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Experiment

Techno-Gottesdienst in Regensburg

Unter dem Namen „Evil Inside“ gab es eine andächtige Stunde in der Suite 15. Stefan Wissel sprach zum Thema Brudermord.
von Daniel Steffen, MZ

Regensburg.Das liturgische Experiment in der Suite 15 war gelungen. Rund 100 vorwiegend jugendliche Gäste nahmen den alternativen Gottesdienst in der Diskothek begeistert auf. Unter dem Namen „Evil Inside“ hatten die Kolpingjugend und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zu einer andächtigen Stunde an den St.-Peters-Weg eingeladen.

Armut, Hunger, Krieg, Flucht und Vertreibung – all das thematisierte Kolping-Diözesanpräses Stefan Wissel am Samstagabend in jenem „Techno Gottesdienst“, der von seinen Besuchern als Appell an die Menschlichkeit verstanden wurde.

Wissel griff unter anderem die biblische Thematik des Brudermords auf und ging der Frage nach, ob nicht auch das Böse im Menschen schlummert. „Der Mensch erstickt an seiner eigenen Gleichgültigkeit und Gottesvergessenheit“, prangerte er in seiner Predigt an. Kritisch betrachtete Wissel die Grenzschließung innerhalb Europas und die zunehmend ablehnende Haltung gegenüber Flüchtlingen. „Einsam und verlassen“ würden diese an den Grenzen Europas ausharren.

Der „Techno Gottesdienst“ in der Suite 15 griff am Samstagabend Themen wie Krieg, Flucht und Vertreibung auf. Die Tänzerinnen der Ballettschule Hoffmann setzten diese Inhalte künstlerisch um.
Der „Techno Gottesdienst“ in der Suite 15 griff am Samstagabend Themen wie Krieg, Flucht und Vertreibung auf. Die Tänzerinnen der Ballettschule Hoffmann setzten diese Inhalte künstlerisch um. Foto: Steffen

„Was ist uns wirklich wichtig im Leben?“, fragte Wissel deshalb. Einmal kollektiv trauern – und „so weitermachen wie bisher?“. Letztendlich, so lautete sein Schluss, trage jeder Mensch mit seinem persönlichen Entschluss zum großen Ganzen bei. „Ihr schafft das Gute mit in der Welt oder baut in Gleichgültigkeit und Egoismus euer Ende. Ihr entscheidet.“

Begleitet wurde der Techno-Gottesdienst durch tänzerische Darbietungen der Ballettschule Hoffmann. Die jungen Akteure betraten in zerschlissener Kleidung die Bühne und stellten jene Menschen dar, die im Krieg fliehen und alles hinter sich lassen mussten.

Blutüberzogen und mit Einschusslöchern in ihren T-Shirts, irrten sie umher – nicht wissend, wohin ihr Weg führt. „Für uns war es eine große Herausforderung, das darzustellen“, sagte Trainerin Bettina Hoffmann im Gespräch mit unserer Zeitung.

Um die Choreographie planen zu können, hatte sie Einsicht in die Bilder bekommen, die dann während des Gottesdienstes auf der Großleinwand vorgeführt wurden. So passte sie ihr Bühnenprogramm an das Szenario von Krieg, Gewalt und Vertreibung an, um die Thematik auf künstlerische Weise umzusetzen.

Der Diözesanpräses Stefan Wissel hielt den Gottesdienst. Foto: Steffen
Der Diözesanpräses Stefan Wissel hielt den Gottesdienst. Foto: Steffen

Das war nach Auffassung der Besucher ebenso gelungen wie der Gottesdienst an sich. „Da tät ich öfter hingehen“, resümierte der 18-jährige Patrick Willner aus Kelheim. „Die Choreographie ist gut gemacht und spricht junge Leute wie mich an. Der Gottesdienst ist einfach mal was anderes.“

Kerstin Dietzinger von der Kolping-Diözesanjugend sieht dies ähnlich. Zum Ende des andächtigen Abends war sie „hin- und hergerissen“ von den Bildern, Szenen und Worten, die den Gottesdienst begleiteten. Ferner findet sie es toll, dass der Gottesdienst dort stattfand, wo sich die „Lebenswelt der Jugendlichen abspielt“. Und auch die Musikauswahl, die sogar Metal und Industrial beinhaltete, sei dem Abend gerecht geworden.

Mit dem „Vater unser“ und dem Segen beschloss Wissel die außergewöhnliche Veranstaltung.

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