüter

Grüne Oase oder Schandfleck – während die Anhänger der Transition-Bewegung der Eröffnung entgegenfiebern, wird Kritik laut.
Von Heike Haala, MZ

Die neue Stadtteil-Veranda im Obermünsterviertel Foto: Haala
Die neue Stadtteil-Veranda im Obermünsterviertel Foto: Haala

Regensburg.Die „Grüne Oase“, das neue Bürgerprojekt in der Obermünsterstraße, ist noch nicht einmal ganz fertig und sorgt schon ordentlich für Furore unter den Regensburgern. Während die Erbauer – das sind die Anhänger der Transition-Bewegung und viele Nachbarn aus dem Viertel – in diesen Tagen noch fleißig pflanzen, sägen, heimwerkern und der Eröffnung der Stadtteil-Veranda entgegenfiebern, wird unter Passanten und in der Netzgemeinde Kritik an dem neuen Aufenthaltsraum in der Öffentlichkeit laut.

Seit Anfang Mai haben die Erbauer das Projekt regelrecht aus dem Boden gestampft. Es handelt sich dabei um ein etwa 50 Quadratmeter großes Holzpodest mit Pflanzmodulen und Sitzgelegenheiten aus Holz, einer öffentlichen Biotonne oder auch Wasserkanistern als Teil der Balustraden-Konstruktion. Errichtet wurde es auf den fünf westlichen Parkplätzen in der Straße. Die Stadt hat das Projekt zunächst bis Oktober und mit Option auf Verlängerung bis 2017 genehmigt. Die Regensburger sollen es als Veranda oder für eigene Projekte nutzen.

Kritik an der Plattform

Der Bauzaun, der Pavillon oder die Optik der Konstruktion etwa lassen aber einige unter ihnen skeptisch werden. „Was für ein Wildwuchs“, sagt eine Frau mit Kinderwagen. Eine andere Passantin inspiziert indessen den Pavillon auf den Kisten und die Paraventteile in der Umfassung der Plattform. „Ist das bei Unwetter auch sicher?“, fragt sie und deutet auf die Nägel, mit denen das offene Zelt im Holz der Kisten verankert ist.

Auch manche Mitglieder der Facebook-Gruppe „Du bist ein echter Regensburger, wenn...“ beäugen das Projekt inzwischen mit Argwohn: Es sehe aus „wie unter einer Brücke“, schreibt eine Userin. Andere würden am liebsten den Regensburger Gestaltungsbeirat vor das Podest zitieren. Eine Userin äußert die Befürchtung, dass die Stelle zum Schandfleck werden könnte, „Sperrmüll“, schreibt ein anderer.

Stadt versteht die Aufregung nicht

Anton Sedlmeier vom Amt für Stadtentwicklung kann die Aufregung nicht verstehen. Er verweist darauf, dass dem Projekt eine intensive Bürgerbeteiligung vorausgegangen ist, damit es von möglichst vielen Regensburgern mitgetragen wird. „Die Grüne Insel soll, temporär und im Vorgriff auf die grundlegende Neugestaltung der Straße nach 2017 für öffentlich zugängliche Sitzmöglichkeiten und mehr Grün und damit kurzfristig für eine Steigerung der Aufenthaltsqualität im Viertel sorgen“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Für die Umsetzung haben die Erbauer laut Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra eine befristete Sondernutzungserlaubnis für die betroffenen Parkplätze erhalten. Eine Genehmigung des Gestaltungsbeirats sei hier unnötig.

Die Sondernutzungserlaubnis setze den gesetzlichen und baulichen Rahmen fest, der den Umsetzern gemacht wird. In dem Papier, das der MZ in Auszügen vorliegt, ist auch von Auflagen die Rede: Beispielsweise ist die Plattform keiner gastronomischen Einrichtung zugeordnet und darf keinen wirtschaftlichen Zwecken dienen. Die Stadt gibt weiter vor, dass die Betreiber den öffentlichen Straßengrund so benutzen, dass niemand gefährdet, geschädigt oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindert oder belästigt wird. „Jede Straßenverunreinigung ist zu vermeiden“, heißt es in dem Schriftstück weiter. Und: „Der/die Inhaber/in der Erlaubnis haftet für alle Schäden (z. B. Personen-, Sach-, Vermögensschäden), die im Zusammenhang mit der Benutzung des städtischen Straßengrundes verursacht werden.“

Für Sedlmeier geht aus diesen Zeilen klar hervor, dass die Betreiber für die Sicherheit der Oase zuständig sind. „Wenn ich privat einen Pavillon aufbaue, muss ich auch dafür haften, wenn andere durch ihn einen Schaden erleiden,“ sagt er im MZ-Gespräch. Er geht davon aus, dass die Transition-Anhänger ihn bei einer entsprechenden Wettervorhersage abbauen.

„Der Pavillion ist temporär“

Transition-Anhänger Klaus Burkard hat in den vergangenen Wochen viele Stunden an der Plattform verbracht und sagt, dass der Pavillon ohnehin nur eine temporäre Lösung sei. „Der wird dort nicht bleiben“, sagt er. Der Kritik an der Optik der „Grünen Oase“ entgegnet er, dass eine Baustelle – „und das ist die ,Grüne Oase’ im Moment noch“ – eben einen Bauzaun haben muss. Bis Samstag werde der aber abgebaut. „Alle Werkstoffe oder Holzpaletten sind bis dahin verbaut oder abtransportiert“, sagt er. Zudem sei jeder eingeladen, die Oase nach seinen Vorstellungen mitzugestalten. Die Skeptiker des neuen Projekts im Obermünsterviertel lädt er am Samstag zur Eröffnungsfeier ein, damit sie sich die fertige Oase noch einmal genau ansehen, bevor sie sich ihr Urteil bilden.

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