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Wirtschaft

Trotz Streit: Aufmüpfige Hotels boomen

Der Zwist zwischen der Tourismus GmbH und 32 Häusern in Regensburg geht weiter. Der Hotel-Verein fordert ein Entgegenkommen.
Von Marion Koller, MZ

Mit den guten Einnahmen von 2015 bauen viele Hoteliers um: Kathrin Fuchshuber vom kritischen Verein „Hotels in Regensburg.com“ im sanierten Foyer ihres Münchner Hofs
Mit den guten Einnahmen von 2015 bauen viele Hoteliers um: Kathrin Fuchshuber vom kritischen Verein „Hotels in Regensburg.com“ im sanierten Foyer ihres Münchner Hofs Foto: Lex

Regensburg.Die Regensburger Hotels boomen. 2015 war ein sehr gutes Jahr, nicht nur für die 32 kritischen Häuser, die sich im Verein „Hotels in Regensburg.com“ zusammengeschlossen haben, sondern auch für die übrigen zwölf. Kathrin Fuchshuber, Sprecherin des Hotel-Vereins, blickt zuversichtlich in die Zukunft. Sie erwartet – wegen der schwierigen politischen Großwetterlage – mehr Städtetourismus.

Außerdem konzentriert sich der Verein erfolgreich auf Tagungstouristen. Schließlich stehen die Veranstaltungssäle in der Conti Arena zur Verfügung und 2017 eröffnet das Tagungszentrum im Marina Quartier. Stolz verweist der Hotel-Verein darauf, dass er über 1000 Arbeitsplätze offeriert.

Kathrin Fuchshuber
Kathrin Fuchshuber Archivfoto: altrofoto.de

Viele Hoteliers, wie Kathrin Fuchshuber in ihrem Münchner Hof (Tändlergasse), renovieren Zimmer. Stephanie Birnthaler hat ein Haus eröffnet: Das kleine „David“ in der Goldenen-Bären-Straße. Unternehmer Oswald Zitzelsberger, der nicht dem Verein angehört, erweitert sein Central in Bahnhofsnähe um 15 Zimmer. Die Konkurrenz fürchtet er nicht.

Regensburg ist eine Top-Adresse für die Branche. Die Motel-One-Kette peilt die Domstadt schon länger an. Die Übernachtungszahlen in Regensburg sind erneut gestiegen: auf mehr als 940 000 im Jahr.

„Das ist ja Wucher!“

Dieser Boom, aber auch gewaltige Kritik werden den neuen Tourismus-Beirat beschäftigen, der nach seiner Konstituierung vor einem Jahr nun am Dienstag erstmals tagt. Kathrin Fuchshuber und ihre Mitstreiter lehnen das neue Buchungsportal Tomas der Regensburg Tourismus GmbH ab und nutzen lieber ihr eigenes www.hotels-in-regensburg.com. „Der Erfolg gibt uns recht“, sagt Fuchshuber. Die Anfragen nähmen zu – gerade im Bereich Tagungs- und Gruppenreisen. Gäste von vier großen Kongressen, darunter die Physikertagung im März und die Konferenz der European Real Estate Society im Juni, bringen die Mitgliedshotels 2016 unter.

Kommentar

Tagungsreisende locken

Die wichtigste Frage für die Tourismusbranche lautet: Was will Regensburg erreichen? Eine Steigerung der Gäste-Übernachtungen auf eine Million reicht als...

Über die RTG komme nur ein Prozent der Buchungen. Das habe eine Zählung des Hotel-Vereins 2015 ergeben. Nur einige Zwei- und Drei-Sterne-Häuser profitierten. „Ich habe von der Regensburg Tourismus GmbH keine Anfrage für eine große Tagung 2017 oder 2018. Dieses Geschäft läuft ja schon.“

Kulturreferent Klemens Unger, der den Tourismus-Beirat leitet, reagiert verärgert auf die Vorwürfe: „Es ist nicht ganz fair, ein Konkurrenzsystem aufzubauen und dann zu sagen, von der Stadt kommt nichts.“

Kulturreferent Klemens Unger leitet den neuen Tourismus-Beirat, der am Dienstag erstmals tagt.
Kulturreferent Klemens Unger leitet den neuen Tourismus-Beirat, der am Dienstag erstmals tagt. Archivfoto: altrofoto.de

Die streitbare Hotelbesitzerin Fuchshuber kritisiert, Tomas sei für die Ferienhotellerie entwickelt worden, die Stadt- und Tagungshotellerie stelle andere Anforderungen. Im Übrigen sei die Buchungspauschale, die die RTG im Sommer von 15 auf acht Prozent reduziert hat, noch viel zu hoch. Fuchshuber sagt: „Wir wollen dem Gast unsere Zimmer möglichst provisionsfrei anbieten.“ In ihren beiden Hotels koste ein Zimmer 100 Euro. Bei einer Buchung über die RTG zahle sie vom Umsatzbrutto acht Prozent an die Stadt. „Das ist ja Wahnsinn!“, ärgert sie sich. „Alles, was über drei Prozent Vermittlungsgebühr liegt, ist Wucher.“

Atmosphärische Störungen

Unger entgegnet: „Bitte fragen Sie, was große Portale wie Booking.com oder HRS verlangen!“ Deren Gebühr übersteige acht Prozent bei weitem. RTG-Pressesprecher Michael Vogl ergänzt, Tomas sei das offizielle Buchungssystem für ganz Ostbayern und viele Großstädte. Es könne alle Unterkünfte buchbar machen. Das Hauptaugenmerk der RTG liege auf der Einfachheit der Buchung für den Gast, die bei der Software hotels-in-regensburg.com nicht immer gegeben ist.

Die Stadt bemühte sich laut Kulturreferent Unger monatelang um eine Einigung. Er ärgert sich darüber, dass der Verein einen Termin kurzfristig absagte, bei dem dessen eigenes Buchungssystem und Tomas vorgestellt werden sollten.

Es gibt nach wie vor atmosphärische Störungen zwischen den Hoteliers und RTG-Chefin Sabine Thiele. „Die RTG müsste offener und entspannter sein. Die Vertrauensbasis fehlt“, urteilt Fuchshuber. Vor der ersten Sitzung des Tourismus-Beirats sind die Hoteliers skeptisch. „Was das werden soll, weiß ich nicht“, stellt sie fest. Fuchshuber beruft sich auf den Erfolg ihres Vereins und erwartet ein weiteres Entgegenkommen der RTG.

Dr. Martin Kammerer, wird als Tourismus-Fachmann der IHK Regensburg im Beirat mitreden. Er schüttelt den Kopf über den Konflikt. Regensburg brauche ein breit getragenes, stimmiges Tourismuskonzept.

Dr. Martin Kammerer von der IHK Regensburg erwartet, dass alle Tourismus-Beteiligten an einem Strang ziehen.
Dr. Martin Kammerer von der IHK Regensburg erwartet, dass alle Tourismus-Beteiligten an einem Strang ziehen. Foto: altrofoto.de

Seit der „Gesprächsrunde Tourismus“ im Februar 2015 sei ein Jahr vergangen, aber leider nicht viel passiert. „Ein weiterer Stillstand der Gespräche zwischen den Akteuren würde eine optimale Vermarktung unserer Stadt lähmen“, befürchtet er.

Referent Unger hofft, am Dienstag die „Emotionen aus der Debatte herausnehmen zu können. Was er sich von einem Tourismus-Konzept erwartet, verrät er nicht.

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