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Taxi-Gäste klagen über rüde Fahrer

Kunden mit Handicap vermissen in Regensburg Hilfe. Andere ärgern sich über Preise und Umwege. Sprecher Stich gibt Ratschläge.
Von Marion Koller, MZ

Der Service vieler Regensburger Taxifahrer lässt zu wünschen übrig. Verärgerte Kunden wandten sich an die MZ.
Der Service vieler Regensburger Taxifahrer lässt zu wünschen übrig. Verärgerte Kunden wandten sich an die MZ.Foto: Matthes

Regensburg.Der Frust über Regensburger Taxifahrer ist bei einer ganzen Reihe von Fahrgästen groß. Gegenüber der MZ beschwerten sie sich über Unfreundlichkeit oder sogar rüdes Verhalten, fehlenden Service, Umwegfahrten, zu hohe Preise, automatisch einbehaltenes Restgeld und die „Hackordnung“ am Bahnhof (Bahnhofstraße). Dort geht es streng nach Reihenfolge, auch wenn der Kunde das dritte oder vierte Taxi vorziehen würde, weil er dessen Fahrer kennt.

Unter anderem wandte sich ein berufstätiger Mittvierziger an die MZ, der wegen einer komplizierten Armfraktur wochenlang auf das Taxi angewiesen war. Der Mann bezahlte insgesamt 700 Euro. Er beschrieb seine Erfahrungen in einer E-Mail.

„Trinkgeld“ wird gleich einbehalten

In Regensburg seien viele unfreundliche Fahrer unterwegs, die gerne Umwege nähmen. Ein tätowierter Muskelmann habe ihn von der Orthopädie-Praxis im Zickzackkurs für 25 Euro heimgefahren, die Hinfahrt hätte aber nur elf Euro gekostet. „Bezahlen musste ich es dennoch“, schreibt der Kritiker. Ein Chauffeur habe ihm die Tür auf den Gipsarm fallen lassen. Viele seien sitzengeblieben und hätten ignoriert oder zugeschaut, wie er sich mit dem Gepäck abmühte.

Eine Kundin mit Handicap klagte, dass ein Fahrer das „Trinkgeld“ gleich einbehalten habe. „Das wären fünf Euro gewesen.“ Ein weiterer habe ihr erklärt, er sei nicht verpflichtet, beim Verstauen des Koffers zu helfen. Am Bahnhof habe sie ein Taxifahrer mit den Worten „Du ballaballa“ schwach angeredet, als sie zögerte, einen der in einer Traube herumstehenden Chauffeure anzusprechen. „Und der Nächste hat mich beschimpft, weil meine Fahrt nur acht Euro schwer war“, schilderte die Frau der MZ. Die Namen der Kritiker sind der Redaktion bekannt.

Weitere Klagen: Normalerweise dürfe man in das Taxi einsteigen, dessen Fahrer einem sympathisch erscheint, doch am Hauptbahnhof Regensburg werde das nicht akzeptiert. Dort herrsche eine Hackordnung. „Ich darf Sie nicht fahren“, heiße es, wenn man den zweiten oder dritten wählt.

Eine Regensburger Audi-Werkstatt händigt ihren Kunden Zehn-Euro-Gutscheine für Taxifahrten aus, während das Auto repariert wird. Diese Bons akzeptieren die Fahrer offenbar nur widerwillig. Außerdem kritisieren die Fahrgäste lange Wartezeiten und Unfreundlichkeit auch der Zentrale.

Der unabhängige Taxi-Unternehmer Hans M. (Name geändert) hat schon vor Jahren die Regensburger Genossenschaft verlassen. Der Grund: „Weil Dienstleistung etwas anderes ist als das, was die Taxizentrale bietet.“ M., der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, behauptet, er biete hochwertigeren Service. Seine Fahrer verstünden sich als Chauffeure. Hans M. bedauert, dass der Zugang zu dem Gewerbe leicht ist. „Viele haben nichts gelernt.“

Georg Stich von der Taxi-Genossenschaft reagiert empört. Als Vorstandsvorsitzender ist er für 180 Taxis zuständig. Umwegfahrten hält er für undenkbar. Der Fahrgast könne davon ausgehen, dass der Taxifahrer den kürzesten Weg nimmt. Wer sich aber übervorteilt fühle, solle unbedingt eine vollständig ausgefüllte Quittung fordern – mit Datum, Preis, Strecke, Taxi-Nummer, Kennzeichen, Unternehmernamen und Stempel. „Der Fahrgast hat ein Recht darauf.“

Stichs zweiter Tipp: Unzufriedene könnten sich an das Amt für öffentliche Ordnung wenden, das jeder Beschwerde nachgeht. Das bestätigt Christina Klement von der städtischen Pressestelle. Kritik, die direkt bei der Taxi-Genossenschaft eingeht, wird an die Stadt weitergemeldet.

Zur Beschimpfung von Kunden wegen einer Kurzstrecke meint Stich, sieben oder acht Euro koste die durchschnittliche Strecke in Regensburg. Erst bei vier Euro könne man von einer Kurzstrecke sprechen. Fahrgäste seien im Übrigen berechtigt, das Taxi an jedem Standort auszusuchen, auch am Bahnhof. Die dortigen Wagen zählen nicht zur Genossenschaft.

Ein paar schwarze Schafe

Zu langen Wartezeiten komme es Freitag und Samstag ab Mitternacht. „Da gibt es einen Engpass“, räumt Stich ein. Die Angestellten in der Zentrale sollten sich „freundlich verhalten und machen es normalerweise auch“, betont er. Es könne aber vorkommen, dass sie bei Hektik nicht ganz so freundlich reagieren. Unter den Fahrern könne es das eine oder andere schwarze Schaf geben, räumt Stich ein. Ihn erreiche trotz Tausender Fahrten höchstens alle drei Tage eine Beschwerde, meist über Unfreundlichkeit. Bei der Stadt gehen laut Pressestelle rund 50 Anschuldigungen im Jahr ein. Sie betreffen hauptsächlich das Verhalten von Taxifahrern und die Ablehnung von Fahraufträgen.

Noch bietet die Taxi-App Uber ihren Service nicht in Regensburg an. Diese harte Konkurrenz erzwingt in Großstädten einen besseren Service der Alteingesessenen.

Kontrollen

  • Die Zuständigkeit

    für die Kontrolle von Taxen liegt beim Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Regensburg und der Polizei. Außerdem hat sich die Taxi-Genossenschaft in Regensburg eigene Sanktionsmöglichkeiten für ihre Mitglieder gegeben.

  • Für 193 Taxis

    hat die Stadt Regensburg Konzessionen ausgegeben, 180 zählen zur Taxi-Genossenschaft. Sie allein vermittelt 1000 Fahrten pro Tag.

  • Qualität, Preis und Fahrten

    der Taxis kontrolliert die Stadt Regensburg. Sie setzt die Tarife fest, die im Pflichtfahrgebiet zu berechnen sind. Außerhalb des Pflichtfahrgebiets kann der Fahrpreis laut Kristina Clement von der städtischen Pressestelle frei vereinbart werden.

  • Die Vorschriften

    sind geregelt in der Taxi-Tarif-Ordnung (im „Stadtrecht“: //www.regensburg.de/rathaus/stadtrecht).

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