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Nahverkehr

Studenten sind vom RVV genervt

Passagiere in Regensburg klagen über Verspätungen, überfüllte Busse und Umwege. Wer kann, verzichtet auf die Linien zur Uni.
Von Heike Haala, MZ

Ein RVV-Bus steuert den preisgekrönten Busbahnhof an der Universität an. Bis die Studenten an diesem Ziel ankommen, verstreicht viel Zeit: Sie klagen über Verspätungen, Umwege und überfüllte Busse.
Ein RVV-Bus steuert den preisgekrönten Busbahnhof an der Universität an. Bis die Studenten an diesem Ziel ankommen, verstreicht viel Zeit: Sie klagen über Verspätungen, Umwege und überfüllte Busse. Foto: Lex

Regensburg.Auf einen Sitzplatz in einem der RVV-Busse, die zwischen der Universität und der Innenstadt verkehren, hofft Stephanie Rohrmeier schon gar nicht mehr. Wenn die Studentin eine der Schlaufen, die von der Decke bau

meln, ergattern könnte, dann wäre ihr das schon genug. Bis sie sich aber nach einer dieser Halteschlaufen umsehen kann, dauere es aber meistens länger als auf der Anzeigentafel angekündigt. „Jeden Tag, wenn ich zur Uni muss, fahren erst einmal bis zu fünf Busse voller Menschen an der Haltestelle bei den Arcaden vorbei, weil sie keinen mehr zusteigen lassen können“ sagt sie.

Stephanie Rohrmeier: „Mit einer GPS-App könnte ich mich über Anschlussbusse informieren.“
Stephanie Rohrmeier: „Mit einer GPS-App könnte ich mich über Anschlussbusse informieren.“

Damit sie nicht zu spät in die Vorlesung kommt, hat sie sich jetzt angewöhnt, einen Bus früher zu nehmen. Das bedeutet für die in Plattling wohnende Studentin, dass sie um 6 Uhr aufstehen muss, wenn sie um 8.30 Uhr an der Universität sein will.

Unter den Studierenden ist Rohrmeier mit diesen Erlebnissen nicht alleine. Viele von ihnen bringen mehr Zeit mit dem Weg per Bus an die Universität, Universitätsstraße, zu, als ihnen lieb ist und es die Anzeigentafeln an den Haltestellen versprechen. Mit dem Bus fährt auch Patrick Weißler deswegen schon lange nicht mehr an die Universität. Weißler studiert Mathematik und Philosophie und wohnt im Stadtosten. Obwohl er in diesem Semester 79 Euro für sein Studententicket zahlt, nimmt er inzwischen am liebsten sein Rad. Auch wenn er damit den Galgenberg hinaufstrampeln muss, ist ihm das immer noch lieber als eine Busfahrt mit dem RVV. „Das ist schneller und stressfreier“, sagt er. Die einzige Alternative, die dem Studenten ein pünktliches Erscheinen bei den Vorlesungen garantiert, sieht er noch in einem 30-minütigen Umweg mit der Linie 2 durch die Regensburger Altstadt. Dann muss er nicht umsteigen und auf Platz im Anschlussbus hoffen.

Patrick Weißler: „Ich fahre nicht mehr mit dem Bus an die Uni. Mit dem Rad geht es schneller.“
Patrick Weißler: „Ich fahre nicht mehr mit dem Bus an die Uni. Mit dem Rad geht es schneller.“

Eine App und eine neue Linie

Eine weitere Studentin ist nicht nur wegen der Vorlesungen auf pünktliche Busse zur Universität angewiesen. Sie tritt den Weg zusammen mit ihrem Baby im Kinderwagen an. „Ich kann es mir nicht erlauben, später zu kommen, weil ich mein Kind in die Betreuung bringen muss“, sagt sie. Im Bus braucht die junge Mutter aus dem Stadtosten zumindest einen Stellplatz für den Kinderwagen. Das werde aber umso schwieriger, je mehr sich der Bus der Universität nähert. Nachdem ein Passagier bei einem Bremsmanöver in ihren Kinderwagen gestürzt ist, hat sie entschieden, das Angebot des RVV nicht mehr zu nutzen. Wenn sie vom Stadtosten aus an die Universität will, nimmt sie nun einen 45-minütigen Fußweg mit dem Kinderwagen in Kauf – und zurück. Das gehe immer noch schneller, als die laut Busplan 17 Minuten lange Busfahrt. Nur so kann sie davon ausgehen, ihr Kind auch pünktlich zur Betreuung bringen zu können.

Jetzt hat sich der Studentische SprecherInnenrat der Universität der Sache angenommen. Vertreterin Julia Greim hat mehrere Forderungen an den RVV. Dazu zählt ein Echtzeit-GPS-System, mit dem nicht über die geplante, sondern über die tatsächliche Abfahrtszeit der Busse auf den Anzeigen und per App informiert wird. Eine Verstärkung der Flotte zu den Stoßzeiten sowie an den Wochenenden ist ihr ebenso ein Anliegen. Zudem wünscht sie sich praktibalere Umstiegszeiten. Damit meint sie, dass nicht mehrere Buslinien an die Universität im Minutentakt starten, wenn dann eine halbe Stunde lang keine Busse mehr fahren.

Eine Lösung sieht Student Jakob Appel auch in der direkten Anbindung der Universität an den Stadtosten durch eine neue Buslinie. Im Stadtosten wohnen viele Studenten. Diese könnten auf den Umweg über die Albertstraße verzichten und die Situation dort entlasten, wenn sie direkt angebunden wären – das sei beispielsweise mit der Linie 4 aus dem Stadtwesten bereits umgesetzt. „Der Weg zur Universität mit dem Bus steht in keinem Verhältnis zu der Luftlinie zwischen dem Wohnsitz und dem Ziel“, sagt Greim.

Julia Greim: „Zu den Stoßzeiten sind die Busse an die Universität überfüllt.“
Julia Greim: „Zu den Stoßzeiten sind die Busse an die Universität überfüllt.“

RVV-Steinwede gibt sich bedeckt

Die MZ hat den RVV-Geschäftsführer Frank Steinwede mit den Forderungen und Vorwürfen der Studierenden konfrontiert. Der wollte sich aber mit dem Verweis auf einen Gesprächstermin am 17. November nicht dazu äußern. An diesem Tag wird er sich mit den Vertretern der Studierenden an der Universität und der Technischen Hochschule treffen, um über das Angebot des RVV zu reden. Dann will er sich anhören, welche Sorgen ihnen unter den Nägeln brennen und nach möglichen Lösungen suchen.

Lösungen, auf die die Studierenden aber naturgemäß dringend angewiesen sind. Sie wollen es noch während ihres Studiums miterleben, dass sich ihre Anregungen in der Unternehmenspolitik des RVV niederschlagen. Die drei Jahre, die die Umsetzung der Campuslinie von der ersten Idee bis zur Testphase gebraucht habe, soll das nicht dauern. „Drei Jahre sind eine ganze Studentengeneration“, sagt Greim.

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