MyMz
Anzeige

Verkehr

Tram bringt die Stadtentwicklung voran

„Die moderne Tram in Europa“ heißt eine Ausstellung in Regensburg. Beispiele aus europäischen Städten sind zu sehen.
Von Angelika Lukesch, MZ

  • Eine Straßenbahn hält am Münchner Stachus. Auch für Regensburg wäre dies ein vorteilhaftes Fortbewegungsmittel, sagt Manfred Koller. Foto: dpa

Regensburg. Die Stadtwerke Regensburg haben gemeinsam mit dem „Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV in Regensburg“ eine Ausstellung ins Neue Rathaus geholt, die Informationen über die Bedeutung der Trambahn in modernen europäischen Städten gibt. Aktuell ist dieses Thema für Regensburg, weil die Stadt im vergangenen Jahr ein Gutachten zur Einführung eines „höherwertigen“ Verkehrssystems in Auftrag gegeben hat.

Die Ausstellung informiert die Bürger über die Potenziale eines Straßenbahnsystems und zeigt Umsetzungsbeispiele aus jüngster Zeit in vielen anderen europäischen Städten. Manfred Koller von den Stadtwerken Regensburg wies darauf hin, dass die Wanderausstellung Beispiele zeige, „wie man mit einer Tram ein Stadtbild gestalten kann“. Er betonte, dass „die Tram in Europa eine Renaissance erlebt. Rund 100 Städte planen eine neue Trambahn.“

Ergebnisse nach dem Sommer

Die ersten Ergebnisse der von der Stadt Regensburg im vergangenen Jahr in Auftrag gegebenen Studie in Zusammenhang mit der Einführung eines Trambahnsystems seien nach dem Sommer zu erwarten. Die Trambahn bezeichnete Koller als „vorteilhaftestes Bewegungsmittel in einer Stadt der Größe von Regensburg. Die Trambahn ist ein tolles Fortbewegungsmittel, die Urform der Elektromobilität“, sagte Koller.

Bürgermeister Jürgen Huber erklärte, dass Regensburg mittlerweile zu einer „kleinen Großstadt“ geworden sei. Das erste Gutachten in Sachen höherwertiger ÖPNV sei im Jahr 2006 erstellt worden, damals habe es nicht funktioniert, da Regensburg bis dahin nicht die Größe und Struktur gehabt habe, dass eine Trambahn möglich und sinnvoll gewesen wäre.

Der volkswirtschaftliche Nutzen der Tram sei damals in keinem sinnvollen Verhältnis zu den hierfür nötigen, großen Investitionen gestanden. „Im neuen Gutachten jedoch scheint es dahin zu führen“, sagte Huber und fügte an: „Die Möglichkeit, zu einer Stadtbahn zu kommen, ist groß“. Er betonte, dass das Thema weitergeführt werden müsse. Dabei läge es nicht nur am Mut, sondern „es muss auch richtig gemacht werden“.

„Solche Impulse braucht Regensburg heute wieder. Eine Tramnetz könnte ein erster Impuls sein.“

Professor Walter Weber

Der Sprecher des Bündnisses für einen hochwertigen ÖPNV in Regensburg, Professor Walter Weber, forderte, dass „der ausufernde Autoverkehr in der Stadt durch einen hochklassigen ÖPNV ersetzt werden soll. Das leistet nur eine Stadtbahn.“ Es müssten jedoch mit einer möglichen Stadtbahn Gegebenheiten geschaffen werden, so dass die Autofahrer auch „umsteigen wollen“. Dies sei von ausschlaggebender Bedeutung für Regensburg. Die Einführung einer Stadtbahn in Regensburg sei ein Jahrhundertvorhaben und eine große Herausforderung. Professor Weber zog den Vergleich mit dem Bau der Steinernen Brücke und auch des Doms, die der Stadt Regensburg zu großem Aufschwung verhalfen. „Solche Impulse braucht Regensburg heute wieder. Ein Tramnetz könnte ein erster Impuls sein“, sagte Professor Weber. Die Ausstellung im Neuen Rathaus auf der Fläche des Bürgerzentrums beziehungsweise vor dem Raum 0.004 zeigt auf vielen Schautafeln Beispiele einer modernen Trambahn in europäischen Städten. Die Vorteile einer Straßenbahn, wie Umweltfreundlichkeit, geringe Lautstärke, ein Attraktivitätsbonus, große Leistung auf wenig Fläche, Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit werden dargelegt und erklärt.

Trambahnen in Europa

  • Straßburg:

    Die Tram in Straßburg steht im Zentrum einer umfassenden Vision für ein urbanes Straßburg. Die Fläche für den Autoverkehr wurde deutlich reduziert. Fußgänger, Radfahrer und die Straßenbahn profitieren enorm davon. Der öffentliche Raum wurde neu gestaltet, die Innenstadt erhielt ein neues Gesicht und wurde für die Bürger wieder interessanter.

  • Montpellier:

    In den vergangenen Jahren wurde in Frankreich versucht, die Innenstädte wieder besser zu beleben. Fast alle Straßenbahnprojekte, wie in Montpellier, entstanden im Rahmen dieser Gesamtplanung. Die Städte bauten Straßenbahnlinien neu und verbannten so den Autoverkehr aus den Zentren.

  • Nottingham:

    Auch in Großbritannien fahren wieder Trambahnen, wie in Nottingham bereits seit dem Jahr 2004. Auch hier wurde die Straßenbahn als zeitgemäßes Verkehrsmittel eingesetzt, dennsie ist klima- und umweltfreundlich. Auch Nottingham in den East Midlands in England hat mit dem Trambahnnetz die Innenstadt wieder aufgewertet.

  • Heilbronn:

    Die Tram verbessert das Ansehen von Fußgängerzonen, denn sie bringt die Fahrgäste direkt zu ihrem Ziel. Mit der Tram werden wieder mehr Menschen in die Innenstadt gebracht, wie dies beispielsweise mit Autos möglich wäre. So wird die Straßenbahn Impulsgeber für ganze Innenstädte sein.

Besonders betont wird die Sicherheit dieses Verkehrsmittels. „Die Fahrgäste können sich leicht orientieren, müssen keine Stufen nehmen, um in die Fahrzeuge zu gelangen. Die Züge laufen ruhig, der Fahrkomfort ist hoch. Und die Parkplatzsuche, zum Beispiel in der Münchner Innenstadt, entfällt. Das Trambahnnetz ist eng geknüpft: Man muss nicht weit gehen, um zu einer Haltestelle zu gelangen. Die Straßenbahnen fahren in geringen Abständen und Wartezeiten sind sehr kurz“ heißt es auf einer Schautafel.

Vorgestellt werden auch die verschiedenen Straßenbahnnetz-Typen. Zudem gibt es zum Beispiel in Leipzig ein „gewachsenes Tram-Netz“. In Nantes, Grenoble oder Straßburg wurden neue Tramnetze installiert, die eine einfache Struktur haben. So werden hier nur die aufkommensstärksten Achsen mit wenigen Tramlinien bedient. Diese Linien fahren aber ausnahmslos in sehr dichtem Takt.

Wichtiger Baustein im ÖPNV

Darüber hinaus gibt es so genannte Mischnetze, wie zum Beispiel in Prag. Hier teilen sich die Tram und die U-Bahn die Arbeit. Aufgezeigt wird auch das Münchner Netz, das ebenfalls über ein Misch-Netz verfügt. In der Landeshauptstadt ist die Straßenbahn wichtiger Baustein im ÖPNV. Sie ergänzt das U-Bahnnetz in den Bereichen der Stadt, für die eine U-Bahn zu groß für mittlere Verkehrsaufkommen und zu teuer im Bau wäre. Die Ausstellung informiert auch über die Trambahn als Werkzeug der Stadtplanung.

Weitere Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht