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Justiz

Totschlag: Lange Haft für Ehemann

Der 46-jährige Regensburger erdrosselte seine Frau. Dafür muss er neun Jahre und drei Monate hinter Gitter.
Von Marion von Boeselager, MZ

  • Der 46-Jährige (rechts sein Anwalt Michael Haizmann) muss neun Jahre und drei Monate hinter Gitter. Foto: mov

Regensburg.Neun Jahre und drei Monate Gefängnis wegen Totschlags an seiner Ehefrau lautete am Freitag das Urteil des Schwurgerichts gegen einen 46-jährigen Regensburger. Dieser hatte die 36-jährige Mutter seiner beiden Kinder im Streit mit einem Kleid erdrosselt. Damit lag die Schwurkammer unter Vorsitz von Richter Denis Biermann sogar um drei Monate über dem Antrag des Staatsanwalts, der, anders als das Gericht, von einem minderschweren Fall ausgegangen war.

In der Nacht zum 28. Mai letzten Jahres, sagte Biermann in der Urteilsbegründung, sei die Beziehungskrise des Paares eskaliert. Mit dem Totschlag habe der Angeklagte seine Familie zerstört und den Kindern Mutter und Vater genommen. Der Kontaktverlust zu ihnen durch seine eigene Tat, so Biermann, dürfte für den Angeklagten die härteste Strafe sein.

Das ungleiche Paar hatte sich auf der Maidult vor 22 Jahren kennen- und lieben gelernt. Er arbeitete als Pflasterer. Sie, Tochter aus wohlhabendem Hause, ging noch zur Schule. Ihre Eltern waren von Anfang an gegen die Beziehung und „wollten sie zum Scheitern bringen“, erklärte der Vorsitzende. Doch alle Bemühungen schlugen fehl. 2004 heiratete das Paar. Zwei Kinder kamen zur Welt. Doch das schlechte Verhältnis zu den Schwiegereltern, die stark in deren Betreuung eingebunden waren, besserte sich nur kurzfristig.

„Schläge, Lügen, Beschimpfungen“

Von Anfang an, so das Gericht, sei die Beziehung des Paares nicht frei von Konflikten und von Gewalt gewesen. „Es gab Schläge, Lügen, Beschimpfungen, Prügel, auch vor den Kindern.“ Ab Mai 2015 begann die Ehefrau, sich zu verändern. Sie knüpfte im Internet Kontakte mit anderen Männern. Sie reduzierte ihr Gewicht, trieb Sport und kümmerte sich verstärkt um ihr Äußeres. „Die Regensburgerin äußerte sich in Chats zunehmend kritisch über ihren Mann. Sie forderte von ihm, er müsse ihre Männerkontakte dulden. Diese seien nur platonisch.

„Der Angeklagte war über diese Beziehungen nicht glücklich. Er nahm sie aber hin, da er von rein freundschaftlichen Kontakten ausging“, so das Gericht. Doch habe es „gewisse Verdachtsmomente“ gegeben, spätestens als er im April Liebesbriefe seiner Frau an einen ihrer Liebhaber fand.

Am 12. Mai machte die Regensburgerin in Chats dem Angeklagten Vorwürfe, er habe sie misshandelt und „fast erwürgt.“

Zu alledem kamen finanzielle Probleme hinzu. Das Einkommen reichte hinten und vorne nicht. Schuld daran war die hohe Miete, aber auch die übermäßigen Einkäufe und Bestellungen der Ehefrau, „obwohl die Schwiegerleute das Paar über Jahre hinweg in hohem Umfang unterstützten“, so das Gericht.

Am Vormittag ihres letzten Tages war die 36-Jährige noch zu Besuch bei ihrem Liebhaber. Am Nachmittag zeigten sich die Eheleute wieder turtelnd in der Öffentlichkeit. Am Abend wurde reichlich Alkohol getrunken. Es kam zu Zärtlichkeiten, aber auch zu Chats der Frau mit ihren Liebhabern, skizzierte Biermann ihre letzten Stunden. Später im Schlafzimmer sei ein Streit zwischen den Eheleuten ausgebrochen.

Wir berichten regelmäßig aus den Regensburger Gerichtssälen. Hier geht es zum Spezial.

Keine Provokationen der Frau

Anders als vom Angeklagten behauptet, nahm das Gericht aber keine Provokationen der Frau an. Der Angeklagte habe sie körperlich angegriffen. Auf dem Boden hätten beide gerangelt. „Ohne irgendeine Äußerung der Frau in Richtung Todeswunsch (wie vom Angeklagten vorgebracht) fasste ihr Mann spätestens jetzt den Entschluss, sie mit einem Kleidungsstück zu drosseln, dass sie zu Tode kam“, sagte Biermann. „Er nahm ihr Sterben billigend in Kauf.“ „In Notwehr und höchster Not“ habe die Frau ihm dabei eine Hodenverletzung zugefügt.

Die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten sei „infolge einer schweren Belastungsreaktion vermindert“ gewesen, befand die Kammer. Außerdem hatte er bei der Tat maximal 2, 7 Promille Alkohol im Blut. Am nächsten Morgen meldete er in einer Klinik den Tod seiner Frau. „Ich habe meine Frau über alles geliebt“, sagte und schrieb der Angeklagte in seinem Schlusswort. „Ich liebe sie heute noch. Ich war außer Verstand und Kontrolle über mich. Ich vermisse sie.“

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